Risikokapital: Venture-Capital-Fonds drohen hohe Abschreibungen
Die deutsche Hauptstadt war auch im Jahr 2022 der mit Abstand bedeutendste deutsche Gründer-Standort.
Foto: Stone/Getty ImagesFrankfurt. Lange Jahre waren Fonds für Venture Capital (VC) vom Erfolg verwöhnt. Doch jetzt droht den Investoren, die ihr Geld mit Beteiligungen an jungen Technologiefirmen verdienen, eine schmerzhafte Zäsur. Nachdem die Bewertungen der Neugründungen jahrelang gestiegen waren, dürfte die aktuelle Krise an den Märkten deutliche Wertberichtigungen erzwingen.
Vor allem Risikokapitalfonds, die in den Boomjahren zu Beginn des Jahrzehnts viel Kapital in technologielastige Start-ups gesteckt haben, stehen vor Korrekturen. Die Stimmung in der Branche ist schlecht, und dazu trägt auch die neuerliche Bankenkrise in den USA bei, vor allem der Kollaps der auf Tech-Finanzierungen spezialisierten Silicon Valley Bank (SVB).
„Venture-Capital-Fonds, die 2021 das meiste Geld investiert haben, werden sicherlich Bewertungskorrekturen vornehmen müssen. Das war ohne Zweifel der Gipfel der Bewertungen“, warnt Julian Riedlbauer, Partner bei der Technologieberatung GP Bullhound, im Gespräch mit dem Handelsblatt. So erkläre sich auch der hohe Wertberichtigungsbedarf bei Tiger Global, einem prominenten US-Fonds, der sehr aggressiv investiert habe.
Tiger Global Management hat seine Investments durch seine VC-Fonds im vergangenen Jahr um 33 Prozent abgewertet, entsprechend einem Wertverlust von 23 Milliarden Dollar, hatte jüngst das „Wall Street Journal“ berichtet. Zu den Investments zählten unter anderem Bytedance, die Mutter der Social Media Plattform TikTok sowie der Zahlungsdienstleister Stripe und der Lieferdienst Instacart. Auch die Renditen einiger VC-Fonds von Tiger Global sind dem Bericht zufolge unter erheblichen Druck geraten.