Immobilienmarkt: Chinas Immobilienkrise greift auf den Finanzsektor über
Die Treuhandfonds leiten vorwiegend Gelder von Banken in den Immobiliensektor und andere Branchen um.
Foto: dpaPeking, Hongkong. Die Krise auf dem chinesischen Immobilienmarkt droht auf die Finanzbranche überzugreifen. Zhongrong International Trust, einer der führenden Anbieter der in China weit verbreiteten Treuhandfonds, hat gegenüber Investoren „kurzfristige Liquiditätsschwierigkeiten“ eingeräumt und seit Ende Juli die Rückzahlungen auf Dutzende seiner Produkte ausgesetzt. Das berichteten die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters unter Berufung auf Teilnehmer eines Treffens zwischen Anlegern und Unternehmen.
Zhongrong-Manager Wang Qiang hatte am Montag Dutzende von Investoren in der Firmenzentrale in Peking empfangen. Wang sagte den Teilnehmern zufolge, das Unternehmen halte sich an die Regulierung und habe seine Produkte bei den Behörden wie vorgeschrieben registriert.
Zhongrong werde einen Plan für die Rückzahlung der Gelder vorlegen, entweder durch den Verkauf von Kapitalanlagen oder eine Umschuldung. Zhongrong und die Finanzaufsichtsbehörde NFRA waren für eine Stellungnahme ebenso nicht zu erreichen wie Wang selbst.
Bereits Anfang der Woche hatte es Medienberichte darüber gegeben, dass der Vermögensverwalter Zhongzhi Enterprise einen Teil seiner Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. Zhonghzi hält eigenen Angaben zufolge eine strategische Beteiligung an Zhongrong.
Zhongrong ist traditionell beträchtlich im Immobilienmarkt investiert. Auf das Geld aus diesen Treuhandfonds (Trusts), die zu den unregulierten Schattenbanken gezählt werden, hatten viele Immobilienentwickler bei ihrer fast ungezügelten Expansion in den vergangenen Jahren gebaut. Nun geht die Sorge um, dass die Probleme auf den ohnehin geschwächten Immobilienmarkt durchschlagen
Country Garden gibt Mitteilung heraus
Die Treuhandfonds leiten vorwiegend Gelder von Banken in den Immobiliensektor und andere Branchen um. Die Immobilienbranche, die für rund ein Viertel der Wirtschaft Chinas steht, steckt aber seit zwei Jahren in der Krise, weil die Preise sinken. 2021 hatten die Schieflagen von China Evergrande und Sunac China weltweit Schlagzeilen gemacht.
Zuletzt ruhte die Hoffnung auf dem Politbüro der Kommunistischen Partei, das Ende Juli eine baldige Unterstützung für die notleidende Branche in Aussicht gestellt hatte. Doch passiert ist bisher wenig.
Zuletzt hatte Country Garden, einer der größten Immobilienentwickler des Landes, Schlagzeilen gemacht. Ihm droht eine Schieflage. Am Mittwoch warnte Country Garden der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge in einer Mitteilung vor „großen Unsicherheiten“ bei der Rückzahlung seiner Anleihen. Der Bauträger erklärte, dass der Handel mit einigen seiner lokalen Anleihen ausgesetzt bleiben wird.
„Das hängt alles zusammen, die Ansteckung passiert schon, und das Risiko ist groß, dass es sich weiter ausbreitet“, sagte Yan Wang, China-Stratege bei Alpine Macro. „Die Regierung muss schnell und aggressiv handeln, um das Risiko einzudämmen.“
Auch Deutsche Bank, UBS und Allianz halten wohl Country-Garden-Bonds
Die Schuldenkrise um Country Garden ist offenbar auch im Bezug auf ausländische Finanzgrößen wie Blackrock und Allianz ein wichtiges Thema. Blackrock hielt nach Angaben vom 14. August Dollar-Anleihen von Country Garden im Volumen von 358,5 Millionen Dollar, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Position der Allianz belief sich per Ende Juni auf 301 Millionen Dollar. Positionen berichteten per diesem Zeitpunkt unter anderem auch Fidelity International und HSBC.
Die Daten spiegeln nicht notwendigerweise die aktuellen Bestände wider. Seit der Einreichung der Dokumente könnten sie sich geändert haben und Firmen können Anleihen zudem auch im Namen von Kunden halten. Die Offenlegungsregeln unterscheiden sich zudem von Land zu Land.
Laut Unterlagen von Ende April und Ende März hielten auch Ninety One UK und Apollo Asset Management Schuldverschreibungen des kriselnden Immobilienentwicklers. Dollar-Anleihen von Country Garden hielten laut Angaben aus dem laufenden Monat auch UBS und JPMorgan Chase. Die Deutsche Bank und die Banque Lombard Odier & Cie hielten ebenfalls Positionen, wie aus Einreichungen von Ende Juni hervorgeht. Die Unternehmen wollten sich zum Thema entweder nicht äußern oder bezogen dazu nicht umgehend Stellung.
Regierung in Peking hat Schattenbanken im Visier
Die Investmentbank Barclays erwartet, dass die Regulierungsbehörden eingreifen, wenn sich das Marktumfeld im Immobiliensektor deutlich verschlechtere. In der Vergangenheit habe China solche Probleme mit staatlichen Finanzspritzen in den Griff zu bekommen versucht. Doch da die Investoren in die Trusts vornehmlich wohlhabende Privatleute und Unternehmen seien, könnten die Behörden eher „die Marktkräfte wirken lassen“, vermutet Barclays.
Die Regierung in Peking hat den Schattenbanken-Sektor im Sinne einer größeren Finanzstabilität seit 2017 im Visier und versucht, ihn stärker zu regulieren und zu verkleinern. Ende des vergangenen Jahres summierten sich die Kapitalanlagen in den Trusts auf 21 Billionen Yuan (knapp drei Billionen Dollar), das sind immerhin 20 Prozent weniger als fünf Jahr zuvor. In den Immobiliensektor allein hatten die Trusts 1,2 Billionen Yuan investiert, ein Minus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Erstpublikation: 16.08.2023, 12:48 Uhr (aktualisiert: 16.08.2023, 13:54 Uhr).