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KommentarNeues Chipwerk: Ein großer Schritt für die Unternehmen, ein kleiner Schritt für Europa

Die Halbleiterfabrik von Wolfspeed und ZF ist wichtig, reicht aber längst nicht aus. Die EU braucht eine Strategie mit der gesamten Wertschöpfung im Blick.Joachim Hofer 01.02.2023 - 18:17 Uhr
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Stefan Hain, Leiter der Halbleiterentwicklung bei ZF, hält eins der angestrebten Produkte in die Kamera.

Foto: dpa

Die Bedeutung für das Saarland und die beteiligten Unternehmen Wolfspeed und ZF, kann kaum überschätzt werden: Auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Ensdorf soll die weltgrößte Fabrik für Siliziumkarbid-Chips entstehen.

Das Saarland bekommt damit dringend benötigte zukunftsträchtige Arbeitsplätze; der US-Halbleiterhersteller Wolfspeed rückt näher an seine wichtigen europäischen Kunden heran und der Autozulieferer ZF steigt in ein für die ganze Branche höchst interessantes Geschäftsfeld ein.

Und auch die deutsche Autoindustrie darf sich darüber freuen, dass sie künftig verlässlich und aus Europa heraus mit den für die Elektromobilität so wichtigen Stromsparchips versorgt wird.

Dass sich Wolfspeed im Saarland niederlässt, ist darüber hinaus bedeutsam für Deutschland, ja für die gesamte EU. Denn das Werk macht die Region unabhängiger von Lieferungen aus Übersee bei den strategisch wichtigen Bauelementen. Das Risiko von Lieferengpässen sinkt drastisch.

Und dennoch: In Relation zu dem von der EU-Kommission ausgegebenen Ziel, den Anteil an der weltweiten Halbleiterproduktion bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln, handelt es sich allenfalls um einen kleinen Schritt. Um dies zu erreichen, müssen sich noch viele andere Chipfirmen entscheiden, in der EU zu bauen.

Im Rest der Welt wird längst gebaut

Die bisher angekündigten neuen Fabriken von Wolfspeed, Intel, Infineon und STMicroelectronics dürften allenfalls reichen, um den Marktanteil von weniger als zehn Prozent zu halten. Denn vor allem in den USA, aber auch in Taiwan, Südkorea und Japan entstehen derzeit zahlreiche und weitaus größere Werke. Das liegt vor allem daran, dass die Subventionen dort bereits fließen, während Europa noch darüber diskutiert, welche Vorhaben in welcher Höhe gefördert werden sollen.

Es ist wenig gewonnen, wenn zwar die Chips aus der EU kommen, sie aber zum Testen und Verpacken nach Indonesien oder Malaysia geflogen werden.

Europa muss daher Tempo machen. Wenn die EU weiter zögert, dann entscheiden sich die meisten Chipkonzerne für andere Regionen. Genauso wichtig: Es muss endlich klar sein, in welche Felder die Gelder fließen sollen. Europa kann nicht alle Bereiche der Industrie fördern, da bliebe zu wenig übrig für die einzelnen Projekte. Bislang aber ist ein Fokus nicht zu erkennen.

Die ganze Lieferkette im Blick behalten

Das ist aber noch nicht alles. Europa sollte sich nicht allein auf den Kern der Chipproduktion konzentrieren, die sogenannten Wafer-Fabs. Eine derartige Fabrik entsteht jetzt im Saarland. Es gilt, die gesamte Wertschöpfungskette im Blick zu behalten. Dazu gehören die Hersteller von Chipmaschinen, Halbleitermaterialien, aber auch die Weiterverarbeitung, das sogenannte Back-End. Es ist wenig gewonnen, wenn zwar die Chips an sich künftig aus der EU kommen, sie aber zum Testen und Verpacken wie bisher nach Indonesien oder Malaysia geflogen werden. Oder wenn ein kritischer Lieferant in China sitzt.

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Die EU braucht daher so schnell wie möglich eine umfassende Chipstrategie. Immerhin: Die Entscheidung von Wolfspeed für das Saarland zeigt, dass Standorte in Europa im Einzelfall durchaus mithalten können im weltweiten Ringen um die Gunst der Halbleiterhersteller.

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