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Folgen der ZinswendeViele kleine Banken sind derzeit unprofitabler als große Institute

Hohe Gewinne bei den einen, hohe Abschreibungen bei den anderen – Sparkassen und Volksbanken leiden unter den Nebenwirkungen der Zinswende besonders stark.Yasmin Osman, Elisabeth Atzler, Frank Matthias Drost 21.02.2023 - 18:58 Uhr Artikel anhören

Mehr Wertpapiere im Depot, mehr Baufinanzierungen, es gibt unterschiedliche Gründe dafür, dass regionale Institute wie Sparkassen und Volksbanken von der Zinswende bislang weniger profitieren als viele größere Institute.

Foto: imago

Frankfurt. Die abrupte Zinswende der Europäischen Zentralbank teilt die deutsche Bankenbranche in zwei Lager. Auf der einen Seite Institute wie Commerzbank und Deutsche Bank, die so viel verdient haben wie zuletzt vor 15 Jahren. Auf der anderen Seite Institute wie etwa die Sparkasse Zwickau, die das vergangene Jahr mit einem Verlust beendete.

„Viele Banken haben 2022 ein Rekordergebnis erzielt, Ausnahmen sieht man vor allem bei kleineren Instituten, wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken“, sagt Clemens Koch, Leiter Financial Services bei PwC Deutschland. Die Finanzaufsicht Bafin kam kürzlich zu einem ähnlichen Schluss: Sie teilte mit, dass die Gesamtrentabilität kleiner Institute zwischen Januar und September 2022 leicht negativ war, während große Häuser ihre Profitabilität etwas steigern konnten.

Auf den ersten Blick wirkt das überraschend: Die steigenden Zinsen der Notenbank führen dazu, dass Banken mit Einlagen und Krediten wieder mehr Geld verdienen können – und gerade kleine Institute wie Sparkassen und Volksbanken sind ganz besonders auf den Zinsüberschuss angewiesen, der sich aus der Zinsdifferenz von niedrigen Einlagen- und höheren Kreditzinsen erwirtschaften lässt.

Der wichtige Zinsüberschuss steigt wieder

Der Zinsüberschuss ist bei so ziemlich allen Kreditinstituten gestiegen: Bei den westfälischen Sparkassen um knapp sieben Prozent, bei den ostdeutschen Instituten um acht Prozent. In beiden Fällen war es die erste Aufwärtsbewegung seit sieben Jahren. Bei großen Geldhäusern war aber zum Teil deutlich mehr drin: Bei der Commerzbank etwa ein Plus von 33 Prozent, bei der Deutschen Bank 22 Prozent und bei der ING Deutschland 14 Prozent.

Neben anderen Faktoren könnte dazu auch das unter dem Kürzel TLTRO bekannte Kreditprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) beigetragen haben, bei dem sich Banken unter bestimmten Voraussetzungen Geld zu extrem günstigen Konditionen leihen konnten. „Auswertungen von uns zeigen, dass private Banken 2022 stärker als Volksbanken oder Sparkassen von Zinserträgen aus den TLTRO-Krediten profitiert haben“, sagt Sven Hauke, Leiter Banken und Kapitalmärkte von PwC Deutschland.

Entscheidender ist aber ein anderer Faktor. Sparkassen und Volksbanken haben umfangreich in Anleihen und andere Wertpapiere investiert. Je nachdem, wie sie diese Wertpapiere bilanzieren, müssen sie ihre Investments häufig zum aktuellen Marktwert buchen. „Diese Wertpapierportfolios haben wegen des starken Zinsanstiegs vielfach Kursverluste verbucht“, sagt PwC-Experte Koch. Bei Anleihen sinkt der Kurs, wenn das allgemeine Zinsniveau steigt, weil sie dann weniger Zinsen bieten als neue Anleihen.

