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ZinsentscheidUS-Notenbank legt Zinspause ein und sorgt für neue Unsicherheit

Die Federal Reserve beendet die aggressive Phase der Zinserhöhungen. Aussagen von Notenbankchef Jerome Powell über künftige Maßnahmen kommen an den Märkten aber nicht gut an.Astrid Dörner 15.06.2023 - 00:25 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Inflationsdaten sind einer der wichtigen Faktoren für den aktuellen Kurs in der US-Geldpolitik.

Foto: Reuters

New York. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält ihren Leitzins nach zehn aufeinanderfolgenden Erhöhungen zum ersten Mal stabil. Am Ende der zweitägigen Sitzung verzichtete der Offenmarktausschuss der Fed auf eine Zinserhöhung und belässt den Leitzins unverändert bei der Spanne von 5,0 bis 5,25 Prozent. Dies teilte die Fed am Mittwochabend in Washington mit.

Die Entscheidung war einstimmig. Die Geldpolitiker stellten die Investoren jedoch auf neue Zinserhöhungen ein. So könnte es in diesem Jahr zwei weitere Zinsschritte geben, wie aus den ökonomischen Prognosen der Fed hervorgeht, die am Mittwoch ebenfalls veröffentlicht wurden. Damit signalisierten die Währungshüter einen schärferen Kurs als viele Investoren erwartet hatten.

Im ersten Moment verhagelte das den Anlegern die Stimmung. Der Dow verlor binnen wenigen Minuten rund ein Prozent. Der technologielastige Nasdaq gab zunächst ebenfalls nach, drehte dann aber wieder ins Plus.

Die Zinspause war weitgehend erwartet worden. Doch mit ihrer Absicht, die Zinsen noch weitere zwei Male in diesem Jahr anzuheben, sorgt die Fed für neue Verunsicherung. Ökonomen der Citigroup rechnen mit Zinsschritten im Juli und September. Doch Fed-Chef Jerome Powell wollte sich am Mittwoch nicht festlegen. Er ließ auch offen, ob die Zinsen regulär um einen viertel Prozentpunkt oder mehr steigen könnten. Fast alle Notenbanker würden jedoch „etwas höhere Zinsen“ erwarten, stellte Powell klar.

Die Zinspause sei nötig gewesen, um „zusätzliche Informationen zu sammeln und die Auswirkungen der Zinsschritte auf die Geldpolitik zu bewerten“, betonte der Fed-Chef. „Vor allem wenn man bedenkt, wie schnell und wie weit wir die Zinsen angehoben haben“, so Powell. Es dauert rund 18 Monate, bis die Wirkungen von Zinserhöhungen sich voll in der Wirtschaft entfalten, wie Ökonomen in den vergangenen Wochen immer wieder zu bedenken gegeben haben.

Noch weit vom Zwei-Prozent-Ziel entfernt

Powell bewegt sich in einem schwierigen ökonomischen Umfeld. Die Inflationsrate hat sich im Mai merklich abgeschwächt, wie die am Dienstag veröffentlichten Daten zeigen. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,0 Prozent. Im Vormonat hatte die Rate noch bei 4,9 Prozent gelegen.

Jerome Powell hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass der Leitzins in den USA vorerst unverändert bleibt. Doch noch immer sei der Inflationsdruck hoch, so dass weitere Schritte nötig werden könnten, sagte der Notenbank-Chef.

Die aktuelle Rate ist die niedrigste seit März 2021, allerdings ist die Inflation noch immer weit vom Zwei-Prozent-Ziel der Fed entfernt. Die sogenannte Kerninflation, bei der die Energie- und Lebensmittelpreise nicht berücksichtigt werden, geht allerdings nur langsam zurück: Diese Kennzahl sank von 5,5 auf 5,3 Prozent. „Daher kann die Fed noch nicht sicher sein, dass sie genug getan hat, um die Inflation zu bekämpfen“, betonte Brian Coulton, Chefökonom des Analysehauses Fitch.

