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Bank of JapanZinsen in Japan bleiben unverändert gering – Investoren lösen erneut deutliche Marktbewegungen aus

Die Leitzinsen in Japan verbleiben auf ihrem ultraniedrigen Niveau. Anleger müssen daraufhin einen Teil ihrer Wetten gegen die japanische Notenbank auflösen.Martin Kölling 18.01.2023 - 09:26 Uhr Artikel anhören

Die japanische Notenbank hält an ihrer Geldpolitik fest.

Foto: Reuters

Tokio. Die japanische Notenbank zieht ihre Geldpolitik vorerst nicht weiter an. Damit positioniert sie sich gegen die Spekulationen der Investoren – und löst an den Kapitalmärkten erneut deutliche Kursbewegungen aus.

So entschied die Bank of Japan am Mittwoch einstimmig, an ihren ultraniedrigen Zinssätzen von minus 0,1 Prozent für kurzfristige Zinsen und an der Obergrenze von 0,5 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen festzuhalten. Sie erweiterte lediglich einen Kreditmechanismus für Finanzinstitute, um mit billigen Krediten den Kauf von Anleihen anzuregen. Außerdem erhöhte sie die Inflationsprognose für 2022 und 2024 leicht auf drei und 1,8 Prozent, während sie für dieses Jahr von 1,6 Prozent ausgeht

Bei der Zinskurvenkontrolle setzt die Bank keinen Leitzins fest, sondern kontrolliert die gesamte Zinskurve. Im Dezember hatte sie die Anleger noch mit einer Verdopplung des Zinskorridors für zehnjährige Staatsanleihen (JGBs) auf eben 0,5 Prozent überrumpelt.

Dass die Handelsspanne erst im Dezember verdoppelt wurde sei auch der Grund dafür, dass die Währungshüter diesmal keine Anpassungen vorgenommen haben, begründete Notenbank-Gouverneur Haruhiko Kuroda. Er gehe davon aus. „dass es einige Zeit dauern wird, die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Marktfunktionen zu bewerten“.

Laut Handelsminister Yasutoshi Nishimura nähert sich das Land der Phase, in der die lockere geldpolitische Linie gestoppt werden kann. „Natürlich wird die Geldpolitik in Zukunft normalisiert, aber bis wir einen klaren Weg in die Zukunft sehen, wird die Bank of Japan meines Wissens an ihrer derzeitigen Politik festhalten“, sagte der Minister auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Zuletzt war der Zins für zehnjährige JGBs den vierten Handelstag in Folge über das Limit der Notenbank gestiegen. Investoren hatten verstärkt darauf gewettet, dass die Notenbank ihre Geldpolitik weiter strafft. Einen Teil dieser Wetten mussten die Investoren daraufhin auflösen.

Das sorgte dafür, dass die Renditen japanischer Staatsanleihen so stark einbrachen wie seit Jahrzehnten nicht. Die Rendite zehnjähriger Bonds fiel von 0,505 auf bis zu 0,360 Prozent. Die Rendite zweijähriger Anleihen drehte von 0,046 Prozent in den negativen Bereich.

Die Entwicklung ist eng verbunden mit den Erwartungen der Marktteilnehmer an die Zinsentwicklung. Strafft eine Notenbank ihre Geldpolitik, steigen im Allgemeinen die Anleiherenditen.

Auch der Yen geriet gegenüber vielen Währungen stark unter Druck. Zum Dollar und zum Euro gab die japanische Währung jeweils mehr als zwei Prozent nach. Schließlich bekommen Anleger in anderen Währungsräumen höhere Zinsen und haben damit eine bessere Aussicht auf eine höhere Rendite.

Im Gegenzug stiegen die Aktien japanischer Großkonzerne deutlich, da ein schwächerer Yen deren Umsätze im Auslandgeschäft antreibt. Der japanische Leitindex Nikkei sprang um 2,5 Prozent nach oben.

