Kommentar: Für Putin beginnen die Probleme erst

Die Anzeichen für eine Isolation Putins häufen sich. Auch im Ausland kann er nur bedingt auf Unterstützung hoffen.
Foto: APAngespannt und erbost wie nie wirkte Russlands Präsident Wladimir Putin am Samstag. Als der Putschversuch seines früheren Vertrauten Jewgeni Prigoschin, Chef der privaten Söldnerarmee Wagner, in vollem Gange ist, wendet sich Putin in einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit.
Die Aktion sei ein „Stich in den Rücken“ des Landes, die „Verräter“ würden zur Rechenschaft gezogen werden. Während Putin spricht, bereitet sich Moskau auf den Verteidigungsfall vor, Scharfschützen gehen in Stellung, der Rote Platz wird abgeriegelt.
Nur wenige Stunden später dann die wundersame Wendung: Prigoschin gehe nach Belarus, heißt es aus dem Kreml, das zuvor gegen ihn eröffnete Strafverfahren werde eingestellt, seine beteiligten Söldner erhalten eine Amnestie. Nur noch 200 Kilometer von Moskau entfernt, tritt Prigoschin plötzlich den Rückzug an. Zu verdanken hat Putin die Entwicklung wohl dem belarussischen Diktator Alexander Lukaschenko, der in der Sache vermittelte.
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Putins Kehrtwende innerhalb dieser wenigen Stunden lässt sich zweifelsohne als Blamage bezeichnen. Sie legt offen, dass er nicht mehr die allumfassende Macht im System hat, über die er einst verfügte. Denn die Basis für Putins Machtposition innerhalb des russischen Systems war stets die Zusicherung, für Stabilität und Sicherheit zu sorgen. Seinen Teil der Vereinbarung gegenüber Eliten und Bevölkerung kann er nun nicht mehr glaubhaft einhalten.