Auch andre Entwicklungen sprechen für die Notwendigkeit weiterer Zinsschritte: Die Aktienmärkte haben sich in den vergangenen Wochen schnell von der strikten Geldpolitik erholt. Der breit gefasste S&P 500 befindet sich nach deutlichen Verlusten im vergangenen Jahr wieder in einem Bullenmarkt.

Das bedeutet, dass die Kurse seit dem jüngsten Tiefpunkt um mehr als 20 Prozent zugelegt haben. Angetrieben wurde die Rally vor allem von Tech-Aktien und den Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz (KI).

Gerade Kleinanleger sind im Mai wieder an die Märkte zurückgekehrt. Sie haben sich im vergangenen Monat so stark mit Aktien eingedeckt wie zuletzt vor 13 Jahren, wie aus Daten von Morgan Stanley hervorgeht. Für Powells Kampf gegen die Inflation ist das jedoch kontraproduktiv. Gleiches gilt für die Häuserpreise, die zuletzt wieder leicht gestiegen sind.

Anleger und Experten rechnen am Mittwoch fest mit einer Zinspause der US-Notenbank. Hinsichtlich der rückläufigen Inflation könnte jedoch auch ein dauerhaftes Ende der Zinsanhebungen möglich sein, analysiert Markus Koch.

Die Geldpolitiker blicken insgesamt etwas positiver auf die US-Wirtschaft als noch im März, als die vorherigen ökonomischen Projektionen veröffentlicht wurden. Im Mittel gehen sie davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt zum Jahresende um ein Prozent steigen wird. Im März lag die Prognose noch bei 0,4 Prozent.

Auch die Arbeitslosenquote könnte von derzeit 3,7 Prozent auf 4,1 Prozent steigen. Im März waren die Geldpolitiker noch von 4,5 Prozent ausgegangen. Die Inflationsrate soll zum Ende des Jahres auf 3,2 Prozent fallen. „Wir sind noch nicht am Ziel“, betonte Powell, „gerade mit Blick auf die Kerninflation, die für uns ein besserer Indikator ist.“ Daher sei das Risiko, dass die Fed die Zinsen nicht weit genug anhebe, immer noch größer, als das Risiko, zu viel zu tun.

Vorsichtige Währungshüter

Die Wirtschaft wachse weiter in einem moderaten Tempo, wie es im Fed-Statement hieß. Doch die Bankenkrise im März, bei der eine Reihe von Regionalbanken notverkauft werden musste, hat die Währungshüter vorsichtig werden lassen.

Torsten Slok, Chefökonom der Private-Equity-Firma Apollo, sprach bereits im April von einer beginnenden Kreditklemme als Folge der Bankenkrise. Die genauen Effekte seien jedoch noch nicht eindeutig abzusehen, sagte Powell am Mittwoch. Doch der erschwerte Zugang zu Krediten für Haushalte und Unternehmen sei mit ein Grund für die Zinspause gewesen.

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Nicht alle Experten befürworten den Aktionismus der Fed. Die Notenbanker würden zu weit gehen und „etwas kaputt machen“, wenn sie wie angekündet noch zwei Mal die Zinsen erhöhen werden, sagte Jeffrey Gundlach von DoubleLine Capital im US-Börsensender CNBC. Er geht davon aus, dass sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten deutlich abschwächen wird und weitere Zinserhöhungen daher nicht mehr nötig seien.

US-Investoren gingen am Mittwoch mehrheitlich von lediglich einem weiteren Zinsschritt aus. In den vergangenen Monaten haben sie die Prognosen der Fed immer wieder bezweifelt. Im Frühjahr ging die Mehrheit der Anleger noch davon aus, dass die Fed die Zinsen zum Jahresende senken würde. Davon ist mittlerweile jedoch keine Rede mehr.

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