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Silicon Valley BankUS-Regulierer monieren: SVB hatte über Monate keinen Risiko-Vorstand – Strengere Regeln für Banken möglich

Eine Untersuchung der Fed hat auch den Vorstand der Bank im Visier. Gleichzeitig überlegt die Notenbank, kleinere Banken stärker zu regulieren.Astrid Dörner 15.03.2023 - 04:22 Uhr Artikel anhören

Die Bank war Ende vergangener Woche kollabiert.

Foto: IMAGO/Xinhua

Denver. In ihrer Aufarbeitung zur Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) missfällt der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) offenbar ein wichtiges Detail. Die SVB hatte für große Teile des vergangenen Jahres keinen Risikovorstand. Darüber hatte zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Parallel dazu arbeitet die Fed offenbar an neuen Regeln für den Bankensektor.

Die SVB, die Hausbank der Technologiebranche, wurde am Freitag nach einem Bankrun von den Behörden übernommen, die sich nun um eine geordnete Abwicklung kümmern. Die Fed hat eine Untersuchung des überraschenden Kollapses eingeleitet, der Start-ups, große Technologiefirmen und Investoren zeitweise in große Finanznöte brachte.

Die Behörden verkündeten am Sonntag, dass alle Einlagen garantiert werden. Eigentlich sind diese in den USA nur bis zu einer Obergrenze von 250.000 Dollar versichert.

Bei der Aufarbeitung sei nun in den Fokus geraten, dass Risikochefin Laura Izurieta die Bank offiziell im Oktober verlassen hat, aber faktisch schon seit April nicht mehr im Job war. Im Dezember übernahm Kim Olson den Posten. Sie hatte früher selbst bei der Fed in New York als Bankenaufseherin gearbeitet und arbeitete später unter anderem auch bei der Deutschen Bank.

„Die Ereignisse rund um die Silicon Valley Bank erfordern eine gründliche, transparente und rasche Untersuchung durch die Federal Reserve“, sagte Fed-Chef Jerome Powell am Montag. Auch die US-Börsenaufsicht SEC und das Justizministerium sind eingeschaltet.

Fed arbeitet an neuen Regeln

Die Fed denkt unterdessen darüber nach, die Regulierungsvorschriften für kleinere Banken zu verschärfen, nachdem diese unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump gelockert wurden. So könnten die Kapital- und Liquiditätsvorgaben für kleinere Banken wieder steigen. Auch könnten sie, wie die Großbanken, einem jährlichen Stresstest unterzogen werden, wie das „Wall Street Journal“ am Dienstagabend berichtete. Dabei wird in hypothetischen Szenarios geprüft, wie gut die Institute eine Rezession überstehen könnten. Auch die „Financial Times“ und die Nachrichtenagentur Bloomberg berichteten darüber.

Die neuen Regeln könnten Banken mit Vermögenswerten zwischen 100 und 250 Milliarden Dollar treffen, hieß es. Seit 2018 gibt es besonders strenge Vorschriften und Stresstests nur für Banken mit Vermögenswerten ab 250 Milliarden Dollar. Unter der Regierung Trumps wurden kleinere Institute entlastet und die Grenze für strengere Regulierung von 50 auf 250 Milliarden Dollar an Assets heraufgesetzt.

Nun könnten diese Lockerungen – zumindest zum Teil – wieder rückgängig gemacht werden. Die demokratische Senatorin und ehemalige Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren arbeitet wohl bereits an einem entsprechenden Gesetzesentwurf.

Die Fed war schon vor den Bankenpleiten der vergangenen Woche dabei, ihren Regulierungsrahmen zu überprüfen. Nun sollen jedoch wichtige Teile davon erneut überdacht werden, hieß es.

Fed-Vize Michael Barr, der für Regulierungsthemen zuständig ist, hat in den vergangenen Jahren bereits gewarnt, dass sich Risiken im Finanzsystem aufaddieren und von großen genauso wie von kleineren Banken ausgehen können. Es reiche nicht aus, „sich bei der Regulierung ausschließlich auf eine Handvoll Großbanken zu konzentrieren und Risiken anderswo im Finanzsystem auszublenden“, sagte er in einem Gastbeitrag für das Branchenblatt „American Banker“ vor fünf Jahren.

Barr ist seit Juli 2022 im Amt und wird für die Fed auch einen Bericht erarbeiten, ob es im Zusammenhang mit der SVB Fehler bei der Aufsicht gab. Er soll am 1. Mai vorgelegt werden, teilte die Fed mit.

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Die Fed könnte in den kommenden Monaten neue Vorgaben veröffentlichen, wonach Banken ihre unrealisierten Gewinne und Verluste bei bestimmten Wertpapieren in ihrer Bilanz ausweisen müssen. Das würde sich dann auch auf die Kapitalquoten auswirken, die ein wichtiges Maß sind für die Robustheit einer Bank.

Wären diese Vorschriften bereits in Kraft gewesen, hätten die Aufseher vermutlich die Probleme bei der SVB schneller kommen sehen oder die Bank früher zu einer Kapitalerhöhung bewegt.

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