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GaspreisUniper-Verlust fällt um gut 20 Milliarden Euro niedriger aus

Deutschlands größter Gasimporteur legt vorläufige Zahlen vor. Dank der warmen Temperaturen muss der Konzern deutlich weniger Geld für Gasersatzbeschaffung ausgeben als erwartet.Catiana Krapp 01.02.2023 - 15:21 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Deutschlands größter Gasimporteur geht von niedrigeren Ausgaben für Gasersatzbeschaffungen aus als bisher.

Foto: AP

Düsseldorf. Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper erwartet für das Geschäftsjahr 2022 niedrigere Verluste als bisher angenommen. Die Prognose für die Ergebnisse hätten sich deutlich verbessert, gab das Unternehmen am Mittwochnachmittag per Pflichtmitteilung bekannt. Erwartet werden allerdings weiterhin deutlich negative Ergebnisse.

Laut der Mitteilung hat Uniper im vierten Quartal wegen hoher Gasersatzbeschaffungskosten einen Verlust von 3,4 Milliarden Euro gemacht. Für das gesamte Geschäftsjahr 2022 kämen Verluste in Höhe von 13,2 Milliarden Euro zusammen.

Die erwarteten zukünftigen Verluste durch anhaltende Gasersatzbeschaffungskosten für gekürzte russische Gaslieferungen belaufen sich laut Uniper zum 31. Dezember 2022 auf rund 5,9 Milliarden Euro. Insgesamt hätte Uniper durch die weggefallenen russischen Gaslieferungen dann lediglich 19,1 Milliarden Euro Verlust gemacht.

Gut 19 Milliarden Euro sind zwar eine gigantische Summe. Allerdings hatte Uniper ursprünglich mit mehr als doppelt so hohen Gesamtverlusten von rund 40 Milliarden Euro gerechnet. Der Gasimporteur bezog einen Großteil seines Gases vom russischen Unternehmen Gazprom, das seit September kein Gas mehr an Uniper liefert.

Uniper muss selbst Hunderte Industrieunternehmen und Stadtwerke in Deutschland mit Gas versorgen und ist deshalb zum Verlustgeschäft verdammt: Das Unternehmen muss Gas teuer auf dem Weltmarkt nachkaufen und günstiger an die eigenen Kunden abgeben, mit denen es bereits feste Preise vereinbart hat. Wegen dieser Belastung hat der deutsche Staat das Unternehmen zum Jahreswechsel zu 99 Prozent übernommen, um Uniper vor einer Pleite und die Stadtwerke und Unternehmen vor Gas-Engpässen zu bewahren.

Warme Temperaturen entlasten Uniper

Dass die Verluste von Uniper jetzt offenbar viel niedriger ausfallen als ursprünglich erwartet, dürfte an den aktuell niedrigen Gaspreisen liegen. Uniper kann aktuell günstiger Gas nachkaufen als zunächst vermutet. Der Gaspreis an den Börsen liegt zwar immer noch bei einem Vielfachen des Niveaus, das vor dem Ukrainekrieg als normal galt. Aber er ist im Vergleich zum vergangenen Sommer wieder deutlich gesunken.

Die Finanzvorständin von Uniper, Tiina Tuomela, sagte am Mittwoch: „Die Entwicklung des Gaspreises beeinflusst ganz wesentlich Unipers Kosten für die aktuelle und zukünftige Gasersatzbeschaffung.“ Die Höhe der künftig erwarteten Verluste basiere im Wesentlichen auf den Gaspreisen zum Bewertungszeitpunkt. Aufgrund des signifikanten Rückgangs des Gaspreises zum Jahresende 2022 habe Uniper die Prognose zu den Verlusten durch zukünftige Gasersatzbeschaffungskosten von rund 30 Milliarden Euro auf rund 5,9 Milliarden Euro reduziert.

Die Entwicklung des Gaspreises beeinflusst ganz wesentlich Unipers Kosten für die aktuelle und zukünftige Gasersatzbeschaffung.
Tiina Tuomela, Finanzchefin Uniper

Ein Grund für die niedrigen Gaspreise zum Jahresende sind die Temperaturen, die in diesem Winter im Durchschnitt bislang ungewöhnlich warm sind. So verbrauchen europäische Haushalte weniger Gas als gewöhnlich, und durch die geringere Gasnachfrage sinken die Preise.

Am Mittwoch lag der Gaspreis an der niederländischen Börse TTF bei rund 60 Euro für eine Megawattstunde. Im vergangenen August war er zwischenzeitlich auf deutlich über 300 Euro gestiegen.

Wie sich die Preise weiterentwickeln, ist aber unklar. Uniper verweist deshalb darauf, dass die tatsächlichen Verluste des Konzerns und die erwarteten Verluste aus Gasersatzbeschaffungskosten in der Zukunft mit den sich ändernden Gaspreisen weiterhin erheblich schwanken können.

Infolge der jüngsten Entwicklungen erwartet Uniper für das Geschäftsjahr 2022 ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Adjusted Ebit) in Höhe von minus 10,4 Milliarden Euro. Im Vorjahr schrieb das Unternehmen beim bereinigten Ergebnis noch ein Plus von 1,19 Milliarden Euro.

Beim bereinigten Nettoergebnis erwartet Uniper einen Verlust von rund sieben Milliarden Euro, im Vergleich zu einem Gewinn von 906 Millionen Euro im Vorjahr. Die detaillierten Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2022 will Uniper am 17. Februar veröffentlichen.

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Verluste häufen sich noch bis mindestens 2024

Die Gaslieferverträge mit Stadtwerken und Unternehmen, die Uniper bedienen muss, laufen teils noch bis ins Jahr 2024. Bis dahin wird der Konzern im Gashandelsgeschäft also weiter Verluste machen – sofern die Gaspreise nicht so weit sinken, dass sie unter den mit den Kunden vereinbarten Verkaufspreisen liegen.

Wie es mit dem Krisenunternehmen Uniper weitergeht, ist noch unklar. In einem internen Papier aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es allerdings kürzlich, die „wertmaximierende Veräußerung verbleibender gesunder Bestandteile“ von Uniper sei ein wichtiges Ziel. Fest steht bereits, dass Uniper das Kohlekraftwerk Datteln 4 verkaufen muss.

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