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Milliardendeal perfektGründerfamilie sichert sich bei Messer die Kontrolle

Unternehmer Stefan Messer trennt sich vom Finanzinvestor CVC. Das nötige Geld dafür kommt vom Staatsfonds GIC aus Singapur. Der Plan brauchte Jahre zur Reife.Bert Fröndhoff, Peter Köhler 30.05.2023 - 16:41 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Familienunternehmer Messer übergab Ende April die operative Führung an den früheren Linde- und Knorr-Bremse-Manager.

Foto: obs

Düsseldorf. Der größte private Industriegasehersteller Messer bekommt mit dem Staatsfonds GIC aus Singapur einen neuen Anteilseigner und strukturiert den Konzern um. Das teilte die familiengeführte Messer SE am Dienstag mit. Konkrete Zahlen dazu nannte das Unternehmen nicht.

In Finanzkreisen heißt es, GIC übernehme einen Minderheitsanteil von rund 20 Prozent an dem hessischen Unternehmen und zahle dafür mehr als zwei Milliarden Euro.

Zum 125. Jubiläum des Familienkonzerns macht sich Unternehmer Stefan Messer damit selbst ein großes Geschenk. Denn der Milliardendeal mit GIC ist der entscheidende Schritt, damit die Familie faktisch wieder die komplette Kontrolle über das operative Geschäft erhält – ein Plan, an dem Messer seit Jahren arbeitet.

Die Gruppe betreibt bisher zusammen mit dem Finanzinvestor CVC ein großes Joint Venture, in dem die Geschäfte in Nord- und Südamerika sowie in mehreren westeuropäischen Ländern gebündelt sind. CVC hält Kreisen zufolge 42 Prozent der Anteile. Die Stimmrechte sind aber nahezu gleichberechtigt verteilt, sodass sich Messer bisher in allen Fragen mit dem Finanzinvestor absprechen und einigen musste.

Nun will Messer mit dem Geld aus Singapur die Anteile von CVC zurückkaufen und das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Messer Industries auflösen. Die operativen Geschäfte sollen zurück in die familiengeführte Messer SE integriert werden, die dann alle globalen Geschäfte allein betreiben wird. Das soll Ende 2023 vollzogen sein.

Messer konkurriert mit Linde, Air Liquide und Air Products

An der Dachgesellschaft wird GIC aus Singapur einen Minderheitsanteil übernehmen, der deutlich unterhalb einer Sperrminorität liegt. Ohnehin gelten Staatsfonds als eher stille Anteileigner – anders als Finanzinvestoren. Messer hätte damit wieder freiere Hand im eigenen Unternehmen.

Die Messer SE ist der größte private Anbieter in der globalen Industriegasebranche. Das hessische Unternehmen konkurriert mit den „Big Three“ – den börsennotierten Konzernen Linde, Air Liquide aus Frankreich und Air Products aus den USA.

Stefan Messer hatte Ende April die Unternehmensführung abgegeben und leitet seither den Aufsichtsrat. Neuer CEO ist im Jubiläumsjahr Bernd Eulitz geworden, der früher die Knorr-Bremse AG leitete und viele Jahre im Vorstand des Konkurrenten Linde arbeitete.

Das hessische Unternehmen ist der größte privat geführte Industriegasehersteller der Welt.

Foto: obs

2022 kam Messer auf einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro und einen bereinigten Gewinn (Ebitda) von 1,2 Milliarden Euro. Auf das Joint Venture mit CVC entfielen 62 Prozent des Umsatzes und fast zwei Drittel des Gewinns.

Schon bei Abschluss des Gemeinschaftsunternehmens im Jahr 2019 hatte das Unternehmen erklärt, alle globalen Geschäfte möglichst schnell wieder komplett in Familienhand zu bringen. Nun bot sich die Gelegenheit.

CVC macht dabei offenbar einen sehr guten Schnitt. In Finanzkreisen heißt es, der Verkaufspreis des Anteils betrage gut drei Milliarden Euro. Das sind demnach fast fünfmal mehr, als der Finanzinvestor 2018 bezahlt hatte.

Stefan Messer kennt Dibelius noch aus Zeiten bei Goldman Sachs

Messer hatte damals fast das komplette Nordamerikageschäft des Konkurrenten Linde sowie mehrere Standorte in Lateinamerika übernommen. Da sie die Akquisition nicht aus eigener Kraft stemmen konnte, holte sich die hessische Firma damals CVC an Bord. Der Finanzinvestor schoss das nötige Eigenkapital für die Übernahme zu, der Familienkonzern brachte als Vermögenswert seine westeuropäischen Geschäfte ein.

Die Gründung des Joint Ventures war für Messer damals die beste Lösung, um die Risiken einer so großen Übernahme und der anschließenden Integration nicht alleine schultern zu müssen. Allerdings erhielt der Finanzinvestor ein gleichberechtigtes Stimmrecht bei Entscheidungen.

Es war ein ungewöhnlicher Schritt für Stefan Messer, aber die Konstellation beruhte auf einem persönlichen Vertrauensverhältnis. Bei CVC saß ihm 2018 ein alter Bekannter gegenüber: Alexander Dibelius, bis 2015 Deutschlandchef von Goldman Sachs und seither Leiter der deutschen Niederlassung des Investors. Beide kannten sich aus einem früheren Deal.

Messer ist als Familienunternehmen gegründet worden, verkaufte aber 1965 drei Viertel der Anteile an den Hoechst-Konzern. Stefan Messer rückte 1998 als Vertreter der dritten Generation in die Geschäftsführung auf. Aus seinem Traum, das Unternehmen zu erhalten und wieder komplett in Familienhand zu bringen, wurde ein konkreter Plan. Mit der Zerschlagung von Hoechst nach 1998 eröffnete sich die Möglichkeit zur Umsetzung, doch es fehlte der Familie das Geld für den Rückkauf.

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Dies steuerten 2001 die beiden Finanzinvestoren Allianz Capital Partner und Goldman Sachs mit Dibelius an der Spitze bei. Für Messer war auch das von Beginn an nur eine Liaison auf Zeit: Vier Jahre später übernahm er die Anteile der Private-Equity-Firmen, allerdings zu einem hohen Preis: Das Unternehmen musste die Geschäfte in den USA und in Deutschland verkaufen.

Letzteres baute Stefan Messer anschließend wieder neu auf, Ersteres holte er sich 2018 mithilfe von CVC zurück. Messers Ziel für die Gruppe lautet seither: global präsent, von der Familie kontrolliert. Bald hat er es erreicht.

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