1. Startseite
  2. Politik
  3. Konjunktur
  4. Konjunktur: Führende Institute rechnen 2023 nicht mehr mit Rezession

KonjunkturFührende Institute rechnen 2023 nicht mehr mit Rezession

Die deutsche Wirtschaft soll in diesem Jahr doch nicht schrumpfen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten 2024 zudem einen deutlichen Rückgang der Inflation.Julian Olk 05.04.2023 - 10:26 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die führenden Wirtschaftsforscher rechnen nicht mehr damit, dass die deutsche Wirtschaft 2023 schrumpft.

Foto: IMAGO/imagebroker

Berlin. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gehen für das laufende Jahr nicht mehr von einem Schrumpfen der deutschen Wirtschaft aus. In ihrer neuen Konjunkturprognose für das Bundeswirtschaftsministerium, die sie am Mittwoch vorstellen, rechnen sie mit einem leichten Wachstum von 0,3 Prozent. Das erfuhr das Handelsblatt aus informierten Kreisen. Im Herbst hatten die Institute für 2023 noch mit einer Schrumpfung um 0,4 Prozent gerechnet.

Für 2024 korrigieren die Konjunkturforscher ihre Wachstumsprognose hingegen leicht nach unten. Sie rechnen nun noch mit einem Plus von 1,5 Prozent. Im Herbst hatten sie noch mit 1,7 Prozent gerechnet.

Das stärkere Wachstum im kommenden Jahr im Vergleich zu 2023 soll insbesondere mit einem Rückgang der Verbraucherpreise zusammenhängen. 2023 erwarten die Institute noch eine Inflationsrate von sechs Prozent. 2024 soll diese dann auf 2,4 Prozent zurückgehen. Über die Zahlen hatte zuerst die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Erarbeitet wurde die „Gemeinschaftsdiagnose“ von den vier Leibniz-Instituten RWI in Essen, Ifo-Institut in München, IfW in Kiel und IWH in Halle. Sie erstellen zweimal im Jahr die Konjunkturprognose im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. Die Bundesregierung nutzt die Zahlen als Grundlage für ihre eigene Untersuchung. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wird die neue Regierungsprognose am 26. April vorstellen.

Die Forscher rechnen 2024 nicht mehr mit einer lockeren Finanzpolitik. Das staatliche Defizit werde dann nur noch bei 0,9 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung liegen. In diesem Jahr wird mit einem leichten Rückgang auf 2,2 Prozent gerechnet. In der Corona-Pandemie waren die Schulden deutlich nach oben geschossen. Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner will nun auf einen vorsichtigeren Kurs umschwenken, was aber in der Ampel-Koalition mit SPD und Grünen umstritten ist, weil dadurch einige Projekte der Regierung womöglich nicht finanziert werden können.

Außenhandel gibt Auftrieb

Die besseren Konjunktur-Aussichten für das laufende Jahr basieren unter anderem darauf, dass der Winter weniger problematisch war als befürchtet. Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im vierten Quartal 2022 zwar um 0,4 Prozent gesunken. Im ersten Quartal 2023 könnte es aber wieder Wachstum gegeben haben. So käme es zu keiner technischen Rezession. Letztlich könnte dadurch auch eine Rezession im herkömmlichen Sinn, also eine Schrumpfung im Jahresdurchschnitt, vermieden werden.

Dass die Konjunktur etwa besser läuft, hängt unter anderem mit dem Rückgang der Energiepreise zusammen. Außerdem läuft der Arbeitsmarkt weiter robust. Die Arbeitslosenquote dürfte dieses Jahr bei rund fünfeinhalb Prozent verharren, trotz des Zuzugs ukrainischer Flüchtlinge.

Zudem haben sich die Konjunkturimpulse aus dem Ausland verstärkt. Das stützt die Nachfrage der außenhandelsorientierten deutschen Wirtschaft. So haben gute Geschäfte in den USA und China den deutschen Export im Februar angeschoben. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes von Dienstag wurden im Februar Waren im Wert von 136,7 Milliarden Euro ausgeführt. Das waren kalender- und saisonbereinigt vier Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber Februar 2022 wurde ein Plus von 7,6 Prozent verzeichnet.

Unklare Folgen der Zinswende

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Ausfuhren in den wichtigen chinesischen Markt um 10,2 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. Im Geschäft mit den USA – dem größten Einzelmarkt für Waren „Made in Germany“ – verbuchten deutsche Unternehmen ein Plus von 9,4 Prozent auf 14 Milliarden Euro.

Verwandte Themen
USA
Christian Lindner
Berlin

Unklar sind allerdings noch die Folgen der Zinswende und ob sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten noch ausweiten. Die Konjunkturforscher von Oxford Economics haben ermittelt, was passiert, wenn die deutschen Aktienmärkte im vierten Quartal 30 Prozent unter dem Vorjahr liegen.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland würde 2023 dadurch 0,8 Prozentpunkte und 2024 sogar fast drei Prozentpunkte niedriger ausfallen. Ausgehend von der Gemeinschaftsdiagnose fiele die deutsche Wirtschaft in diesem Szenario in beiden Jahren in eine deutliche Rezession.

Mit Agenturmaterial.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt