Gas: Warum die Gaspreise plötzlich so stark gestiegen sind
Seit der Energiekrise schwanken die Gaspreise stärker als zuvor.
Foto: IMAGO/Wolfgang Maria WeberFrankfurt, Düsseldorf. In der vergangenen Woche hat der Gaspreis binnen weniger Tage um rund 30 Prozent zugelegt. Sprunghafte Bewegungen bei den Gaspreisen wurden während der Energiekrise zwar fast zur Gewohnheit – doch seit dem Frühjahr kamen sie seltener vor.
An der niederländischen Börse TTF kostete eine Megawattstunde (MWh) Gas für den Folgemonat am vergangenen Montag (12. Juni) 31 Euro. Am Freitag (16. Juni) waren es 41 Euro. Seit Anfang Juni hat sich der Gaspreis sogar verdoppelt.
Zu Wochenbeginn gab der Preis wieder ein Stück nach. Dennoch war die Bewegung Anlass für diverse Gasmarktanalysten, sich die überraschende Veränderung genauer anzusehen. Der Gasexperte Andreas Schröder vom Marktforschungsunternehmen Icis sagt: „Die norwegische Gasverarbeitungsanlage Nyhamna ist derzeit außer Betrieb.“
Ähnlich äußert sich auch die Energieanalystin Nayoung Kim von der Schweizer Großbank UBS. Sie schreibt, Pipelinegasexporte aus Norwegen seien im Vergleich zum Vormonat um elf Prozent gesunken. Das führt sie auch auf Wartungsarbeiten an der Förderplattform Troll und der Verarbeitungsanlage Karstö zurück.
Gaspreise: Grund für Anstieg könnte Gas-Förderende in Groningen sein
Gleichzeitig seien die Importe von Flüssigerdgas (LNG) nach Europa im Vergleich zum Vormonat um fünf Prozent gesunken. Das dürfte allerdings weniger daran liegen, dass keine ausreichenden Mengen am Markt verfügbar sind, als vielmehr daran, dass die Gasnachfrage in Europa derzeit wegen des warmen Wetters und wirtschaftlicher Probleme vergleichsweise niedrig ist.
>> Lesen Sie auch: Gaspreisentwicklung: Gasanbieterwechsel kann sich derzeit sehr lohnen
Dass die Gaspreise zuletzt trotzdem so schnell angestiegen sind, könnte aber noch einen weiteren Grund haben: Die Produktion im niederländischen Gasfeld bei Groningen soll wohl bald eingestellt werden, wie die Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht unter Berufung auf Insider schreibt. Groningen ist das größte Gasfeld Europas, produziert aber aufgrund von Problemen mit Erdbeben in der Region schon seit einigen Jahren nicht mehr so viel, wie es möglich wäre.
Laut Lambrecht war die maximale Förderung in den zwölf Monaten bis Oktober auf 2,8 Milliarden Kubikmeter gedrosselt worden, was etwa einem halben Prozent des europäischen Gasbedarfs entspreche.
Gas aus Russland fehlt noch immer
Die Schließung des Gasfelds in Groningen war eigentlich für das kommende Jahr geplant. Nun wird sie wohl auf Oktober vorgezogen. Lambrecht geht davon aus, dass sich die heftige Preisreaktion am Markt vor allem mit einer hohen Nervosität erklären lässt.
Noch immer fehlen die russischen Gasmengen im Weltmarkt, die vor allem Europa lange stabil mit günstiger Energie versorgt haben. Derzeit reichen die vorhandenen Mengen an Flüssiggas zwar zur Versorgung aus. Dennoch ist der Handel mit diesen Mengen schwankungsanfälliger und weniger planbar als früher. So sind auch die Börsenpreise weniger stabil.
Erstpublikation: 19.06.2023, 18:54 Uhr.