Immobilienmarkt: Adler Group wertet Immobilien um eine Milliarde Euro ab
Die Adler Group befindet sich seit längerer Zeit in Schwierigkeiten.
Foto: imago images/Dirk SattlerLuxemburg. Der angeschlagene Immobilien-Investor Adler Group hat im ersten Halbjahr einen deutlichen Ergebnisrückgang verzeichnet. Mieterträge und operatives Ergebnis sanken und wegen der gestiegenen Zinsen musste Adler – wie andere Unternehmen aus der Branche auch – sein Immobilienportfolio abwerten. Der faire Wert des Portfolios einschließlich der Entwicklungsprojekte belief sich nach Angaben von Dienstag zum 30. Juni auf 6,4 Milliarden Euro, nach 7,4 Milliarden Euro zum Jahresende. Der Nettoverlust betrug gut eine Milliarde Euro nach 604 Millionen ein Jahr zuvor.
Die Nettomieterträge sanken in den ersten sechs Monaten im Jahresvergleich von 131 Millionen auf 108 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag in Luxemburg mitteilte. Die für die Branche wichtige operative Ergebniskennziffer FFO I aus der Vermietung fiel von 50 Millionen auf 8 Millionen Euro.
Der Rückgang spiegele das deutlich reduzierte Mietportfolio nach Portfolioverkäufen und gestiegene Finanzierungskosten wider, hieß es. Die monatliche Durchschnittsmiete des Vermietungsportfolios stieg auf 7,69 Euro je Quadratmeter, ein flächenbereinigtes Mietwachstum von 3,1 Prozent.
Die Transaktionsmärkte seien derzeit „ausgetrocknet“, erläuterte Konzernchef Thierry Beaudemoulin. Deswegen konzentriere sich Adler auf Liquiditätsmanagement. Der Fokus der Gruppe liege weiter auf dem Schuldenabbau durch den Verkauf von Vermögenswerten und Portfolios.
Der Konzern verfügt nach eigenen Angaben noch über knapp 26.000 Wohnungen und will sich im Rahmen seines Umbaus vor allem auf Immobilien in Berlin konzentrieren. Dort sieht er auch Potential für weitere Mieterhöhungen.
Adler Group muss Tausende Wohnungen verkaufen
Für den Umbau muss Adler aber weitere Wohnungen verkaufen. Allein für knapp 7000 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen sucht die Adler Group Käufer, auch der Anteil an der Wohungsgesellschaft BCP soll an neue Eigner gehen.
Wie es zur Großrazzia bei der Adler Group kam
Die Adler Group steht schon seit längerem unter Druck. Das vergangene Jahr hatte der Konzern erneut mit einem Milliarden-Verlust abgeschlossen. Wirtschaftsprüfer der KPMG hatten unter anderem für den Jahresabschluss 2021 das Testat verweigert, für die Adler Group wird derzeit ein Prüfer in Luxemburg gesucht, wie Beaudemoulin im Gespräch mit Analysten sagte. Im vergangenen Juni hatten Ermittler Büros der Tochter Adler Real Estate zudem wegen des Verdachts der Falschbilanzierung, der Marktmanipulation und der Untreue durchsucht. Im April gab ein Gericht dem Konzern grünes Licht für eine Umstrukturierung.
Erstpublikation: 29.08.2023, 07:51 Uhr (zuletzt aktualisiert am 29.08.2023, 11:57 Uhr).