Hauptversammlung 2023: Telekom erreicht frühzeitige Mehrheit an US-Tochter T-Mobile
Der Dax-Konzern hält nun die Mehrheit an der erfolgreichen US-Tochter T-Mobile.
Foto: dpaBonn. Auf der Hauptversammlung der Telekom hatte Konzernchef Timotheus Höttges für die Aktionäre eine Überraschung parat. So konnte er gleich zu Anfang einen „wichtigen Erfolg“ verkünden: Die Telekom hatte – just in der Vornacht – die Aktienmehrheit an ihrer Tochter T-Mobile US erlangt. Der Konzernchef wirkte stolz und erleichtert. Diesem Moment, der seine wagemutige USA-Strategie weiter absichert, hatte er lange entgegengefiebert. Nach dem ursprünglichen Plan hatte er dieses Ziel erst bis zum Sommer erreichen wollen.
Die Beteiligung liegt Konzernangaben zufolge nun bei etwa 50,2 Prozent und wurde im Zuge des Aktienrückkaufprogramms von T-Mobile erreicht. Das heißt: Die Anzahl der vom Konzern gehaltenen Aktien blieb gleich. Da deren Gesamtanzahl sank, repräsentieren sie jedoch einen größeren Anteil.
Inwieweit die Telekom weiter zukaufen will, blieb offen. Verschiedene Faktoren könnten den Anteil in Zukunft wieder verwässern. „Unsere Position ist, eine klare Mehrheit zu besitzen“, sagte Höttges lediglich. Am weiter laufenden Aktienrückkaufprogramm von T-Mobile wolle die Telekom zunächst nicht teilnehmen.
Das Erlangen der Mehrheit an T-Mobile war ein wichtiges strategisches Ziel der Telekom. Bislang konnte der Konzern die erfolgreiche US-Tochter nur aufgrund einer befristeten Vereinbarung mit der japanischen Softbank kontrollieren und voll konsolidieren. Nun übt sie so gar die Kontrolle über fast 54 Prozent der Aktien aus.
Deutsche Telekom musste für T-Mobile US finanziell an ihre Grenzen gehen
T-Mobile ist heute für mehr als zwei Drittel des Telekom-Umsatzes verantwortlich und mittlerweile das wertvollste Telekommunikationsunternehmen der Welt. Um die Aktienmehrheit zu erreichen, musste die Telekom in den vergangenen Jahren finanziell an ihre Grenzen gehen, da sie hochverschuldet ist und gleichzeitig Milliardeninvestitionen in den Netzausbau stemmen muss.
Softbank war nach der Fusion ihrer Beteiligung Sprint mit T-Mobile im Jahr 2020 zum wesentlichen Anteilseigner geworden. Höttges und Softbank-Chef Masayoshi Son hatten den Deal seinerzeit in mehreren, teils dramatisch verlaufenden Etappen ausgehandelt. Nach der Fusion mit Sprint besaß die Telekom zunächst nur 43 Prozent der Anteile. Mit Softbank hatte man damals jedoch vereinbart, dass die Telekom bis Juni 2024 insgesamt 101 Millionen T-Mobile-US-Aktien aus dem Bestand der Japaner erwerben kann.
Um sich gegen einen weiter steigenden T-Mobile-Kurs abzusichern, nötigte Telekom-Vorstand Thorsten Langheim Softbank zudem ein Zugeständnis ab: So konnte die Telekom rund 45 Millionen T-Mobile-Papiere von Softbank auch in Zukunft zu einem Festpreis in Höhe von 101,46 Dollar je Aktie erwerben.
Weitere Anteile übernahm die Telekom im Zuge eines Aktientauschs mit Softbank vor zwei Jahren. Beide Deals stellten sich als weitsichtig heraus. Heute notiert das Papier bei mehr 146 Dollar.
Darüber hinaus legte Telekom-Chef Höttges den Schwerpunkt seiner Rede am Mittwoch auf das Thema Nachhaltigkeit. Dabei ging er auch auf die Zukunftsfähigkeit des Standorts ein. Deutschland müsse nach seiner Einschätzung das Tempo bei der Digitalisierung dringend beschleunigen. „Das Siegel ,made in Germany‘ bröckelt. Darum müssen wir es gemeinsam aufpolieren“, sagte Höttges.
Die Basis der Digitalisierung seien die Netze. Die wolle die Telekom erweitern, hoffe jedoch auf „schnellere Genehmigungsverfahren“. Beim Glasfaserausbau stellte Höttges in Aussicht, das Tempo weiter zu erhöhen. „Wir bauen, was der Bagger hergibt“, sagte der Manager.
Zum Auftakt der Hauptversammlung hatte sich den Telekom-Aktionären am Mittwochmorgen ein ungewohntes Bild geboten. Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Frank Appel begrüßte sie zum ersten Mal der amtierende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post. Die Doppelbelastung war bereits vor seiner Wahl mehrfach kritisiert worden, weil sie etwa gegen den Corporate Governance Kodex verstößt.
Der neue Aufsichtsratschef gilt als effizienter Manager
Mit der Amtsübernahme Appels war bei der Telekom vor einem Jahr eine Ära zu Ende gegangen. Sein Vorgänger Ulrich Lehner hatte den Aufsichtsratsvorsitz über 14 Jahre inne. Er genießt in Bonn bis heute Legendenstatus. Hauptversammlungen führte der Routinier souverän wie unterhaltsam. Keine noch so skurrile Wortmeldung der oft kauzigen Kleinaktionäre brachte Lehner aus der Ruhe.
Am Mittwoch saß der 76-Jährige lächelnd im Publikum. Es sei „einfacher, das hier unter den strengen Augen meines Vorgängers zu machen“, sagte Nachfolger Appel. Auch im Topmanagement wurde Lehner, der keine einzige seiner 352 Aufsichtsratssitzungen ausfallen ließ, geschätzt. Der Vorstand arbeitete gern mit ihm zusammen.
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Der neue Aufsichtsratschef Appel, ein Hanseat mit McKinsey-Vorzeigekarriere, gilt als Rationalist, als effizienter Manager ohne Neigung zu rheinischem Kungelkapitalismus. Mit dieser Art hat er sich bereits viel Anerkennung erarbeitet – auch wenn es vielen bei der Telekom auch ein Jahr nach Amtsübernahme schwerfällt, ihn in der Tiefe einzuschätzen.
Appel falle in den Aufsichtsratssitzungen als „analytischer Naturwissenschaftler“ auf, der sich stärker als Lehner am „Messbaren“ orientiere, berichtet ein Teilnehmer. Ein anderer lobt die „kurzen, fokussierten“ Aufsichtsratssitzungen, die auch deshalb effizienter ablaufen, weil mehr Themen an die Ausschüsse delegiert würden. Appel sei stärker von einer angelsächsischen Unternehmenskultur geprägt. So habe er etwa angedeutet, die Vorstandssaläre künftig enger an den Verlauf des Aktienkurses knüpfen zu wollen, heißt es.
Das nächste Update der Vergütungsregeln wird offenbar bereits vorbereitet. Die aktuelle, erst im vergangenen Jahr aktualisierte Version ist derart unübersichtlich, dass es selbst Insidern schwerfällt durchzublicken.
Erstpublikation: 05.04.2023, 11:42 Uhr (zuletzt geändert am 06.04.2023 um 12:15 Uhr).