Fachkräftemangel: Erstmals mehr als 2,5 Millionen Menschen ohne Berufsabschluss
Die Zahl der Menschen ohne Berufsausbildung steigt seit Jahren.
Foto: dpaBerlin. Der Fach- und Arbeitskräftemangel in Deutschland nimmt immer größere Dimensionen an. Im Durchschnitt gab es 2022 für mehr als 630.000 offene Stellen rechnerisch keine passend qualifizierten Arbeitslosen, teilte das beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) angesiedelte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa) mit. Die Fachkräftelücke ist damit größer als je zuvor.
Es gibt allerdings noch einen zweiten Negativrekord, der die Knappheit an qualifiziertem Personal aufzeigt. Denn erstmals hat die Zahl der Menschen, die über keinen Berufsabschluss verfügen, die Marke von 2,5 Millionen überschritten, wie aus dem Entwurf des neuen Berufsbildungsberichts hervorgeht, der dem Handelsblatt vorliegt.
Die Bundesregierung zeigt sich alarmiert, zumal die Zahl der Ungelernten stetig wächst. Jeder fehlende Abschluss sei eine verpasste Chance, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium, Jens Brandenburg (FDP): „Das können wir uns in Zeiten des Fachkräftemangels auch volkswirtschaftlich nicht länger leisten.“
Lag der Anteil der jungen Menschen ohne Berufsabschluss in der Altersgruppe der 20- bis 34-Jährigen im Jahr 2020 noch bei 15,5 Prozent, so sei er ein Jahr später auf 17 Prozent gestiegen, schreibt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in dem Berichtsentwurf. Bei jungen Frauen ist der Anteil der Ungelernten mit gut 15 Prozent etwas niedriger als bei jungen Männern, von denen mehr als 18 Prozent keinerlei Ausbildung beendet haben. Die Zahl der Ungelernten steigt seit zehn Jahren, 2016 waren er erstmals mehr als zwei Millionen Menschen.