ETF: Diese fondsgebundenen Rentenversicherungen sind die Besten
Die Investitionen in nachhaltige Energien wie Wasserkraft bleiben ein wichtiges Standbein für Fonds.
Foto: ImagoKöln. Das Jahr 2022 war äußerst herausfordernd, auch für Geldanleger. Die Ausläufer der Coronakrise und der Krieg Russlands gegen die Ukraine setzten die Wirtschaft und die Finanzmärkte weltweit unter Druck. Der Dax und viele andere Aktienindizes gaben zweistellig nach. Solche Phasen kennen Börsianer und können damit umgehen.
Aber im vergangenen Jahr kam der rasante Zinsanstieg hinzu. Und so sackten die eigentlich sehr sicheren Alternativen zu Aktien – Staatsanleihen und andere Rentenpapiere – ebenfalls um teilweise 20 Prozent und mehr in die Tiefe. Unter diesen Einschlägen litten auch die Produkte, mit denen Versicherungen ihre Kundschaft in den vergangenen Jahren vorrangig versorgten – fondsgebundene Rentenversicherungen.
Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen wird das monatliche Sparkapital anders als bei konventionellen Rentenversicherungen in aktiv gemanagte Investmentfonds und börsennotierte ETF-Indexfonds investiert. Zur Wahl stehen vor allem Aktienfonds und Mischfonds, aber auch Rohstoff-, Immobilien-, Renten- und Geldmarktfonds. Wer sich an den Finanzmärkten gut auskennt, kann als Versicherter seine Fonds selbst aussuchen und sie während der Laufzeit auch austauschen.
Viele Kunden überlassen allerdings den Assekuranzen die Wahl der Einzelfonds und geben lediglich eine Richtung vor – defensiv, ausgewogen, dynamisch oder wachstumsorientiert, wobei je nach Risikobereitschaft die Aktienfondsanteile steigen. „Damit sind sie in der Vergangenheit gut gefahren“, sagt Romina Röpke, Analystin und Leiterin der Studie bei der Kölner Versicherungs-Ratingagentur Assekurata. „Aber im Jahr 2022 konnten sie sich dem Negativtrend an den Finanzmärkten nicht entziehen.“
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Zum vierten Mal untersuchte Assekurata für das Handelsblatt die Anbieter von gemanagten Fondspolicen. 19 Versicherungsgesellschaften sandten in diesem Jahr den ausführlichen Fragebogen zu insgesamt 92 gemanagten Fondspolicen zurück. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen die Allianz und Canada Life nicht teil, dafür kam die Württembergische neu hinzu. Die Bewertung erfolgte in bewährter Form über ein Jahr sowie drei und fünf Jahre in jeweils vier Kategorien. Gemessen wurden die Rendite, das Risiko, das Reaktionsvermögen und die Risikoentlohnung. Als Vergleichsmaßstab für die Bewertung nutzte Assekurata alle frei verfügbaren Fonds mit derselben Risikoklasse (SRRI). Die gemanagten Policen sind für eine sehr langfristige Anlage konzipiert und notieren meist in den Risikoklassen 4 bis 6 auf einer Skala von 1 („extrem defensiv“) bis 7 („sehr risikoreich“).
Junge Fonds mit Schwierigkeiten
Für langfristig höhere Renditen müssen Anleger aber kurzfristig höhere Risiken in Kauf nehmen. Das wirkte sich 2022 negativ aus. Die Gesamtnote bei den gemanagten Varianten hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. In der Auswertung 2022 hatten die Portfolios noch den Durchschnittswert von 69 Punkten erreicht, jetzt lagen sie nur bei 56 Punkten. Sechs Anbieter (im Vorjahr 17) erreichten 60 oder mehr Punkte und erhielten damit die Note „Sehr gut“. Ein „Gut“ mit 50 bis 60 Punkten erzielten immerhin fünf Assekuranzen (im Vorjahr zwei). Mit einem „Befriedigend“ mussten sich acht Gesellschaften begnügen. Im Vorjahr war es nur eine einzige. „Die schwierigen Marktbedingungen sorgten vor allem bei den jungen Fondsprodukten für eine schwache Bilanz“, erläutert Romina Röpke von Assekurata. Mit einer Ausnahme bekamen alle Fonds, die erst ein oder zwei Jahre am Markt waren, nur die Noten „Befriedigend“ oder „Ausreichend“. „Die älteren gemanagten Policen profitierten dagegen von den guten Vorjahren und konnten den Notenabsturz abmildern“, sagt Röpke.
Die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit nimmt in der Gesellschaft und an der Börse zu. Unter den 92 Fonds in der Wertung sind inzwischen 44 als nachhaltig gekennzeichnet, bei der ersten Auswertung 2020 waren es gerade einmal sechs. In den vergangenen Jahren hatten diese Produkte meist überdurchschnittlich gut abgeschnitten, 2022 war das mit im Mittel 52 Punkten nicht der Fall. Der Grund: An den Börsen liefen zuletzt vor allem die Energie- und Rohstoffaktien hervorragend, auch wenn sie häufig als vergleichsweise schmutzig einzustufen sind.
