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VermögensmanagementReichtum in Deutschland: 2900 Menschen besitzen ein Fünftel des gesamten Vermögens

Die Finanzvermögen der wohlhabenden Anleger sind 2022 erstmals seit Jahren zurückgegangen. Trotz globaler Krisen erwarten Experten Vermögenszuwächse.Peter Köhler 27.06.2023 - 06:09 Uhr Artikel anhören

Deutschland liegt weltweit bei den Nettovermögen unverändert auf Platz vier.

Foto: imago images/Panthermedia

Frankfurt. Die Deutschen sind unter dem Strich im vergangenen Jahr etwas ärmer geworden. Ihr Nettovermögen sank 2022 leicht auf 19,2 Billionen Dollar, das entspricht einem Minus von 1,1 Prozent. Dazu zählen Finanzvermögen über 8,8 Billionen und Sachwerte über 12,7 Billionen Dollar, denen Verbindlichkeiten von knapp 2,3 Billionen Dollar entgegenstanden.

Über 40 Prozent des Finanzvermögens im Land liegt auf Sparkonten oder ist als Cash verwahrt – Tendenz steigend. Das sind knapp zehn Prozentpunkte mehr als der globale Schnitt. Danach folgen Versicherungen und Pensionsansprüche sowie Aktien und Fonds, auf die beiden Letzteren entfallen 22 Prozent.

Deutschland liegt bei den Nettovermögen unverändert auf Platz vier weltweit, hinter Japan, China und den USA, geht aus dem Global Wealth Report 2023 der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor.

Auch das weltweite Finanzvermögen ist erstmals seit fast 15 Jahren wieder gesunken – um 3,5 Prozent auf 255 Billionen Dollar. Besonders stark betroffen waren dabei Anleger aus Europa und Nordamerika. Zuletzt gab es einen solchen Einbruch während der globalen Finanzkrise 2008.

Trotz sinkender Finanzvermögen ist das Gesamtnettovermögen leicht um 0,3 Prozent auf 459 Billionen Dollar gestiegen. Grund dafür sind höhere Sachwertvermögen, darunter Immobilien, Edelmetalle und andere physische Anlagen, die 2022 um über fünf Prozent zulegten.

Grund für die sinkenden Finanzvermögen seien vor allem gestiegene Zinsen und ein volatiles makroökonomisches Umfeld, bedingt durch die Nachwirkungen der Coronapandemie und den Krieg in der Ukraine, gewesen, sagt Michael Kahlich, Partner bei BCG. Diese Entwicklungen hätten insbesondere die Kapitalmärkte negativ beeinflusst.

Rückschläge treffen wohlhabende Anleger

Wohlhabende waren besonders von sinkenden Kursen an den Kapitalmärkten betroffen. Knapp 62.000 Superreiche besitzen jeweils ein Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar, das sind etwa 4000 weniger als noch im Jahr zuvor. Sie halten knapp 13 Prozent des weltweiten Finanzvermögens – ohne Sachwerte.

In den USA leben mehr als 22.000 solcher Ultra High Net Worth Individuals (UHNWIs), in China knapp 7600. Deutschland steht an dritter Stelle, hierzulande gibt es 2900 Superreiche. Sie besitzen 21 Prozent des gesamten Finanzvermögens im Land.

In Deutschland gibt es insgesamt mehr als 500.000 Menschen, die über eine Million Dollar Finanzvermögen besitzen. Über 66 Millionen Menschen besitzen hingegen weniger als 250.000 Dollar Finanzvermögen. „Eine Verschiebung der Vermögensverteilung erwarten wir für Deutschland in den kommenden fünf Jahren nicht“, sagt Co-Autor Akin Soysal, ebenfalls Partner bei BCG in Zürich.

Sobald die makroökonomische Unsicherheit wächst, nehmen auch die Vermögensströme über Ländergrenzen hinweg zu. So sind die sogenannten Cross Border Assets im Jahr 2022 um 4,8 Prozent auf zwölf Billionen Dollar weltweit angewachsen. Geopolitische Spannungen und andere makroökonomische Kräfte hätten viele Investoren dazu bewogen, Vermögen zu verschieben, sagt Kahlich. Die wichtigsten Finanzzentren für Geld aus dem Ausland seien die Schweiz, Hongkong und Singapur. Auch in die Arabischen Emirate fließt immer mehr Geld.

Vermögenswachstum trotz globaler Krisen

Trotz der globalen Krisen in den vergangenen Jahren und des Ukrainekriegs hat sich das weltweite Vermögen vergleichsweise widerstandsfähig gezeigt – und weiteres Wachstum erwartet Kahlich schon für das laufende Jahr. Die BCG-Experten rechnen damit, dass das Finanzvermögen 2023 um etwa fünf Prozent auf 267 Billionen Dollar ansteigen wird. Auch mittelfristig würden die weltweiten Vermögen weiter anwachsen, bis 2027 um fünf Prozent jährlich auf dann fast 600 Billionen Dollar. Das stärkste Wachstum beim Finanzvermögen erwartet BCG in China und Indien. In Deutschland soll das Vermögen pro Jahr um 4,4 Prozent wachsen.

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Die seltene Kombination aus rückläufigen Anleihemärkten und fallenden Aktienkursen hatte laut BCG im Jahr 2022 beträchtliche Auswirkungen auf die Performance der Vermögensverwalter, die weltweit einen Einbruch von 11,7 Prozent beim Kundengeschäftsvolumen zu verzeichnen hatten. „Um auch in Zukunft gerüstet zu sein, sollten Vermögensverwalter einerseits die Umsätze steigern und andererseits mutig sein und die Kosten reduzieren, zum Beispiel indem sie ihre Effizienz in der Anlageberatung durch Nutzung digitaler Lösungen deutlich verbessern“, sagt BCG-Manager Soysal.

Laut einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft Capgemini haben einige Vermögensberater derzeit jedoch Probleme mit der Digitalisierung. Mängel in diesem Bereich hinderten die Dienstleister daran, ihre Kunden zeitnah und umfassend zu beraten, was sich letztlich auch auf ihre Profitabilität auswirke.

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