Pharmazulieferer: Schwache Nachfrage drückt Umsatz und Gewinn von Sartorius
Der Pharmazulieferer und Laborausrüster spürt eine schwächere Nachfrage.
Foto: SartoriusFrankfurt. Der Laborausrüster und Pharmazulieferer Sartorius hat im ersten Halbjahr weniger Umsatz und Gewinn erzielt. Im Vergleich zum coronabedingt starken Vorjahreszeitraum sank der Umsatz um knapp 16 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Freitagmorgen mitteilte. Das operative Ergebnis (Ebitda) ging um mehr als ein Viertel auf 517 Millionen Euro zurück.
Die Sartorius-Aktie notierte am Freitagvormittag rund 1,7 Prozent im Minus bei 260,50 Euro. Die Titel haben in diesem Jahr rund 18 Prozent an Wert verloren.
„Die erste Jahreshälfte war durchgängig von den Nachwirkungen der Pandemie geprägt. Kunden haben ihre Lagerbestände weiter abgebaut und waren infolge freier Kapazitäten zurückhaltender bei Investitionen“, sagte Vorstandschef Joachim Kreuzburg. Der Auftragseingang schrumpfte um mehr als ein Viertel auf 1,45 Milliarden Euro.
Sartorius hatte während der Coronapandemie von einer starken Nachfrage nach seinen Produkten profitiert, die für die Herstellung von Covid-Impfstoffen und -Medikamenten benötigt wurden. Zeitweise erzielte das Unternehmen Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent.
Allerdings ist nicht nur der Rückgang der Corona-bedingten Umsätze für die derzeit schwache Entwicklung verantwortlich. Auch ohne Covid-Beitrag gerechnet schrumpfte der Umsatz im oberen einstelligen Prozentbereich. Das ist vor allem auf den Abbau der Lagerbestände bei den Pharmakunden zurückzuführen, der länger dauert als erwartet.
Sartorius reagiert mit Stellenabbau auf Rückgänge
In der Pandemie hatten die Kunden enorme Vorräte aufgebaut – auch aus Sorge vor Lieferengpässen. Kreuzburg geht davon aus, dass die Mehrzahl der Kunden ihren Zielwert beim Lagerbestand im dritten Quartal erreichen und die Bestellungen dann wieder anziehen. Konjunkturelle Einflüsse sieht der Manager in diesem Geschäft nicht.
Sartorius hat auf die rückläufige Entwicklung bereits mit einem Stellenabbau reagiert. Die Zahl der Beschäftigten wurde um 900 auf 15.000 Mitarbeiter reduziert. Betriebsbedingte Kündigungen gab es nicht, der Abbau fand über Freiwilligenprogramme und Abfindungen statt. Das kostete Sartorius laut Kreuzburg einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.
Der Sartorius-Chef rechnet damit, dass die Bestellungen im zweiten Halbjahr wieder anziehen.
Foto: imago images/Hubert JelinekIm Juni hatte der Dax-Konzern aus Göttingen wegen der schwachen Entwicklung seine Umsatz- und Gewinnziele für das laufende Jahr zurückgenommen. Die Prognose wurde nun bestätigt. Das Unternehmen erwartet für das Gesamtjahr einen Umsatzrückgang von etwa zehn bis 15 Prozent. Die operative Marge (Ebitda-Marge) soll rund 30 Prozent erreichen und wird damit unter dem Vorjahreswert von 33,8 Prozent liegen. Im ersten Halbjahr waren es 29,8 Prozent.
Vor wenigen Tagen hat Sartorius den Ende März bekannt gegebenen Zukauf des französischen Biotechunternehmens Polyplus für 2,4 Milliarden Euro abgeschlossen. Die Refinanzierung durch eine Anleihe ist laut Kreuzburg in Vorbereitung.
Polyplus wird in diesen Jahr rund ein Prozent zum Umsatzwachstum von Sartorius beitragen. Die Verschuldungsquote des Dax-Konzerns steigt durch den Zukauf von 2,1 auf das Vierfache des operativen Gewinns. Analysten hatten den Zukauf als teuer bewertet.
Polyplus produziert Komponenten, die für die Herstellung viraler Vektoren verwendet werden. Diese werden bei Zell- und Gentherapien eingesetzt, ein Bereich, der als vielversprechender Wachstumsmarkt eingeschätzt wird.