Maestro-Funktion: Was Bankkunden zum Aus wissen sollten
Längstens noch bis Ende Juni 2027 im Einsatz.
Foto: dpaFrankfurt. Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland bezahlen immer häufiger mit der Girocard, besser bekannt unter ihrem alten Namen „EC-Karte“, Abkürzung von Electronic Cash und dem Vorläufer Eurocheque. 6,7 Milliarden Transaktionen zählten die deutschen Banken, die die Girocard herausgeben, im vergangenen Jahr.
Die meisten Bürger haben eine Girocard, viele auch zwei davon – rund 100 Millionen Girocards sind in Umlauf.
Per Juli gibt es eine Änderung bei diesen Bezahlkarten, die sich für die meisten Nutzer nach und nach bemerkbar machen wird. Denn die „Maestro“-Funktion für Auslandszahlungen wird auslaufen.
Neue Girocards müssen nun eine Alternative nutzen – entweder auch von Mastercard oder vom Konkurrenten Visa. Auch auf Girocards, die in diesem Jahr auslaufen, muss die Maestro-Funktion ersetzt werden.
Warum das nötig ist, was die neuen Bezahlkarten können, wie die Banken reagieren und welche Ausnahmen es gibt, erklärt das Handelsblatt im folgenden Text zum Maestro-Aus.
Was bedeutet die Maestro-Funktion bei EC-Karten und Auslandszahlungen?
Maestro ist eine Funktion des US-Zahlungskonzerns Mastercard für Auslandszahlungen. Auf den Karten wird sie mit zwei übereinanderliegenden Kreisen dargestellt, einem roten und einem blauen.
Maestro sorgt dafür, dass man mit den Girocards an der Ladenkasse im europäischen Ausland zahlen kann.
Auch der Mastercard-Konkurrent Visa bietet eine Funktion für Auslandszahlungen an. Sie nennt sich V-Pay. Der Fachterminus für Maestro und V-Pay ist „Co-Badge“.
Wann wird Maestro abgeschafft?
Mastercard hat im Herbst 2021 angekündigt, dass neue Girocards nur noch bis Ende Juni 2023 mit der Maestro-Funktion ausgegeben werden dürfen. Da die Girocards in der Regel vier Jahre laufen, funktionieren Zahlungen über die Maestro-Funktion also höchstens noch bis Ende Juni 2027. Bis dahin müssen die deutschen Banken ihre Bezahlkarten mit einer Alternative ausgestattet haben.
Neu ausgegebene Girokarten haben bald keine Maestro-Funktion mehr.
Foto: IMAGO/Shotshop
Warum gibt es Maestro künftig nicht mehr?
Mastercard hat den Schritt vor allem mit dem Boom des E-Commerce begründet. Angesichts des Wachstums im Onlinehandel werde es Zeit, die Karten mit Maestro zu erneuern. Sie können in der Regel nicht für Zahlungen im Onlinehandel genutzt werden.
Was tritt an die Stelle der Maestro-Funktion?
Als Alternative bietet Mastercard eine Funktion an, die sich ebenfalls Mastercard nennt. Sie ermöglicht sowohl das Bezahlen an der Ladenkasse im Ausland als auch Onlinezahlungen – ähnlich wie mit einer Kreditkarte. Auf den entsprechenden Girocards findet sich daher auch eine 16-stellige Nummer, wie man sie von Kreditkarten kennt. Auch das Mastercard-Logo, ein roter und ein gelber Kreis, ist auf diesen Girocards zu finden.
Es gibt aber auch zahlreiche Banken und Sparkassen, die sich für Visa entschieden haben. Visa schafft die V-Pay-Funktion zwar nicht ab. Dennoch stellt ein Teil der deutschen Banken ihre Girocards auf die zusätzliche Visa-Funktion um.
Auch diese Karten kann man neben Auslandszahlungen für das Bezahlen beim Onlineshopping einsetzen. Auch sie haben eine 16-stellige Nummer wie Kreditkarten.
Die neuen Bezahlkarten haben künftig auch die 16-stellige Nummer, die Bankkunden von ihrer Kreditkarte kennen.
Foto: HandelsblattWas ist eine Debitkarte?
Die Girocard ist eine Debitkarte, rund 100 Millionen Girocards sind in Umlauf. Sie bleiben auch mit der Zusatzfunktion Mastercard oder Visa Debitkarten. Zahlungen werden direkt vom Konto abgebucht.
Einige Banken in Deutschland, vor allem Töchter von Auslandsbanken und Neobanken wie ING und N26, geben statt Girocards vor allem Visa-Debitkarten und Mastercard-Debitkarten aus. Auch sie ermöglichen internationale Zahlungen sowie Onlinezahlungen. Man kann sie in gewisser Weise als Alternative zur Kreditkarte nutzen.
Allerdings wird bei Buchungen von Flügen, Hotels und Autovermietungen teils eine Kreditkarte verlangt. Der Betrag wird bei den Transaktionen direkt eingezogen, und in der Regel sind die Kreditkartenlimits ausreichend hoch. Im Fall einer Debitkarte hieße es, dass der Betrag unmittelbar vom Konto abgebucht würde – was nur funktioniert, wenn auch genug Geld auf dem Konto ist.
Was ändert sich für Verbraucher?
Wer ein neues Konto bei einer Sparkasse eröffnet, bekommt wahrscheinlich eine Girocard mit Zusatzfunktion Mastercard oder Visa. Viele andere Banken sind noch nicht so weit mit der Umstellung und haben Aufschub von Mastercard bekommen. Diese Geldhäuser können also doch noch eine Weile Girocards mit Maestro-Funktion ausgeben, womöglich laufen die Karten dann nicht die sonst üblichen vier Jahre, sondern kürzer.
