Börse Asien: Zinsängste drücken Japans Börsen – China im Plus
Anleger verhalten sich vorsichtig.
Foto: ReutersSingapur, Frankfurt, Tokio. Japanische Aktien geben wegen der Sorge um weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank nach. Der 225 Werte umfassende Tokioter Nikkei-Index lag am Freitag 0,1 Prozent tiefer bei 33.189 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,3 Prozent und lag bei 2289 Punkten. Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell signalisierte am Donnerstag, dass die US-Notenbank ihre geldpolitische Straffungskampagne nach einer Pause Anfang des Monats wahrscheinlich wieder aufnehmen werde. „Wir haben eine Sitzung abgehalten, in der wir uns nicht bewegt haben“, sagte Powell bei einer Veranstaltung der spanischen Zentralbank in Madrid. „Wir erwarten, dass das moderate Tempo der Zinsentscheidungen fortgesetzt wird.“
Im Laufe der Woche zeichneten Daten ein Bild einer robusten US-Wirtschaft. Die haben die Sorgen vor einer drohenden Rezession etwas abgeschwächt. Die Daten „werden die Händler dazu veranlassen, eine größere Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die Fed in Betracht zu ziehen“, sagte Ryan Brandham, Leiter der Abteilung für globale Kapitalmärkte in Nordamerika bei Validus Risk Management.
Hoffnungen auf staatliche Wirtschaftshilfe hievten dagegen die chinesischen Börsen ins Plus. Die Börse in Shanghai lag 0,7 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen gewann 0,6 Prozent. Die Produktionstätigkeit in China im Juni ging unterdessen zum dritten Mal in Folge zurück. Dies schürte Hoffnungen auf Hilfen der chinesischen Regierung. Der chinesische Ministerpräsident Li Qiang hatte am Dienstag angekündigt, die Binnennachfrage mit weiteren politischen Maßnahmen ankurbeln zu wollen.
Wirtschaftliche Stimmung in China nicht wesentlich verbessert
Die Stimmung in den Chefetagen chinesischer Unternehmen hat sich im Juni nur unwesentlich verbessert. Wie das Statistikamt am Freitag in Peking berichtete, stieg der Einkaufsmanagerindex (PMI) im herstellenden Gewerbe nur von 48,8 auf 49 Punkte. Der wichtige konjunkturelle Frühindikator bleibt damit unter der kritischen Schwelle von 50 Punkten, wo von einer Verringerung der industriellen Aktivitäten ausgegangen wird.
Der Index für den Dienstleistungsbereich, darunter auch das Bauwesen, schwächte sich von 54,5 auf 53,2 Punkte ab. Er expandiert damit zwar weiter, aber eben langsamer als vorher. Die PMI-Daten hätten sich nicht erholen können und verstärkten die Botschaft, dass sich das Wachstum verlangsame, sagte der China-Ökonom Raymund Yeung von der ANZ Bank der Finanzagentur Bloomberg. Das schwache Wachstum lässt auch Rufe nach mehr Stimulus lauter werden.
Trotz der unerwartet schlechten Entwicklung hatte sich der neue Regierungschef Li Qiang am Dienstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Tianjin zuversichtlich geäußert, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft im zweiten Quartal stärker gewachsen ist als im ersten Quartal mit 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Er rechnet auch damit, dass das Ziel seiner Regierung von „rund fünf Prozent“ Wachstum in diesem Jahr erreicht werden dürfte.