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ErdgasGasimporteur Uniper schreibt Rekordverlust

Der inzwischen verstaatlichte Gashändler legt einen Verlust von 19 Milliarden Euro vor. Das Minus ist gigantisch – und doch geringer als erwartet.Catiana Krapp 17.02.2023 - 11:02 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Konzern schreibt nur halb so viel Verlust wie erwartet.

Foto: Reuters

Düsseldorf. Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper schließt das Geschäftsjahr 2022 mit einem Verlust von 19,1 Milliarden Euro ab. Das gab das Unternehmen am Freitag bekannt. Bereits Anfang Februar hatte Uniper vorläufige Zahlen vorgelegt.

Der Verlust ist so hoch, weil Uniper seit September kein Erdgas mehr aus Russland bekommt. Das Unternehmen beliefert mehrere Hundert Stadtwerke und Industrieunternehmen in Deutschland mit Gas und muss dieses jetzt teuer am Markt einkaufen.

Zuletzt waren die Gaspreise allerdings vergleichsweise niedrig. Am Freitag etwa lag der Gaspreis an der niederländischen Börse TTF bei rund 50 Euro für eine Megawattstunde. Im vergangenen August war er zwischenzeitlich auf deutlich über 300 Euro gestiegen.

Deshalb liegt der Verlust von Uniper nicht wie ursprünglich erwartet bei rund 40 Milliarden Euro, sondern „nur noch“ bei 19,1 Milliarden. Im Jahr zuvor – also noch vor der Gaskrise – hatte Uniper noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro erzielt.

Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) von Uniper im Geschäftsjahr 2022 lag bei minus 10,9 Milliarden Euro. Immerhin: Für 2023 erwartet Uniper ein über dem Niveau von 2022 liegendes bereinigtes Ebit. Uniper hat noch bis 2024 bestehende Gaslieferverträge mit Stadtwerken und Unternehmen, die das Verlustgeschäft vergrößern.

Uniper erfüllt erste EU-Auflagen

Um eine Pleite von Uniper zu verhindern, hat der Staat das Unternehmen zum Jahreswechsel zu 99,1 Prozent übernommen und will Staatshilfen von bis zu 34,5 Milliarden Euro hineinstecken.

Im Gegenzug für die massive staatliche Unterstützung muss Uniper Auflagen der Europäischen Kommission erfüllen, um Wettbewerbsvorteile auszugleichen. Beispielsweise muss Uniper sein modernstes deutsches Steinkohlekraftwerk Datteln 4 verkaufen.

Eine weitere Auflage hat Uniper nun umgesetzt, wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab. Das Rohölverarbeitungs- und Schiffstreibstoff-Handelsgeschäft in den Vereinigten Arabischen Emiraten werde an ein Unternehmenskonsortium von der Arabischen Halbinsel verkauft.

Für den Kauf haben sich ein Mitglied der Herrscherfamilie von Dubai sowie die Montfort-Gruppe zusammengetan. Vor einem Monat hatte Uniper bereits Vereinbarungen über den Verkauf seiner Beteiligung an einer Gaspipeline zwischen Großbritannien und den Niederlanden getroffen.

Der Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach sagte anlässlich der Zahlen am Freitag: „Uniper ist im Kern ein starkes Unternehmen, das das schwierigste Jahr seiner Firmengeschichte erfolgreich überstanden hat.“

Verlust durch Abgabe von Russlandgeschäft

Zu den Geschäftsbereichen, von denen Uniper sich trennt, gehört auch die Kraftwerkstochter Unipro, die Uniper in Russland besitzt. Uniper versucht bereits seit 2021, diese Einheit zu verkaufen. Im vergangenen Jahr wurde ein Verkauf an einen russischen Käufer vereinbart.

Allerdings sagte die Finanzchefin von Uniper, Tiina Tuomela, am Freitag in einer Analystenkonferenz, es stehe für den Verkauf von Unipro noch die politische Zustimmung Russlands aus. Diese sei höchst unsicher.

Selbst wenn Uniper den Verkauf von Unipro tatsächlich durchziehen kann, ist fraglich, wie viel Geld das Unternehmen dafür bekommt. Dazu, ob es hier um einen gerechten Verkaufspreis geht oder nur um einen symbolischen Wert, der es Uniper schlicht ermöglicht, sich aus Russland zurückzuziehen, wollte Tuomela auch auf mehrfache Nachfrage von Analysten nichts sagen.

Allerdings hat Uniper in seinem Jahresgeschäftsbericht Unipro nun entkonsolidiert. Im bereinigten Konzernüberschuss ist Unipro nicht enthalten. Uniper teilte am Freitag mit, dass die Entkonsolidierung von Unipro zu einem Verlust von 4,4 Milliarden Euro geführt hat.

Wichtiges Kraftwerksgeschäft

Nicht in Aussicht zu stehen scheint derzeit indes ein Verkauf des Schwedengeschäfts von Uniper. Das Unternehmen hat dort Wasserkraft mit 1,6 Gigawatt Erzeugungsleistung und Atomkraft mit 1,4 Gigawatt Leistung. Tuomela sagte gegenüber Analysten, Schweden sei ein Kernmarkt für Uniper, der signifikante Einnahmen einbrächte. Derzeit sei es keine Vorgabe des deutschen Staates, dass Uniper sein Schwedengeschäft verkauft.

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Unipers Kraftwerke haben sich zuletzt im Gegensatz zu den Gasverträgen positiv auf die Zahlen des Unternehmens ausgewirkt. Im Segment Europäische Erzeugung habe das bereinigte Ebit im Jahr 2022 signifikant über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum gelegen, teilte Uniper mit. Aufgrund der hohen Strompreise ließ sich insbesondere mit Kohlekraftwerken im vergangenen Jahr viel Geld verdienen.

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