Bundesbank: Joachim Nagel übernimmt Verantwortung für umstrittenes Bauprojekt
Der Bundesbank-Präsident ist künftig im Vorstand auch für den Bereich Bau zuständig.
Foto: dpaFrankfurt. Die Bundesbank hat die Aufgaben des früheren Vorstandsmitglieds Johannes Beermann im Führungsgremium neu verteilt. Präsident Joachim Nagel soll dabei zunächst die Verantwortung für den Bereich Bau übernehmen. Da hinein fällt auch das umstrittene Projekt des Umbaus der Bundesbank-Zentrale zu einem Campus, teilte die Bundesbank mit. Die Amtszeit von Beermann ist zum 31. Dezember 2022 ausgelaufen.
Das Umbauprojekt gilt als heikle Aufgabe, bei der es wenig zu gewinnen, aber viel zu verlieren gibt. Die Renovierung der 217 Meter langen und 13 Stockwerke hohen Zentrale und der Ausbau zum Campus zählt zu den größten Hochbauprojekten in Deutschland.
Noch hat die Bundesbank keine Schätzungen zu den Kosten veröffentlicht. Insider gehen davon aus, dass die Kosten für die aktuellen Pläne doppelt so hoch ausfallen könnten wie die für den 1,3 Milliarden Euro teuren Neubau des Hauptquartiers der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Osten.
Schon bisher ist bei dem Bauprojekt vieles schiefgelaufen. So trennte sich die Bundesbank vom zuständigen Projektleiter. Zudem gab es zeitliche Verzögerungen, weil das Ausweichquartier, in das die Mitarbeiter während der Bauarbeiten umziehen sollten, erst zwei Jahre später bezogen werden konnte als geplant.
Intern wird hinterfragt, ob das Campus-Projekt in seiner aktuellen Form noch angemessen ist. Die Planungen sind noch vor der Pandemie entstanden. Inzwischen arbeiten aber deutlich mehr Mitarbeiter im Homeoffice als zuvor.
Ringen um die Nachfolge des früheren Bundesbank-Vorstands
Nagel hatte zuletzt angedeutet, dass die bisherigen Baupläne noch einmal überarbeitet werden müssen. „Das Projekt Campus, so wie Sie es jetzt kennen, wird sicherlich am Ende nicht genauso umgesetzt werden“, sagte er Ende November.
Ob Nagel auch langfristig die Verantwortung für das Bauprojekt übernimmt, ist ungewiss. Bisher konnte sich die Politik nicht auf die Nachfolge von Beermann verständigen. Das Vorschlagsrecht hat Hessen. In der dortigen schwarz-grünen Landesregierung wird seit Längerem gerungen, welche Partei einen Kandidaten für die Beermann-Nachfolge nominieren darf.
Insidern zufolge setzen sich die Grünen für den bisherigen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Philipp Nimmermann ein. Dagegen wolle die CDU lieber einen eigenen Kandidaten durchsetzen und soll dabei mit Michael Meister liebäugeln. Der CDU-Bundestagsabgeordnete war früher Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.
Nachdem sich die Landesregierung nicht fristgerecht bis Ende 2022 auf einen Kandidaten verständigen konnte, fürchten in der Bundesbank manche, dass sich die Nominierung bis nach der hessischen Landtagswahl im Herbst 2023 hinziehen könnte.
Kritik am Nominierungsverfahren
Angesichts des politischen Gezerres gibt es Kritik am Nominierungsverfahren. So fordert zum Beispiel die Bürgerbewegung Finanzwende, die Positionen im Vorstand öffentlich auszuschreiben. Dadurch solle erreicht werden, dass die Posten ausschließlich nach Qualifikation und nicht nach Parteibuch besetzt würden.
Neben dem Bereich Bau war Johannes Beermann im Bundesbank-Vorstand auch für Bargeld, Controlling, Verwaltung und Beschaffung zuständig. Die Verantwortung für Bargeld übernimmt im Vorstand nun zunächst Burkhard Balz, um Controlling kümmert sich Joachim Wuermeling. Außerdem ist Claudia Buch nun auch für den Bereich Verwaltung zuständig und Sabine Mauderer für Beschaffung.