Gaspreisentwicklung 2024: Was kostet die Kilowattstunde Gas?
Die Gaspreisentwicklung sorgt für schwankende Energiepreise in Deutschland.
Foto: imago stock&peopleDüsseldorf. Seit Januar sind die Gaspreise deutlich gefallen und haben sich auf einem stabilen Niveau eingependelt. Pünktlich zum Winter ziehen die Preise für Erdgas allerdings wieder deutlich an.
Auch die Gaskosten für Endverbraucher haben sich deutlich erhöht. Das liegt daran, dass seit April wieder der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent für Gas gilt. Laut dem Vergleichsportal Verivox sind die Gaskosten für einen durchschnittlichen Haushalt allein deshalb um über 200 Euro im Jahr gestiegen.
Was kostet die Kilowattstunde (kWh) für Endverbraucher? Wie werden sich die Gaspreise 2024 entwickeln? Sollten Sie jetzt den Gasanbieter wechseln? Wie können Sie bei den Gaskosten sparen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Gaspreis aktuell: Was kostet die Kilowattstunde in Deutschland 2024?
Eine Kilowattstunde Gas kostet Verbraucher derzeit im Schnitt 9 Cent (Stand: November 2024). Ein Musterhaushalt (20.000 kWh Nutzenergie pro Jahr) erwartet damit laut dem Vergleichsportal Verivox eine Jahresrechnung von 1800 Euro im Jahr.
Dem Statistischen Bundesamt zufolge zahlten private Haushalte im ersten Halbjahr diesen Jahres im Schnitt 11,87 Cent pro Kilowattstunde. Das ist ein Anstieg um vier Prozent im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2023. Im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2023 sanken die Preise um 3,2 Prozent.
Wie hoch sind die Gaspreise im Großhandel?
Der Gaspreis liegt derzeit bei um die 46 Euro je Megawattstunde am niederländischen Großhandelsplatz TTF (Stand: 19. November 2024). Der TTF-Kontrakt gilt als Richtschnur für das europäische Preisniveau. Seit Mitte Dezember 2023 zeigte die Tendenz beim Gaspreis nach unten, ab April steigt der Kurs wieder. Wenn auch moderat.
Zumindest im Vergleich zu den Preisen in den vergangenen beiden Jahren. Zunächst löste die plötzlich steigende Nachfrage nach dem Ende der weltweiten Beschränkungen in Folge der Coronapandemie im Herbst 2021 eine Preisrally aus. Getrieben durch die Folgen des Ukrainekriegs kletterten die Kosten für eine Megawattstunde (MWh) Erdgas 2022 auf ein nie da gewesenes Allzeithoch.
Auf dem Höhepunkt der Preis-Aufwärtsspirale Ende August 2022 betrug der Großhandelspreis für eine MWh an der TTF-Börse 346 Euro.
Gaspreisentwicklung: Warum sinkt der Gaspreis im Großhandel?
„Was wir sehen, ist ein Stück weit auch eine Normalisierung“, sagt Gasexperte Andreas Schröder vom Marktforschungsunternehmen ICIS. Den Anstieg während der akuten Energiekrise habe man in Teilen zwar mit dem gesunkenen Angebot aus Russland erklären können, „aber nicht in dem Ausmaß“. Der Markt sei in Panik gewesen.
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Verschiedene Faktoren beruhigen den Gasmarkt seitdem. Dafür sind vor allem die vollen Gasspeicher und eine sinkende Nachfrage verantwortlich. Aber auch wenn der Gaspreis merklich gesunken ist, bleiben die Preise auf einem hohen Niveau. Zum Vergleich: In den Jahren zuvor kostete eine MWh Gas lediglich zwischen 10 bis 20 Euro.
Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?
Der Gaspreis für Haushaltskunden setzt sich aus drei wesentlichen Preisbestandsteilen zusammen:
- Beschaffungskosten Wie setzt sich der Gaspreis für Endverbraucher zusammen?
- Der Gaspreis für Haushaltskunden setzt sich aus drei wesentlichen Preisbestandsteilen zusammen:
- Beschaffungskosten und Vertriebskosten
- Entgelte für die Netznutzung
- Steuern und Umlagen
- Den ersten Teil können die Gasanbieter selbst bestimmen. Der Anteil liegt in der Regel bei etwas mehr als 60 Prozent des Gesamtpreises. Netzentgelte und Steuern werden dagegen staatlich festgesetzt. Für die Netzentgelte werden aktuell elf Prozent des Gaspreises veranschlagt. Mit dem Erlös halten die Netzbetreiber das Gasnetz am laufen, warten und bauen es aus. Auch die Wartung und Messung der einzelnen Gaszähler werden hiermit finanziert.
