Geldpolitik: Russische Notenbank erhöht Zinsen auf zwölf Prozent
Die Schwäche des Rubel brachte die Zentralbank in Zugzwang.
Foto: dpaMoskau. In einer Krisensitzung hat die russische Notenbank auf den Verfall des Rubel reagiert und den Leitzins kräftig angehoben. Sie beschloss am Dienstag, den Schlüsselzins auf 12,0 Prozent von 8,50 Prozent zu erhöhen. Hintergrund ist die Talfahrt der Landeswährung Rubel, die zu Wochenbeginn zum Dollar zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit fast 17 Monaten abgerutscht war.
In Erwartung des Entscheids hatte der Rubel ein wenig zugelegt und am frühen Morgen mit einem Plus von 5,2 Prozent bei 92,60 Dollar notiert. Im Anschluss an die Zinserhöhung grenzte er seine Kursgewinne jedoch wieder ein. Am Dienstagvormittag liegt er bei 97,20 zum Dollar.
Die nächste reguläre geldpolitische Sitzung steht erst am 15. September an. Offenbar brachte der Verfall des Rubel die Notenbank um ihre Chefin Elwira Nabiullina nun unter Zugzwang, die bereits für September eine Zinserhöhung signalisiert hatte.
In Russland baue sich Inflationsdruck auf, erklärte die Notenbank. Dies auch, weil die Produktion mit der anziehenden Binnennachfrage nicht Schritt halten könne und das Land auf steigende Importe angewiesen sei.
Die Zinserhöhung ziele darauf ab, Preisstabilitätsrisiken zu begrenzen. „Die Auswirkungen der Rubel-Abwertung auf die Preise gewinnen an Dynamik und die Inflationserwartungen steigen“, warnten die Währungshüter.
„Keine gute Nachricht für Russland“
Analyst Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank erwartet, dass die Auswirkungen der Maßnahmen der Zentralbank recht begrenzt bleiben dürften. „Die Abwertung des Rubels ist keine gute Nachricht für Russland, insbesondere im Hinblick auf die Finanzierung des Krieges.“ Ohnehin stehe die russische Wirtschaft aufgrund der geopolitischen Probleme unter Druck.
Im März 2024 steht die Präsidentschaftswahl in Russland an. Auch sie dürfte davon bestimmt werden, wie sehr die steigenden Preise für Grundnahrungsmittel die Verbraucher treffen.
Die Währungshüter in Moskau hatten den Leitzins im Juli erstmals seit den Anfängen der Invasion der Ukraine wieder erhöht. Die Teuerungsrate war vorigen Monat mit 4,3 Prozent über die von der Zentralbank angestrebte Marke von 4,0 Prozent hinausgeschossen. Die Notenbank betonte nun, sie wolle die geldpolitischen Voraussetzungen dafür schaffen, 2024 zum Stabilitätsziel zurückzukehren.
Flexible Zinsreaktionen federten Sanktionsauswirkungen ab
Zuletzt war es zu Unstimmigkeiten zwischen dem Kreml und der Notenbank gekommen. Maxim Oreschkin, der Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir Putin, hatte kritisiert, dass die Hauptursache für die Schwächung des Rubel und die Beschleunigung der Inflation die lockere Geldpolitik sei. Die Notenbank hatte indes die Ansicht vertreten, Zinsschritte hätten keinen direkten Einfluss auf den Wechselkurs.
Die Währungshüter haben mit einer flexiblen Zinsreaktion maßgeblich dazu beigetragen, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Konflikts und der westlichen Sanktionen gegen Russland abzufedern. Sie hatten wenige Tage nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine Ende Februar 2022 unter dem Eindruck des damaligen Rubel-Kurssturzes den Leitzins von 9,5 Prozent auf 20 Prozent erhöht.