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  4. Essstäbchen und Mobiltelefone: Wo Deutschland von chinesischen Importen abhängig ist

HandelWo Deutschland wirklich von Importen aus China abhängig ist

Deutschland ist insgesamt eher wenig auf chinesische Lieferungen angewiesen. Bei einzelnen Produkten ist die Abhängigkeit dafür gefährlich hoch, wie eine neue Studie zeigt.Dana Heide 14.02.2023 - 17:55 Uhr Artikel anhören

Containerhafen in Shanghai: Noch immer besteht die Gefahr von Engpässen.

Foto: dpa

Berlin. Wie abhängig ist Deutschland von China? Seit Monaten dreht sich in Berlin vieles um diese Frage. Eine neue Analyse des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) liefert dazu nun mehr Details. Sie soll am Mittwoch vorgestellt werden und liegt dem Handelsblatt vorab vor.

Die Erhebung zeigt: Bei zahlreichen Produkten ist Deutschland stark auf Importe aus China angewiesen – ein schneller Ersatz durch Lieferanten aus anderen Ländern dürfte im Ernstfall schwierig sein. Die Autoren haben sich dafür solche Güter vorgenommen, bei denen ein hoher Anteil der Importe aus China kommt und bei denen die Volksrepublik gleichzeitig weltweit dominierend ist.

„Man muss sehr genau hinschauen, bei welchen Produkten Deutschland von China abhängig ist, und vor allem, bei welchen Produkten China gleichzeitig so stark auch weltweit dominiert, dass eine Substituierung kurzfristig sehr schwierig ist“, erklärt Alexander Sandkamp, einer der Autoren der IfW-Analyse.

Laut IfW ergibt sich insbesondere bei Elektronikprodukten die von Sandkamp angesprochene brenzlige Kombination. So liegt etwa bei Laptops der kombinierte Anteil von Importen aus China und Taiwan bei mehr als 85 Prozent – wobei der größte Teil aus chinesischer Produktion kommt.

Gleichzeitig hat die Volksrepublik in dieser Produktkategorie einen Weltmarktanteil von rund 75 Prozent. Im Falle eines Konflikts sei es daher wahrscheinlich, dass viele Länder neue Lieferanten suchen würden, sodass es angesichts der Dominanz Chinas schnell zu Engpässen kommen könnte, schreiben die Autoren. Ähnlich abhängig ist Deutschland bei Mobiltelefonen – 68 Prozent davon kommen aus China. Viele Hersteller, etwa der US-amerikanische Konzern Apple, setzen auf eine Produktion in der Volksrepublik.

Schreckenszenario: Eskalation des Taiwan-Konfliktes

Die IfW-Forscher haben dabei ein Szenario vor Augen, bei dem durch eine Eskalation des Taiwankonflikts nicht nur die europäische und chinesische Wirtschaft plötzlich entkoppelt würden, sondern auch Importe aus Taiwan erschwert werden würden.

Hintergrund für dieses Szenario ist, dass Peking Taiwan als Teil seines Territoriums betrachtet. Die chinesische Staatsführung hat bereits mehrfach betont, dass sie zwar für eine friedliche „Wiedervereinigung“ sei, aber ausdrücklich den Einsatz von Gewalt nicht ausgeschlossen. Würde es so weit kommen, dann wäre klar, dass Europa unter anderem massive Wirtschaftssanktionen verhängen würde.

Die Analyse zeigt auch noch weitere Produktebenen auf, bei denen Deutschland von Importen aus China angewiesen ist – und fördert dabei auch mitunter kuriose Abhängigkeiten zutage. So importiert Deutschland 99 Prozent seiner Feuerwerkskörper und 88 Prozent Essstäbchen aus Bambus aus China und Taiwan.

Dass die deutsche Wirtschaft hingegen auch bei zahlreichen kritischen Rohstoffen von China abhängig ist, ist mittlerweile weitgehend bekannt. So stammen laut einer Analyse des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) mehr als 60 Prozent des Rohstoffs Gallium aus China – dieser wird etwa bei der Herstellung von Halbleitern und Leuchtdioden eingesetzt.

Nach einer Erhebung des Ifo-Instituts kommt Deutschland bei Magnesium, das etwa in der Robotik und beim 3D-Druck verwendet wird, auf einen Anteil von chinesischen Lieferungen von 50 Prozent. Auch in der IfW-Studie wird auf diese Abhängigkeiten hingewiesen. Das IfW stellt fest, dass Seltenerdmetalle zu 85 Prozent aus China und Taiwan importiert werden.

Forscher plädieren für zweigleisige Strategie

In Bezug auf die kritischen Produkte plädieren die IfW-Forscher für eine mehrgleisige Strategie: Zum einen sollen Freihandelsabkommen ausgebaut werden, um den Unternehmen eine Diversifizierung zu erleichtern. Zudem schlagen die Studienautoren vor, Entwicklungen zu fördern, die zu einer besseren Materialeffizienz führen, und auch eine stärkere Lagerhaltung könne helfen, Engpässe zumindest kurzfristig zu überwinden.

Auch die Bundesregierung arbeitet darauf hin, dass sich Deutschland etwa bei der Beschaffung von kritischen Rohstoffen breiter aufstellt. Wie schon vor Kurzem eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigte, ist die Abhängigkeit bei Importen aus China in der Gesamtbetrachtung hingegen relativ betrachtet nicht besonders groß.

Ähnliches stellt auch das IfW fest. Nach dessen Analyse machen direkt aus China bezogene Vorprodukte gerade mal einen Anteil von 0,6 Prozent an der deutschen Produktion aus. Größer ist die Abhängigkeit bei dem sogenannten Endverbrauch, also dem, was die deutschen Konsumenten direkt kaufen. Dort liegt der chinesische Anteil bei 1,4 Prozent.

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Wenn man auch die indirekten Importe berücksichtigt, ergibt sich hingegen eine etwas größere Abhängigkeit von China – auf die Deutschland jedoch nur wenig Einfluss hat. Demnach steigt dann der Anteil chinesischer Wertschöpfung an der deutschen Produktion auf 1,5 Prozent und am Konsum der deutschen Verbraucher auf 2,7 Prozent. Selbst wenn es Deutschland also gelänge, seine Importe aus China auf null zu reduzieren, wäre die deutsche Wirtschaft daher noch nicht unabhängig von China, argumentieren die Studienautoren.

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