- Der weitaus größere Teil geht für Steuern und Abgaben drauf. Sie machen mit über 24 Prozent fast ein Viertel des gesamten Gaspreises aus. Darunter fällt unter anderem die CO2-Steuer, die Erdgassteuer und die Umsatzsteuer, eine Konzessionsabgabe und mehrere Umlagen.und Vertriebskosten
- Entgelte für die Netznutzung
- Steuern und Umlagen
Den ersten Teil können die Gasanbieter selbst bestimmen. Der Anteil liegt in der Regel bei etwas mehr als 60 Prozent des Gesamtpreises. Netzentgelte und Steuern werden dagegen staatlich festgesetzt. Für die Netzentgelte werden aktuell elf Prozent des Gaspreises veranschlagt. Mit dem Erlös halten die Netzbetreiber das Gasnetz am laufen, warten und bauen es aus. Auch die Wartung und Messung der einzelnen Gaszähler werden hiermit finanziert.
Der weitaus größere Teil geht für Steuern und Abgaben drauf. Sie machen mit über 24 Prozent fast ein Viertel des gesamten Gaspreises aus. Darunter fällt unter anderem die CO2-Steuer, die Erdgassteuer und die Umsatzsteuer, eine Konzessionsabgabe und mehrere Umlagen.
Wie hoch ist aktuell der Gasspeicher-Füllstand in Deutschland?
In Deutschland beträgt der Füllstand der Gasspeicher derzeit um die 95,1 Prozent (Stand: 19. November 2024).
Kein anderes Land in Europa besitzt so große Speicherkapazitäten für Gas wie Deutschland: 47 Anlagen fassen insgesamt bis zu 24 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Das entspricht laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) 24 Prozent der EU-Speicherkapazität.
>> Lesen Sie dazu: Gasspeicher in Deutschland: Wie hoch ist der Füllstand?
In den kalten Monaten wird das eingelagerte Gas in der Regel ausgespeichert und verteilt. In diesem Winter wird Deutschland wegen ausbleibender Gaslieferungen aus Russland deutlich stärker als sonst auf die Vorräte in den Gasspeichern angewiesen sein. Sie werden jedoch nicht ausreichen, um Gaslücken komplett auszuschließen.
Wie viel Gas verbraucht ein Einfamilienhaus im Jahr?
Bei einem Einfamilienhaus mit drei bis vier Personen liegt der jährliche Gasverbrauch je nach Quadratmeterzahl zwischen 20.000 und 40.000 kWh pro Jahr. Oder 160 kWh (16 Kubikmeter) pro Quadratmeter Wohnfläche für Heizung und Warmwasser. Beim derzeitigen Gaspreis von rund 9 Cent ergibt sich daraus eine jährliche Gasrechnung von 1800 bis zu 3600 Euro (Stand: Oktober 2024).
Wie hoch die Gaskosten im Einzelfall genau ausfallen, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Unter anderem davon, wie viel Gas man am Ende wirklich verbraucht. Gaszähler messen den Gasverbrauch ausschließlich in Kubikmetern, auf der Rechnung steht aber in der Regel die Einheit Kilowattstunde. Der Umrechnungsfaktor liegt bei eins zu zehn. Ein Kubikmeter Erdgas entspricht also rund zehn Kilowattstunden (kWh).
Wie viel Gas verbraucht ein Singlehaushalt im Jahr?
Ein durchschnittlicher Singlehaushalt hat einen durchschnittlichen Gasverbrauch von 140 kWh auf 14 Kubikmeter im Jahr. Diese Zahl haben die Heizungsexperten von Bosch Thermotechnologie für eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus berechnet. Für die Warmwasserbereitung werden demnach pro Jahr anteilig rund 600 bis 1000 kWh Gasverbrauch pro Jahr für eine Person angesetzt.
Hochgerechnet auf eine 50 Quadratmeter große Wohnung läge der Gasverbrauch für Heizung und Warmwasser damit beispielsweise bei 7000 kWh (700 Kubikmeter). Bei einem Gaspreis von rund 9 Cent würde damit folglich eine jährliche Gasrechnung von etwa 630 Euro fällig.
Da der Gasverbrauch einzelner Wohnungen jedoch nur von dem Gesamtverbrauch des gesamten Gebäudes abgeleitet wird, lässt sich der individuelle Verbrauch in einem Mehrfamilienhaus nur schwer überprüfen.
Warum sind die Gaspreise in der Energiekrise stark gestiegen?
Die Gaspreise sind aufgrund hoher Nachfrage und des verknappten Angebots seit Herbst 2021 massiv gestiegen. Aufgrund des Nachfrageeinbruchs während der Coronakrise war vor einem Jahr weniger Erdgas auf dem globalen Gasmarkt verfügbar als vorher.
Viele Förderer vor allem in den USA hatten ihre Gasproduktion gedrosselt und konnten so schnell nicht wieder hochfahren, andere hatten komplett aufgegeben. Die Folge war eine weltweite Energiekrise, die dann mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs noch einmal dramatisch verschärft wurde.