Sollte die eigene Girocard zum Jahresende auslaufen, erhält man einige Wochen oder Monate zuvor eine neue Girocard – wahrscheinlich dann oftmals mit Mastercard- oder Visa-Zusatzfunktion. Es gibt aber auch Banken, die weiterhin Girocards mit V-Pay ausgeben, denn bei V-Pay ändert sich vorerst nichts.
Bei Banken, die die Umstellung nicht so zeitig schaffen, könnte es so kommen: Sie geben weiterhin Girocards mit Maestro aus, aber diese Karten haben nicht die übliche vierjährige Laufzeit, sondern eine kürzere.
Maestro-Aus: Wie gehen verschiedene Banken jetzt vor?
Vor allem Sparkassen geben an neue Kundinnen und Kunden jetzt Girocards mit Mastercard-Zusatzfunktion oder mit Visa-Zusatzfunktion aus. Sie werden dieses Jahr zudem rund 15 Millionen Girocards austauschen, hat ihr Lobbyverband DSGV angekündigt. Die rund 360 Sparkassen nennen die Girocard oft „Sparkassencard“.
Bei vielen der insgesamt 730 Volks- und Raiffeisenbanken kommt es ab August zum Kartentausch. Laut ihrem Branchenverband BVR betrifft das rund 6,6 Millionen Girocards, mehr als die Hälfte davon wird V-Pay nutzen.
>> Lesen Sie auch: Was Deutsche Bank und Co. für die Maestro-Funktion ab Juli planen
Manche Banken haben bei der Ausgabe von neuen Girocards auch einen Aufschub von Mastercard bekommen. Das gilt zum Beispiel für die drei großen Privatbanken Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank. Diese Geldhäuser können also noch eine Weile Girocards mit Maestro-Funktion ausgeben.
Die Commerzbank beispielsweise arbeitet laut Privatkundenvorstand Thomas Schaufler derzeit daran, die technischen Rahmenbedingungen für einen Wechsel herzurichten. Die Bank werde Ende des Jahres dafür bereit sein. Wann die Deutsche Bank und die Hypo-Vereinsbank ihre Girocards umstellen, haben sie bisher nicht so genau gesagt. Sie geben vorerst weiter Girocards mit Maestro-Funktion aus.
Auch etliche Genossenschaftsbanken geben vorerst, oft bis zu diesem Herbst, oder sogar für eine längere Zeit weiterhin Girocards mit Maestro aus. Manche Geldhäuser haben sogar den Kartentausch vorgezogen, damit die Maestro-Girocards noch bis Sommer 2027 nutzbar sind. Die Sparda-Bank West aus Düsseldorf beispielsweise hat die Karten ihrer Kundinnen und Kunden, die 2023 oder 2024 ablaufen, bereits ausgetauscht und ihnen eine neue Karte geschickt. Mehrere Sparda-Banken geben an, an einem „Nachfolgeprodukt“ zu arbeiten.
Kann man die neuen Giro- und Debitkarten wie eine Kreditkarte nutzen?
Nur bedingt. Die Girocards mit Visa- oder Mastercard-Funktion sichern das Bezahlen international und beim Onlineshopping. Doch in manchen Fällen kann es sein, dass eine solche Girocard oder auch eine Visa- oder Mastercard-Debitkarte nicht reicht. Das gilt beispielsweise, wenn man ein Auto im Ausland mietet.
Hier lohnt es sich, genau in die Bedingungen der Anbieter zu schauen. Europcar gibt an, dass Debitkarten von Mastercard und Visa bei Reservierungen oder Anmietungen in Europa ebenfalls akzeptiert würden, „vorausgesetzt Mieter und Kartenbesitzer sind identisch“. In den USA braucht man eine Kreditkarte. Sixt akzeptiert in Europa sowie in den USA und Kanada die Zahlung mit Kredit- und Debitkarten der internationalen Zahlungskonzerne, darunter American Express, Mastercard und Visa, wie eine Unternehmenssprecherin erklärt. In manchen Ländern sei die Akzeptanz von Debitkarten je nach Fahrzeugkategorie, etwa Sport- und Luxuswagen, eingeschränkt.
Ändert sich durch Giro- und Debitkarten etwas an den Gebühren beim Zahlen?
Voraussichtlich nicht. Für Verbraucherinnen und Verbraucher fallen beim Bezahlen in der Regel keine Gebühren an, weder an der Ladenkasse noch beim Onlineshopping. Bei den meisten Kontomodellen gibt es eine Girocard oder eine andere Debitkarte ohne extra Preis, mitunter kosten sie aber auch - teils 10 bis 12 Euro pro Jahr. Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass sich aufgrund des neuen Co-Badges etwas an den Gebühren ändert.
Die Händler wiederum müssen bei Kartenzahlungen einen kleinen Teil des Umsatzes als Gebühr berappen. Die Transaktionskosten sind vor allem auf das Interbankenentgelt zurückzuführen, das an die Karten ausgebenden Banken geht. Es ist in der EU bei Debitkarten auf 0,2 Prozent des Umsatzes gedeckelt. Neben dem Interbankenentgelt gibt es weitere Gebühren, die letztlich auf den Handel entfallen. Für den Handel sind Zahlungen per Girocard günstiger als Zahlungen mit einer Mastercard- oder Visa-Debitkarte.
Der Handelsverband HDE hat durch den erhöhten Einsatz dieser Debitkarten bereits höhere Kosten für die Branche festgestellt. Er verweist unter anderem auf zusätzliche Systemgebühren.
Erstpublikation: 04.07.2023, 04:00 Uhr (zuletzt aktualisiert: 05.07.2023, 17:27 Uhr).