Bundesbank-Umfrage: Banken verschärfen ihre Kriterien für Kredite an Klimasünder
Viele Banken wollen ihre Vorschriften für klimaschädliche Firmen weiter verschärfen.
Foto: dpaFrankfurt. Die Klimaverträglichkeit von Unternehmen spielt für Banken offenbar eine wachsende Rolle in ihrer Kreditpolitik: Deutsche Geldhäuser haben ihre Vergaberichtlinien für Darlehen an klimaschädliche Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten deutlich verschärft. Für klimafreundliche Unternehmen gab es dagegen kaum eine Veränderung.
In den kommenden zwölf Monaten will ein noch größerer Anteil von Banken die Kreditpolitik gegenüber klimaschädlichen Unternehmen weiter verschärfen. Das geht aus einer Umfrage unter Banken hervor, die die Bundesbank vierteljährlich unter rund 30 repräsentativ ausgewählten Instituten durchführt. In dieser „Bank Lending Survey“ befragt die Bundesbank die Geldhäuser zu ihrer Geschäftspolitik bei Unternehmens-, Baufinanzierungs- und Konsumentenkrediten.
Es ist das erste Mal, dass die Bundesbank die Kreditvergabepraxis nach der Klimaverträglichkeit von Unternehmen aufschlüsselt.
Sie unterscheidet zwischen „grünen“ Unternehmen, die nicht oder nur wenig zum Klimawandel beitragen, „gelben“ Unternehmen, die zwar zum Klimawandel beitragen, aber „relevante“ Fortschritte bei der Umstellung auf klimafreundliche Geschäftsprozesse machen, und „braunen“ Unternehmen, die in hohem Maße zum Klimawandel beitragen und ihre Geschäftsprozesse entweder gar nicht klimafreundlich umgestalten oder dabei nur geringe Fortschritte erzielen.
Die Bundesbank misst bei ihrer Umfrage jeweils die Differenz aus positiven und negativen Antworten. Wenn zum Beispiel 60 Prozent der Banken ihre Kreditrichtlinien verschärfen, 20 Prozent ihre Richtlinie lockern und die übrigen Institute gar nichts tun, weist die Bundesbank einen Saldo von 40 Prozent aus.
Im Fall der Kredite für „braune“ Unternehmen lag der Saldo im zweiten Quartal bei 30 Prozent. Es gab also einen deutlichen Überhang an Banken, die ihre Kreditrichtlinien für solche Firmen verschärft haben. Auch der Ausblick für solche Unternehmen ist düster: Ein Saldo von 70 Prozent der befragten Banken will die Vorschriften für klimaschädliche Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten weiter verschärfen.
Kaum Veränderungen für „grüne“ Unternehmen
Strengere Kreditrichtlinien bedeuten nicht, dass Banken diesen Unternehmen eine Finanzierung verweigern. Banken verlangen von solchen riskanteren Firmenkunden aber zum Beispiel höhere Zinsmargen oder auch mehr Sicherheiten.
Auch Unternehmen, die sich um Verbesserungen bemühen, bekamen strengere Richtlinien zu spüren. Das Ausmaß war aber deutlich geringer. Die Richtlinien für Darlehen an Firmen im Übergangsprozess haben sich mit einem Saldo von 20 Prozent verschärft. In den kommenden zwölf Monaten planen die Banken mit einem Saldo von 40 Prozent für sie strengere Vergabekriterien.
Die Kreditvergabepolitik an „grüne“ Unternehmen hat sich in den vergangenen zwölf Monaten unter dem Strich praktisch nicht verändert. Für die Zukunft sind nur geringe Verschärfungen geplant.
Über die Gründe der Banken für dieses Vorgehen trifft die „Bank Lending Survey“ keine Aussage. Eine mögliche Erklärung ist die wachsende Zahl an Vorschriften, denen Banken im Nachhaltigkeitsbereich unterliegen. So sollen Institute Klimarisiken stärker im Risikomanagement berücksichtigen, und sie müssen in der Zukunft mehr Angaben zur Nachhaltigkeit ihres Kreditportfolios machen.
Trend zu immer strengeren Kreditvergaberichtlinien lässt insgesamt nach
Sieht man einmal von der Sonderentwicklung bei klimaschädlichen Unternehmen ab, dann scheint der Trend zu immer strengeren Kreditvergaberichtlinien allmählich nachzulassen. Das zeigt der Blick auf die allgemeinen Umfrageergebnisse, in denen Nachhaltigkeitsaspekte nicht speziell abgefragt wurden.
Danach haben Banken ihre Kreditvergaberichtlinien zwar in allen Kreditsegmenten – Darlehen an Unternehmen, Wohnungsbaufinanzierungen für Privatleute sowie Konsumentenkredite für Privatleute – weiter verschärft. Doch das Ausmaß dieser Entwicklung hat sich abgeschwächt. Für das dritte Quartal erwarten Banken sogar keine nennenswerte Straffung ihrer Kreditvergabestandards mehr.
Die strengeren Standards bekamen Kunden der Umfrage zufolge in erster Linie in Form von höheren Margen zu spüren, also durch schlechtere Zinskonditionen. Der Hauptgrund für diese Entwicklung war die gesunkene Risikotoleranz der Institute. Daneben spielten auch die schwierigen wirtschaftlichen Aussichten eine wichtige Rolle.
Nach Branchen aufgeschlüsselt traf die strengere Kreditpolitik vor allem den Immobiliensektor: Vor allem bei Gewerbe- und Wohnimmobilien hoben Banken ihre Vergabestandards an. Auch in der zweiten Jahreshälfte wird es diese Branche noch einmal härter treffen als alle anderen Wirtschaftsbereiche. Doch auch für den Immobilienbereich gilt, dass das Ausmaß der Verschlechterung allmählich nachlässt.