Kommentar: Was die Bankenkrise über den digitalen Euro lehrt

Die Europäische Zentralbank denkt über die Einführung eines digitalen Euros nach.
Foto: IMAGO/Ralph PetersStell dir vor, wir haben eine weltweite Bankenkrise und es gibt einen digitalen Dollar und einen digitalen Euro. Eines der Argumente für digitales Bargeld ist, dass die Bürger damit besonders sicheres, direkt von der Notenbank garantiertes „Zentralbankgeld“ in die Hand bekommen, was sonst nur noch mit dem – immer weniger benutzten – Bargeld der Fall ist.
Im Grunde wäre daher die Krise ein ideales Argument für den Euro in digitaler Form: Wenn die Geschäftsbanken wanken, will man nicht allein auf deren Geld und damit auch deren Zahlungsfähigkeit angewiesen sein.
In der aktuellen Krise haben Anleger ihr Geld aus angeschlagenen Geldhäusern wie der Silicon Valley in zuvor nicht bekanntem Tempo abgezogen, wie US-Finanzministerin Janet Yellen angemerkt hat, was ihr im Netz Spott eingebracht hat („Janet, hast du ein Smartphone?“). Gerüchte und Informationen verbreiteten sich schneller denn je, und mit dem Smartphone haben Kunden ihr Onlinebanking jederzeit in der Tasche.
Auch das Smartphone ist ein Problem
Anders als in der Finanzkrise 2008 waren nicht faule Kredite das Problem, sondern das Verschwinden der Einlagen. Durch die steigenden Zinsen, die sich auf dem Geldmarkt schneller als bei den Banken bemerkbar machen, hat sich dieses Problem noch verschärft.
Bei der Verfügbarkeit von digitalen Dollars hätten die Amerikaner auf dem Höhepunkt der Krise ihr Geld vielleicht gleich in dieses sichere Zentralbankgeld umgetauscht. Das geht per Smartphone schneller, als sich in der Schlange am Geldautomaten anzustellen.
Und genau vor diesem Szenario haben Skeptiker wie der ehemalige Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gewarnt: Das Geld könnte mit ungeahntem Tempo aus dem Bankensystem verschwinden und es damit zum Zusammenbruch bringen. So paradox das klingt: Gerade die hohe Sicherheit des digitalen Cash ist ein Problem fürs System.
Nun sehen die meisten Konzepte eine Obergrenze für den Besitz von digitalem Geld vor, zum Beispiel ein Limit von 3000 Euro pro Person. Eine solche Summe ist aber jederzeit durch die Einlagensicherung abgedeckt. Das heißt also: Sicheres digitales Geld ist so gefährlich, dass die Nutzung so weit eingeschränkt werden muss, dass es nichts mehr nützt.
Wozu dann der Spaß? Schnell bezahlen kann man jetzt schon. Das Argument, der Bürger müsse Zentralbankgeld in die Hand bekommen, hat sich jedenfalls erledigt. Es ist ja auch auffällig, dass mitten in der Krise niemand über digitales Geld redet.
Die Krise zeigt vor allem: Es gibt im Finanzbereich genug Probleme, für die eine Lösung gebraucht wird. Eine Lösung, für die ein Problem gebraucht wird, braucht niemand.