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DevisenRussland erwägt offenbar, Exporteure zum Rubelkauf zu verpflichten

Der Zwangsumtausch dürfte demnach 90 Prozent der Einnahmen in ausländischen Währungen betreffen. Der Schritt könne jeden Moment erfolgen, warnen mehrere Insider. 16.08.2023 - 17:19 Uhr Artikel anhören

Schon kurz nach dem Angriff auf die Ukraine hatte Russland Fremdwährungseinnahmen beschränkt, dann aber wieder liberalisiert. Jetzt könnten die Maßnahmen noch härter ausfallen.

Foto: IMAGO/Silas Stein

Moskau. Im Kampf gegen den Absturz des Rubel werden Insidern zufolge weitere Notmaßnahmen erwogen. Die russischen Behörden diskutierten, Exportunternehmen erneut dazu zu verpflichten, Deviseneinnahmen in Rubel umzutauschen, sagten fünf mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Einer hochrangigen Person zufolge könnte dies jeden Augenblick erfolgen.

Die mögliche Wiedereinführung der Umtauschpflicht ist eine Reaktion auf den Kursrutsch der Landeswährung. Der Rubel war zu Wochenbeginn zum Dollar auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten gefallen. Auch eine kräftige Zinserhöhung der Notenbank um 3,50 Prozentpunkte auf zwölf Prozent am Dienstag scheint den Kursverfall bislang nur verlangsamt zu haben.

Die russische Zentralbank und das russische Finanzministerium reagierten nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.

Die westlichen Sanktionen lasten zunehmend auf der russischen Wirtschaft. Zudem fließen immer größere Summen in das Militärbudget, um den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.

Russland hatte kurz nach Kriegsbeginn im Februar 2022 Exporteure dazu zwangsverpflichtet, Deviseneinnahmen in Rubel umzutauschen. Zunächst mussten 80 Prozent der Fremdwährungseinnahmen in Rubel gewandelt werden. Die Prozentzahl wurde dann aber allmählich wieder auf Null Prozent gesenkt.

Auch diskutiert: Verbot von Dividendenzahlungen ins Ausland

Diesmal könnten die Zwangsmaßnahmen noch härter ausfallen. Einem Insider aus einem Exportunternehmen zufolge wird ein Zwangsumtausch von bis zu 90 Prozent diskutiert.

Laut einem weiteren Insider aus einer Exportfirma wird über eine Spanne von 80 bis 90 Prozent gesprochen. Der Umtausch müsse innerhalb von 70 bis 90 Tagen nach der Ausfuhr von Waren ins Ausland erfolgen.

Zu den Schritten, über die beraten werde, zähle auch ein Verbot von Dividendenzahlungen ins Ausland sowie Beschränkungen bei Importsubventionen. Exporteure, die Einnahmen nicht nach Russland zurückführten, könnten zudem staatliche Hilfen verlieren, sagte einer der Insider.

Sollte sich der Rubelkurs bis Freitag nicht stabilisieren, werde die Regierung erneut mit Exporteuren zusammentreffen, sagte einer der Insider. Allerdings sei unklar, welche der Maßnahmen eingeführt würden.

Wie stark solche Schritte wirken werden, ist allerdings offen. Weil die westlichen Sanktionen gegen Moskau viele russische Unternehmen von den Dollar- und Euro-Zahlungssystemen abgeschnitten haben und Russland sich von westlichen Währungen unabhängig machen will, wird immer mehr Handel in Yuan, Rupien oder Rubel abgewickelt.

Exporteure legen nicht alle Einnahmen offen

Ein erheblicher Teil des Handels zwischen Russland und Indien erfolge in Rupien, zitierte die russische Tageszeitung RBC am Mittwoch den Chef einer indischen Industrievereinigung. Russland versorgt den Subkontinent mit billigem Öl.

Einem Insider aus der russischen Bankenbranche zufolge hängen derzeit rund 39 Milliarden Dollar in indischen Banken fest. Ölkonzerne seien nicht in der Lage, diese nach Russland zurückzuführen.

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Einem den Behörden nahestehenden Insider zufolge liegt das Hauptproblem bei der Rückführung von Deviseneinnahmen nach Russland darin, dass Exporteure das Öl zu einem niedrigen Preis verschiffen und es dem Käufer dann zu einem höheren Preis verkaufen. „Die Differenz wird angeblich für die Logistik abgeschrieben, aber niemand weiß, wie viel“, so der Insider.

Das zweite Problem sei die Umstellung auf den Export in Rubel und andere nicht harten Währungen. Dadurch müssten Exporteure weniger Dollar auf dem heimischen Devisenmarkt verkaufen. Zwei weiteren Insidern zufolge legten Exporteure nicht alle ihre Einnahmen aus der Ausfuhr von Waren offen, da sie Sanktionen für ihre Geschäftspartner befürchten.

rtr
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