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Russland war bis dato der größte Gasexporteur für Europa und vor allem Deutschland. Es bestand eine hohe Gasabhängigkeit. Kurz nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs drosselte der russische Energieversorger Gazprom seine Gaslieferungen in das Gasnetz der Europäische Union und durch die größte Pipeline Nord Stream 1. Seit einer Weile kommt nun gar kein Gas mehr über die wichtige Ostseeverbindung an. Eine hohe Nachfrage traf am Gasmarkt also auf ein knappes Angebot. Das trieb die Erdgaspreise.
Gaspreisentwicklung: Wird Gas auf absehbare Zeit wieder billig?
In den vergangenen Jahrzehnten pendelte der Gaspreis für eine Megawattstunde in der Regel zwischen zehn und 20 Euro. Abgesehen von kurzen Ausschlägen nach oben war das Niveau der Beschaffungskosten auf dem Gasmarkt in der Vergangenheit also um ein Vielfaches niedriger als in den vergangenen zwölf Monaten.
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Wie sich der Gaspreis in Zukunft entwickelt, ist nur schwer abzuschätzen. Nicht nur war er vor der Krise niedriger, sondern die Schwankungen waren auch deutlich kleiner. Im vergangenen Jahr sprang der Gaspreis innerhalb eines Tages teilweise um 80 bis 100 Euro.
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So oder so müssen Verbraucher im nächsten Jahr mit deutlichen Preissteigerungen rechnen. Das liegt nicht so sehr an wegfallenden Preisbremsen, sondern vor allen Dingen an der Mehrwertsteuer.
Sollte man jetzt den Gasanbieter wechseln?
Ein Gasanbieterwechsel kann sich derzeit richtig lohnen. „Gas war für Verbraucher*innen in den vergangenen Monaten extrem teuer“, sagt Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24. „Nun sind allerdings die Großhandelspreise seit einigen Wochen auf niedrigem Niveau und die alternativen Anbieter reagieren darauf mit günstigen Angeboten für Neukund*innen. Deswegen sollten Verbraucher*innen jetzt aktiv werden und ihren Anbieter wechseln.“
Waren im vergangenen Jahr oft die Grundversorgungstarife die günstigste Option, hat sich dieses Bild mittlerweile wieder deutlich gedreht. Bei einem Wechsel aus der örtlichen Grundversorgung zum günstigsten Angebot, könnte ein Haushalt deutlich sparen.
Wie kann ich als Privatperson Gaskosten sparen?
Die sicherste Variante zum Sparen ist, seinen Gasverbrauch zu senken. Das empfiehlt auch die Bundesregierung immer wieder. Schon allein, um Gas da zu sparen, wo es geht, damit es verfügbar ist, wo es wirklich gebraucht wird.
Oft belächelt, aber trotzdem effektiv: kürzer duschen. Die Gasheizung verbraucht dann schlicht weniger Gas für Warmwasser. Auch ein Sparduschkopf hilft, den Wasserverbrauch zu senken. Mit dem Duschrechner der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen lässt sich prüfen, wie viel Gas sich damit wirklich sparen lässt.
>> Lesen Sie hier: Gas sparen: 20 Tipps, die Ihren Verbrauch senken
Noch effektiver ist allerdings das Absenken der Raumtemperatur im Winter. Das Umweltbundesamt empfiehlt zum Senken der Gaskosten, nachts die Raumtemperatur in Wohn- und Arbeitsräumen auf bis zu 15 Grad und im Schlafzimmer auf bis zu 17 Grad zu senken.
Es ist zudem ratsam, den Stromverbrauch zu senken, wo es nur geht. Denn die hohen Gaspreise sorgen auch für steigende Strompreise. Zum Beispiel: nur so viel Wasser heiß machen, wie man braucht, mit geschlossenem Deckel kochen und beim Backofen Umluft statt Ober-/Unterhitze nutzen. Auch kann das Austauschen von älteren Haushaltsgeräten und Leuchtmitteln durch energieeffizientere Modelle den Stromverbrauch senken. Günstige Stromverbrauchsmesser für die Steckdose helfen dabei, Stromfresser zu identifizieren.
Auch das Austauschen der Gasheizung kann für Hausbesitzer sinnvoll sein. Als alternative Heizsysteme in Frage kommen etwa eine Wärmepumpe, Fernwärme, eine Hybridheizung oder Pelletheizung. Unser Heizkosten-Vergleich zeigt, welche Heizungsart für einen typischen deutschen Vier-Personen-Haushalt am günstigsten ist. Angesichts der hohen Energiepreise kommt es nicht nur auf die Anschaffungskosten an, sondern auch darauf, was der Betrieb kostet.
Erstpublikation: 19.09.2022, 10:03 Uhr (zuletzt aktualisiert am 19.11.2024, 15:45 Uhr).