Geschäftsstellen: Sparkassen wollen Standorte schließen: Brandenburgs Ministerpräsident warnt
Die Mittelbrandenburgische Sparkasse gehört zu den größten Sparkassen in Deutschland. Sie will etwa ein Viertel ihrer Geschäftsstellen schließen.
Foto: imago images/F. Anthea SchaapFrankfurt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke warnt vor Filialschließungen bei Sparkassen. In einem Brief an Ludger Weskamp, den Präsidenten des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV), schreibt der SPD-Politiker, dass er die aktuelle Berichterstattung über geplante Filialschließungen bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und der Sparkasse Uckermark mit Sorge verfolge.
„Die Ankündigung von solchen Schließungen im Geschäftsstellennetz sind bei den Bürgerinnen und Bürgern häufig mit der Sorge vor einem Verlust des persönlichen Kontakts vor Ort verbunden“, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt. Vor allem ältere Menschen könnten sich von der gewohnten Grundversorgung der Sparkassen abgeschnitten fühlen.
Die „Märkische Oderzeitung“ und der „Nordkurier“ hatten zuvor über den Brief berichtet, der auch an die Verwaltungsräte der elf Brandenburger Sparkassen ging.
Es ist ungewöhnlich, dass sich ein Ministerpräsident im Fall beabsichtigter Filialstreichungen einschaltet. In den betroffenen Orten hatten die geplanten Schließungen von Geschäftsstellen teils für Aufregung gesorgt.
Die Mittelbrandenburgische Sparkasse aus Potsdam, die zu den bundesweit größten Sparkassen zählt, will bis Anfang kommenden Jahres mehr als ein Viertel ihrer personenbesetzten Geschäftsstellen schließen. Ende 2022 hatte sie 115 Filialen.
Die Linke im Brandenburger Landtag fordert unter anderem, dass die Landesregierung zusammen mit den Trägern der Sparkassen, den Städten und Gemeinden, dafür sorgt, die geplanten Filialschließungen zu stoppen. Woidke steht an der Spitze einer Regierung aus SPD, CDU und Grünen.
Die Zahl der Bankfilialen ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken – auf rund 20.500 Ende letzten Jahres. 2022 schlossen die Geldhäuser fast sechs Prozent der Geschäftsstellen. Ende 2012 hatte es noch mehr als 36.000 Geschäftsstellen gegeben, 2008 nahezu 40.000.
Als Grund für die Ausdünnung ihres Filialnetzes geben die Kreditinstitute in der Regel an, dass immer mehr Kundinnen und Kunden ihre Bankgeschäfte nur oder weitgehend online erledigen und die Geschäftsstellen kaum mehr besuchen. Hinzu kommt, dass manchen Geldhäusern das Personal fehlt, um gerade kleine Filialen zu besetzen. Obendrein können die Banken durch Filialschließungen Kosten reduzieren.
Sparkassen vor Ort treffen die Entscheidungen
Gerade für Sparkassen sind Filialschließungen ein Balanceakt. Erstens ist die Nähe zum Kunden ein essenzieller Teil ihrer Daseinsberechtigung. Zweitens sollen sie die Versorgung mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen sicherstellen.
Der Ostdeutsche Sparkassenverband betonte, dass die Sparkassen vor Ort die geschäftspolitischen Entscheidungen träfen. Der Verband will sich aber mit den zwei Sparkassen, die Filialschließungen avisiert haben, kurzschließen. „Der Brief des Ministerpräsidenten ist für uns erneut Anlass und Grund, das Gespräch mit den betreffenden Sparkassen zu suchen. Auf der Grundlage dieser Gespräche und in Abstimmung mit den Sparkassen werden wir anschließend dem Ministerpräsidenten antworten.“
Den Verwaltungsräten der Sparkassen gehören auch oder größtenteils kommunale Politiker an. Für die Schließung von Zweigstellen brauchen die Sparkassenvorstände die Zustimmung des Verwaltungsrats, wie das brandenburgische Sparkassengesetz vorsieht. „Die uns bisher vorliegenden Informationen zeigen, dass die Vorstände und die Verwaltungsräte der betreffenden Sparkassen sorgsam abgewogen und sich die Entscheidungen nicht leicht gemacht haben“, erklärte der OSV weiter.