Zinsprofiteure: Cash ist Trumpf – Die Zinswende hat viele Gewinner
Die Unternehmen zählen zu den Konzernen mit besonders hohen Barreserven.
Foto: Reuters, AP, Dpa (3)Düsseldorf. Die Dax-Konzerne haben nach Handelsblatt-Berechnungen 259 Milliarden Euro an Bargeld und kurzfristigen Bankeinlagen angehäuft. Die Reserven sind damit fast doppelt so hoch wie noch vor zehn Jahren. Viele Unternehmen profitieren deshalb aktuell von den rasant steigenden Zinsen – sogar stärker, als sie durch höhere Finanzierungskosten belastet werden.
Siemens etwa kam im ersten Halbjahr des Geschäftsjahrs auf 1,2 Milliarden Euro an Zinseinnahmen. Das waren 380 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig erhöhte sich die Zinslast nur um 272 Millionen auf 624 Millionen Euro. Bei SAP halbierten sich die Nettozinszahlungen. Mercedes bilanzierte ein positives Zinsergebnis, nachdem es im Vorjahr noch negativ war.
Bei den Unternehmen im europäischen Stoxx-600-Index stiegen die Zinseinnahmen im abgelaufenen Jahr um 72 Prozent gegenüber 2021, wie Bilanzexperte Christof Schürmann vom Flosbach von Storch Research Institute berechnet hat. Bei den Konzernen im amerikanischen S&P 500 war es ein Plus von 75 Prozent. Angesichts rasant steigender Zinsen im laufenden Jahr dürfte sich dieser Trend 2023 noch einmal erheblich verstärken.