Prüfers Kolumne: Sagen Sie jetzt nichts, Alexa
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.
Foto: HandelsblattIn vielen Science-Fiction-Filmen gibt es sprechende Maschinen. Man erinnere sich an den Film „2001: Odyssee im Weltraum“, wo der eigentliche Star der Mission der sprechende Computer HAL ist. Er hat keinen Bildschirm, nur sanftes rotes Licht und eine ruhige männliche Stimme.
In dieser Hinsicht lag Stanley Kubrick bei seiner Zukunftsvision nicht ganz richtig. Zwar umgeben uns tatsächlich überall Computerstimmen, aber die sind meist weiblich. Wenn man bei der Bank anruft, ist die Automatenstimme weiblich, wenn man ein Passbild macht, dann wird man von einer weiblichen Stimme durchs Menü geführt. Und selbstredend ist die Stimme der Sprachassistenten Siri und Alexa per Werkseinstellung weiblich.
Laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom bevorzugen nur zehn Prozent der Nutzerinnen und Nutzer solcher Geräte männliche Stimmen. Die weiblichen Stimmen erscheinen angeblich wärmer, freundlicher – anscheinend möchte man doch lieber von einer Frau als von einem Mann durchs Leben begleitet werden, oder?
Allerdings kommt nun die Forschung zu einem anderen Ergebnis. Eine Forschungsgruppe der University of Illinois Urbana-Champaign hat Männer und Frauen mit Chatbots kommunizieren und bewerten lassen, wie die Probandinnen und Probanden mit der Stimme zurechtkamen. Dabei kam heraus, dass Frauen wie Männer die weiblichen Stimmen negativer bewerteten. Wie konnte das geschehen?