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KommentarSubventionen für Chipfabriken weisen eine strategische Lücke auf

Neue Fabriken allein reichen nicht. EU und Bundesregierung müssen sich dringend um die gesamte Lieferkette kümmern. Die Konkurrenz ist groß.Joachim Hofer 15.05.2023 - 09:56 Uhr
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Europa investiert viel in den Kern der Chipfertigung, aber wenig in die unerlässlichen vor- und nachgelagerten Produktionsschritte.

Foto: Getty Images

In Dresden ist die Baugrube ausgehoben, im Saarland fahren noch dieses Jahr die Bagger auf: Selten einmal hat die Chipindustrie hierzulande so viel investiert wie in diesen Tagen. Auch in Frankreich und Italien wird gebaut. Die Hersteller errichten hochmoderne Halbleiterwerke.

Der Bund und andere europäische Regierungen stellen dafür Milliarden an Subventionen zur Verfügung. Ziel ist es, die deutsche und europäische Industrie verlässlicher als bisher mit Chips zu versorgen und darüber hinaus weniger abhängig von Lieferanten aus Übersee zu werden.

Um das zu erreichen, genügen die neuen Halbleiterwerke aber nicht annähernd. Denn bislang entstehen lediglich sogenannte Frontend-Fabriken in der EU. Sie sind zwar der Kern der Wertschöpfung in der Chipbranche. Aber es braucht auch das sogenannte Backend, dort werden die Bauteile verpackt und getestet. Dies ist personalintensiv und daher meistens in Asien angesiedelt.

Die Chips müssen weiterhin nach Asien

Während bei den neuen Frontend-Fabriken in Europa bereits die Bauarbeiter anrücken, gibt es im Backend lediglich eine Absichtserklärung des US-Konzerns Intel, in Italien zu investieren. Das heißt: Die Chips, die Infineon künftig in Dresden produziert, die Wolfspeed bald im Saarland fertigt, sowie ST Microelectronics in Catania und Crolles, werden im Anschluss nach Fernost transportiert für die zwingend nötige Weiterverarbeitung.

Das darf nicht sein. Die Zuschüsse für die Chipwerke sind nur gerechtfertigt, wenn Europa alle relevanten Teile der Lieferkette ansiedelt. Dazu gehören übrigens nicht nur das Testen und Verpacken. Auch die Wafer, also die Scheiben, auf denen die Chips entstehen, stammen zum großen Teil aus Fernost. Es ist dringend geboten, einen Teil der Subventionen für vor- und nachgelagerte Teile der eigentlichen Fertigung einzusetzen.
Mehr: Chiphersteller Nexperia klagt über Bundesregierung: „Will man uns aktiv diskriminieren?“

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