Umstrittene Geldpolitik der Bank of Japan

Die starken Ausschläge unterstreichen die Nervosität der Märkte, wenn es um die Geldpolitik der drittgrößten Wirtschaft der Welt geht. Seitdem die US-Notenbank Fed im Kampf gegen die Inflation die Zinsen angehoben hat, wetten Hedgefonds gegen die Bank of Japan. Sie erwarten, dass die japanischen Währungshüter ihre Politik der Zinskurvenkontrolle aufgeben müssen, die das Fundament von Japans gegenwärtiger Geldpolitik bildet. Diese Politik gilt jedoch als sehr umstritten, weil sie mit hohen Kosten verbunden ist und Experten zufolge den Markt verzerrt.

Als die Bank of Japan im Dezember den langfristigen Handelskorridor überraschend auf den Bereich zwischen minus und plus 0,5 Prozent erweiterte, hieß es, man wolle die Funktionsfähigkeit des Marktes verbessern. Der Schritt löste an den Märkten bereits heftige Reaktionen aus. Seit Dezember musste die Bank of Japan JGBs für etwa 33 Billionen Yen (rund 240 Milliarden Euro) kaufen, um die Obergrenze ihres Zinskorridors zu verteidigen.

Diese Käufe im großen Stil dürfte die Notenbank fortsetzen, glaubt Norihiro Yamaguchi, Volkswirt von Oxford Economics. Wenn der Druck jedoch anhalte, könne sie gezwungen werden, den Zinskorridor auf auf 0,75 oder ein Prozent zu erweitern. „Wir glauben, dass dieses Risiko ist weiterhin hoch ist.“ Auch ist es zunehmend schwieriger, Käufer für die Bonds zu finden.

All dies stärkte die Verwirrung um den künftigen Kurs. Der Investor Alliance Bernstein warnte in dieser Woche sogar, wegen sinkender Liquidität Investitionen in japanische Staatsanleihen ganz einzustellen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte einen Portfoliomanager mit den Worten, dass die Notenbank nur noch zwei Möglichkeiten habe, um aus dem Dilemma herauszukommen: Sie löst sich von der Kontrolle der Renditekurve oder sie dehnt die Laufzeit von Nullzinskrediten von zwei auf fünf Jahre aus, um die Banken weiter zum Kauf von Staatsanleihen zu ermuntern. Dies könne dazu beitragen, den Druck auf Staatsanleihen bis zur März-Sitzung der Notenbank zu reduzieren.

Ein weiteres Problem: der gestiegene Einfluss ausländischer Anleger. Bislang galt Japan als immun gegen den Druck der internationalen Finanzmärkte. Denn die meisten Anleihen werden im Inland gehalten, während Ausländer nur 14 Prozent der Schulden besitzen. Doch wegen der riesigen Käufe der Notenbank sind sie nach Japans Versicherern nun der zweitgrößte Investor im nicht von der Notenbank kontrollierten Teil des Marktes und bestimmen daher die Preise immer stärker.

Bank of Japan: Führungswechsel steht bevor

Notenbankchef Kuroda steht damit zum Ende seiner zehnjährigen Amtszeit – er scheidet im April aus dem Amt – mehr als je zuvor unter Rechtfertigungsdruck. Bislang wies er Zinserhöhungen stets zurück. Denn die Bank of Japan erwartet, dass die im internationalen Vergleich niedrige Inflation bald wieder unter ihr Inflationsziel von zwei Prozent fallen wird. Im November lag sie bei 3,8 Prozent, wenngleich sie zuletzt stark angezogen hat.

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Noch kommt Kuroda damit bei vielen Volkswirten durch. Stefan Anrick von Moody’s Analytics meint: „Die jüngsten volkswirtschaftlichen Daten schreien nicht nach einer Straffung der Geldpolitik.“ Anzeichen für eine heiß laufende Konjunktur sieht er nicht. Die Inflation sei weitgehend importiert, der Yen erstarke nach seinem Einbruch im vergangenen Jahr wieder, und die globale Inflation habe ihren Gipfel überschritten.

Er will zwar einen politisch motivierten geldpolitischen Kurswechsel mit einem neuen Führungsteam der Notenbank nicht ausschließen. Aber Anrick meint: „Es ist schwer zu erkennen, was eine breitere Abkehr von niedrigen Zinssätzen im Allgemeinen rechtfertigen könnte.“

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