Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel: Warum Özdemirs Pläne auf Kritik stoßen
Nach Willen von Minister Cem Özdemir soll Werbung etwa von Süßigkeiten stärker reguliert werden.
Foto: IMAGO/EibnerDüsseldorf. „Haribo macht Kinder froh …“ Die kultige Werbung für Gummibärchen könnte bald nur noch nachts zu sehen sein – wenn sich Bundesernährungsminister Cem Özdemir durchsetzt. Der Grünen-Politiker will die Fettleibigkeit von Kindern bekämpfen. Er plant dazu ein Werbeverbot für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt, wenn sich diese konkret an Kinder unter 14 Jahren richtet – oder aber diese Gruppe schon erreichen könnte.
Verbraucherschützer und Krankenkassen begrüßen das Vorhaben, die Wirtschaft fürchtet nach einer Recherche des Handelsblatts dagegen weitreichende Einschnitte. Nahrungsmittelproduzenten sorgen sich um ihre Innovationen und der ohnehin unter Druck stehenden Medienbranche würden Milliarden entgehen.
Tatsächlich gehen Özdemirs Pläne in der Praxis deutlich über an Kinder gerichtete Werbung hinaus. Grundlage sind strenge Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ab wann Lebensmittel als ungesund gelten. Die geplanten Einschränkungen betreffen längst nicht nur Süßigkeiten, Limonade oder Chips.
So liegt ein Naturjoghurt mit 3,5 Prozent Fett über den Grenzwerten und dürfte künftig genauso wenig beworben werden wie die meisten Müslis, Käse- oder Brotsorten. Lebensmittel- und Werbeverbände sagen, dass mindestens 70 Prozent aller Nahrungsmittel von dem Werbeverbot betroffen wären.