Die Nachhaltigkeitsstrategien hätten im Schnitt noch schlechter abgeschnitten ohne die absoluten Testsieger – Pangaea Life Blue Living und Pangaea Life Blue Energy. Mit ihnen erreichte die BL die Bayerische Lebensversicherung die beiden besten Einzelnoten (93 und 89 Punkte) und schaffte damit auch den Gesamtsieg. Sie unterscheiden sich in einem zentralen Punkt von allen anderen Teilnehmern. Die Pangaea-Fonds investieren nicht in Aktien oder Anleihen nachhaltiger Unternehmen, sondern als Sachwertefonds in Wohnimmobilien oder Projekte aus dem Sektor der nachhaltigen Energien.
Gleich von null auf eins startete der Pangaea Life Blue Living durch. Der 2021 aufgelegte Immobilienfonds investiert in nachhaltige Wohnimmobilien. Erste Wohnprojekte sind bereits in Berlin realisiert, in Köln entstehen auf dem ehemaligen Gelände der Deutschen Welle rund 700 Wohnungen. 2022 erreichte der Fonds eine Rendite von über sieben Prozent. Das hält Pangaea-Geschäftsführer Uwe Mahrt trotz der gestiegenen Zinsen auch langfristig für realistisch. „Unsere Projekte sind wegen der Kundeneinlagen nur teilweise von Fremdkapital abhängig. Zudem gibt es im Zuge der Energiewende einen großen Bedarf für nachhaltige Qualitätsbauten.“
Der Blue Living muss sein Topergebnis noch bestätigen, der Pangaea Life Blue Energy hat das bereits getan. Er nimmt schon im vierten Jahr teil und rutschte allein wegen der Konkurrenz aus dem eigenen Haus auf Rang zwei ab. Der Pangaea Life Blue Energy investiert inzwischen nahezu 500 Millionen Euro Kundengelder in Windparks, Solaranlagen, Wasserkraftwerke und Batteriespeicher in Europa.
Nachhaltige Energieprojekte sind wegen des Klimawandels und der Gasnotlage besonders gesucht – und die Strompreise sind im Jahr 2022 enorm gestiegen. „Rund drei Viertel der Erlöse unserer Kraftwerke sind langfristig abgesichert“, erklärt Mahrt: „Aber die hohen Preise an der Strombörse haben unsere Gewinne im vergangenen Jahr zusätzlich gepusht.“ Mit einer Jahresrendite von über 15 Prozent war der Pangaea Life Blue Energy so unter Renditeaspekten 2022 bei weitem der erfolgreichste Fonds der Auswertung.
Den zweiten Platz in der Wertung belegte mit einem einzigen ETF-Fonds (Global ETFs Portfolio) und 75 Punkten die Deutsche Ärzteversicherung. Sie hatte schon in den vergangenen drei Jahren die Note „Sehr gut“ erhalten. Zwar war auch der Global ETFs-Dachfonds, der aktuell zu knapp 80 Prozent in Aktien und gut 20 Prozent in Rentenpapiere in den USA, Europa und Asien investiert, den Turbulenzen der Finanzmärkte ausgesetzt. „Aber mit einigen strategischen Entscheidungen konnten wir im Gesamtjahr das Minus auf rund zehn Prozent begrenzen“, erklärt Christian Hein, der als Fondsmanager bei der APO Asset Management den Global ETFs Portfolio für die Police konzipiert und verwaltet. So sei es möglich gewesen, den MSCI World zu übertreffen – der Index umfasst rund 1600 börsennotierte Unternehmen weltweit.
Im März trennte sich Hein von einem ETF mit langlaufenden Staatsanleihen und setzt stattdessen auf Anleihen mit kürzerer Laufzeit, die weniger starken Schwankungen unterworfen sind. Zudem lag der Anteil britischer und kontinentaleuropäischer Aktien gegen Jahresende relativ hoch und bescherte in der Markterholung ab Oktober überdurchschnittliche Gewinne. Neben diesen strategischen Entscheidungen trugen auch die geringen Gesamtkosten von 0,5 Prozent zum überdurchschnittlichen Erfolg des Global ETFs Portfolio bei.
Das ETF-Portfolio der Deutschen Ärzteversicherung steht für eine Tendenz. Rund die Hälfte der getesteten Policen war ausschließlich mit kostengünstigen ETF-Indexfonds bestückt. Die hatten aber ähnlich wie Nachhaltigkeitsfonds 2022 Probleme. Sie sind immer zu 100 Prozent investiert und nehmen deshalb das Auf und Ab der Märkte voll mit. Zudem konzentrieren sich etwa MSCI-ETFs stark auf Technologiewerte, die zuletzt besonders unter den steigenden Zinsen litten. Manager, die eine aktive Anlagestrategie verfolgen, haben mehr Möglichkeiten.
Sie können mehr Barmittel halten oder auf schwankungsarme Dividendenchampions oder Rohstoff- und Energieaktien setzen. So schnitten 2022 die ETF-Portfolios mit 53 Punkten schlechter ab als die Gesamtheit der geprüften Produkte. Dass diese Tendenz längerfristig anhält, glaubt Röpke hingegen nicht. „Bei langen Ansparprozessen wie in der fondsgebundenen Rentenversicherung kommt es stark auf Kosten und Zukunftsorientierung an. Deshalb dürften sich ETFs und nachhaltige Anlagen auf Dauer auszahlen.“
Erstpublikation: 24.04.2023, 19:47 Uhr (zuletzt aktualisiert am 27.04.2023, 17:35 Uhr).