Sparkassen und Volksbanken schützen sich seltener vor Zinsänderungen

Grundsätzlich können sich Banken gegen die Folgen solcher Zinsrisiken absichern. Doch das macht nicht jedes Institut. „Größere Banken sichern sich breiter gegen Zinsänderungsrisiken ab, als das bei kleineren Instituten der Fall ist“ , erläutert Sven Hauke PwC Banking Capital Markets Leader Germany. „Deshalb sehen wir die negativen Bewertungseffekte eher stärker bei kleineren Instituten.“

Hinzu kommt: Sparkassen und Volksbanken setzen in Relation zur Größe stärker auf Wertpapiere als andere, das zeigt eine Auswertung von PwC auf Basis von Bundesbank-Daten. Bei Sparkassen und Volksbanken ist das Volumen solcher Wertpapieranlagen doppelt so hoch wie das Eigenkapital der Institute. Bei Privatbanken ist das Engagement nur eineinhalbmal so umfangreich.

Das hat Folgen: Der westfälische Sparkassenverband berichtete am Dienstag über Wertberichtigungen im Wertpapiergeschäft auf fast 670 Millionen Euro. Zum Vergleich: Während der Finanzkrise im Jahr 2008 waren es nur gut 520 Millionen Euro.

Noch härter traf es die ostdeutschen Sparkassen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Bei ihnen verhagelten Abschreibungen auf Wertpapiere in Höhe von 1,42 Milliarden Euro das Ergebnis. Vor dieser Bewertung wiesen die 43 Mitglieder des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV) ein Betriebsergebnis in Höhe von 1,32 Milliarden Euro aus. Der durch den Zinsanstieg verursachte Bewertungsaufwand in den Wertpapierdepots überstieg das Betriebsergebnis also um 100 Millionen Euro.

Dass Wertpapieranlagen bei den regionalen Instituten eine so große Bedeutung haben, liegt nach Ansicht von Peter Barkow, dem Geschäftsführer des Analysehauses Barkow Consulting, daran, dass diese Institute „vergleichsweise hohe Einlagen und viele auch einen Einlagenüberhang“ haben. Den Geldhäusern stehen also mehr Einlagen zur Verfügung als Möglichkeiten, damit Kredite zu vergeben.

Das bestätigt auch Jürgen Wannhoff, der Vizepräsident der westfälischen Sparkassen. „Wir haben mehr Einlagen eingenommen, als wir im Kreditgeschäft herausgeben konnten“, sagte er. In Ostdeutschland ist der Einlagenüberhang traditionell am höchsten.

Buchverluste dürften vorübergehend sein

Ein weiterer Faktor: Viele der kleinen Geldhäuser haben sich nach Beobachtungen von Datenanalyst Barkow dafür entschieden, „den Einlagenüberhang meist in länger laufenden Papieren anzulegen und nicht im Interbankenmarkt oder bei der Notenbank“. Ohne eine Zinsabsicherung wirken sich stark steigende Notenbank-Zinsen in solchen Fällen besonders negativ aus.

Solche Buchverluste müssen kein Problem sein – solange die Banken sie nicht mit Verlust verkaufen oder die Anleiheschuldner pleitegehen. „Dieser Bewertungseffekt traf die Institute vor allem 2022, einige wird es mit Blick auf die weitere Zinsentwicklung auch noch 2023 treffen, dann dürfte das Thema aber verdaut sein“, sagt PwC-Experte Koch.

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Der westfälische Sparkassenverband rechnet damit, dass die jüngsten Abschreibungen durch Zuschreiben in den nächsten drei Jahren ausgeglichen werden, und auch die ostdeutschen Sparkassen gehen davon aus, dass „die Korrekturen keine dauerhaften Verluste“ darstellen. In der Regel würden Sparkassen ihre festverzinslichen Papiere bis zur Endfälligkeit halten, und diese würden dann zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Der Verband geht davon aus, dass allein in den kommenden vier Jahren 500 Millionen Euro zurückfließen werden.

Allerdings bleiben die ostdeutschen Sparkassen wachsam. Zwar gibt es noch keine Sparkasse, die wegen dieser Wertberichtigungen in Probleme geraten sei, hieß es beim Verband. Doch bei dem internen Ampelsystem des Verbands, mit dem die Risikosituation der Institute überwacht wird, stehen nach Angaben von OSV-Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender „zahlreiche Sparkassen auf Rot“, werden also aufmerksam begleitet.

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