Ukraine-Krieg: Estlands Geheimdienst warnt den Westen
Ein Nachgeben des Westens bei militärischer und politischer Unterstützung würde laut Rosin das Erreichen Putins geopolitischer Ziele nur beschleunigen.
Foto: via REUTERSBerlin. Fast ein Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine warnt der estnische Geheimdienst den Westen vor Nachlässigkeit. „Der größte Fehler, den der Westen heute machen könnte, ist, sich an den Krieg in der Ukraine zu gewöhnen“, mahnt der Chef des Auslandsnachrichtendiensts, Kaupo Rosin, in einem Schreiben, das dem „Tagesspiegel“ exklusiv vorliegt.
Sollte der Westen bei der militärischen und politischen Unterstützung der Ukraine nachgeben, würde dies laut Rosin das Erreichen von Putins geopolitischen Zielen nur beschleunigen. Konkret spricht Rosin davon, dass Russland die europäische Sicherheitsarchitektur verändern wolle. Der aktuelle Jahresbericht des Nachrichtendienstes wird dagegen noch deutlicher: Putin wolle den Westen spalten, heißt es da.
Russland werde im Krieg auf Zeit spielen, da weder die Ukraine noch ihre Partner auf einen längeren Krieg vorbereitet seien. Der estnische Geheimdienst lag bereits im vergangenen Jahr mit seiner Einschätzung richtig. Ende Januar hieß es im Vorjahresbericht, dass Russland eine militärische Großoffensive gegen die Ukraine in der zweiten Februarhälfte plane. Am 24. Februar 2022 begann der Krieg.