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LeoniÖsterreichischer Unternehmer Pierer übernimmt Autozulieferer komplett

Bei Leoni zeichnet sich eine Einigung mit den Gläubigern ab – es soll allerdings noch Widerstand bei Bund und Land als Bürgen geben. Der Kurs reagiert extrem.Axel Höpner 30.03.2023 - 10:03 Uhr Artikel anhören

Der Großaktionär Pierer will zum Alleineigentümer werden.

Foto: dpa

München. Der österreichische Unternehmer Stefan Pierer will den angeschlagenen Autozulieferer Leoni retten und dessen Alleineigentümer werden. Großaktionär Pierer sei bereit, Leoni 150 Millionen Euro frisches Kapital zur Verfügung zu stellen und einen Teil der Bankschulden zu übernehmen, sodass das Nürnberger Unternehmen entschuldet werden könne, teilte Leoni am Mittwoch mit.

Noch ist die Rettung des Krisenkonzerns damit nicht gesichert. Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen gibt es noch Widerstand beim Bund und bei den Ländern Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachen, die in der Coronapandemie eine Bürgschaft von 300 Millionen Euro gegeben hatten. Leoni war eines der ersten Unternehmen gewesen, die damals Staatshilfe in Anspruch genommen hatten.

Die nun geplante Rettungsmaßnahme geht noch weiter als der Kapitalschnitt, der Anfang Februar angekündigt worden war. Bei diesem hätten die Aktionäre einen Großteil ihres Einsatzes verloren. Nun sollen sie ganz leer ausgehen. Die Aktien stürzten nach der Mitteilung am Mittwoch um 87 Prozent auf 36 Cent ab. Leoni soll mit dem Kapitalschnitt auch vom Kurszettel verschwinden. Im Sommer 2021 stand die Aktie noch bei knapp 18 Euro, vor fünf Jahren bei mehr als 60 Euro.

Damit die Gläubigerbanken mitspielen, sei ein Investor notwendig gewesen, der frisches Kapital in das Unternehmen steckt, hieß es in Industriekreisen. Zudem sei nicht sicher gewesen, ob die ursprüngliche Lösung die notwendige Mehrheit bekomme. Daher solle nun das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz angewandt werden.

Das Geschäftsmodell von Leoni gilt unter den Beteiligten als zukunftsfähig. Das Problem ist primär die hohe Verschuldung.

Die entscheidende Figur in den Rettungsbemühungen ist derzeit der Sanierungsexperte Hans-Joachim Ziems, der in den Vorstand von Leoni zurückgekehrt war. Vorstandschef Aldo Kamper hatte den angeschlagenen Autozulieferer mitten in der Sanierung verlassen, um den Vorstandsvorsitz bei AMS-Osram zu übernehmen. In Industriekreisen wird damit gerechnet, dass bald ein neuer Leoni-CEO präsentiert wird.

Autozulieferer Leoni: „Einzig verbleibende Sanierungslösung“

„Bei diesem Sanierungskonzept handelt es sich aus Sicht des Vorstandes um die einzige verbleibende Sanierungslösung“, hieß es in der Mitteilung. Die Verhandlungen mit Pierer und den Gläubigern seien fortgeschritten, mit einer Einigung sei kurzfristig zu rechnen. Pierer, dem unter anderem die Motorrad-Marken KTM und Husqvarna gehören, hält bisher gut 20 Prozent an Leoni.

Der österreichische Unternehmer will Alleineigentümer von Leoni werden.

Foto: Bloomberg

Nach dem Plan wäre die Finanzierung des Unternehmens mit mehr als 90.000 Mitarbeitern bis 2026 gesichert. Leoni stellt Kabelbäume für die Autoindustrie her, die Autokonzerne BMW, Volkswagen und Mercedes sind die wichtigsten Kunden. Produziert wird vor allem in Handarbeit, vornehmlich in Osteuropa und Nordafrika.

Das Unternehmen steckt jedoch schon seit Jahren in der Krise. Leoni hatte sich auf seinem Wachstumskurs übernommen, der Anlauf eines neuen Werks in Mexiko geriet zum Desaster. Unter Kamper gab es dann durchaus Fortschritte bei Sanierung und Refinanzierung. Doch führte die Pandemie mit den Problemen in der Autobranche unter anderem wegen unterbrochener Lieferketten zu einem Rückschlag.

Dann kam auch noch der Ukrainekrieg dazu. Leoni hat zwei Werke in dem von Russland überfallenen Land und musste die Fertigung zeitweise unterbrechen. In der Folge standen auch bei den Autobauern als Kunden Bänder still. Inzwischen ist ein Teil der Produktion in andere osteuropäische Standorte verlagert.

Dann aber scheiterte der Verkauf der Kabelsparte, die Teil der vereinbarten Refinanzierung mit den Banken war. Der thailändische Käufer Stark Corp sprang in letzter Minute ab. Damit fehlten Leoni mehr als 400 Millionen Euro, die eigentlich an die Banken gehen sollten.

Leoni gilt als systemrelevant

Die Banken sicherten zunächst ein Stillhalten bis Mitte des Jahres zu. Allen Beteiligten war aber klar, dass schon vorher eine tragfähige Lösung gefunden werden muss. Leoni gilt in der Branche als systemrelevant – das hatte auch die Produktionsunterbrechung im Ukrainekrieg bewiesen. Daher waren sowohl die Autobauer als Kunden als auch die Banken als deren Geschäftspartner an einer Rettung stark interessiert.

Im vergangenen Geschäftsjahr sanken die Umsätze von Leoni trotz aller Probleme nur leicht auf 5,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern brach vor Sondereffekten auf elf Millionen Euro ein. Das Unternehmen erklärte zudem bei Vorlage der vorläufigen Zahlen, es sei davon auszugehen, dass „im Rahmen der Refinanzierung erheblicher Wertberichtigungsbedarf“ entstehe. Es sei nicht auszuschließen, dass es sich um einen niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag handle.
Mit Agenturmaterial.

Erstpublikation: 29.03.2023, 13:52 Uhr (zuletzt aktualisiert: 29.03.2023, 16:14 Uhr).

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