Kommentar: Deutschland muss bei den Chips nachlegen

Deutschland hat Aufholbedarf in der Halbleiterindustrie.
Foto: dpaFür diesen Montag hat Wirtschaftsminister Robert Habeck Vertreter der Halbleiterbranche zu einer Konferenz eingeladen, auf der die Weichen für die Industrie gestellt werden sollen. Wer Rang und Namen hat in der Industrie, der beginnt diese Woche in Berlin: Denn insgesamt vier Milliarden Euro verteilt der Grünen-Politiker bei dem Event, um 31 Zukunftsprojekte in der deutschen Halbleiterindustrie zu fördern.
Es ist ein großer Tag für die Chipbranche hierzulande, aber er kommt viel zu spät. Es hat Jahre gedauert, die Vorhaben auszuwählen.
Wertvolle Zeit ist verstrichen, in denen andere Chipnationen den Vorsprung zu Deutschland vergrößert haben. Das muss in Zukunft schneller gehen. Halbleiter sind inzwischen allgegenwärtig im täglichen Leben und eigene Chip-Kompetenzen angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen ein Muss.
Zugegeben: 2023 hat sich mehr getan als in den zehn Jahren zuvor zusammen. Wolfspeed baut im Saarland, Intel in Magdeburg und TSMC in Dresden. Zudem expandieren in Sachsen die deutschen Hersteller Bosch und Infineon.
Mit dem Treffen beim Wirtschaftsminister kommt nun auch endlich das sogenannte „IPCEI Mikroelektronik“ in Gang. Dabei handelt es sich um Vorhaben, die einen positiven Effekt für die gesamte EU haben sollen.
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All das reicht aber lediglich, um nicht zurückzufallen. Experten sind sich einig, dass es noch viel mehr staatlicher und privater Initiative bedarf, um anderen Weltregionen gegenüber aufzuholen.
Es darf daher nicht der Eindruck entstehen, dass es mit den gegenwärtigen Subventionen getan ist. Erfolgreiche Chipnationen wie Singapur oder Taiwan zeigen: Der Staat muss kontinuierlich fördern, nur dann zahlt sich die Unterstützung aus.
Zudem braucht es schnell einen Plan, in welchen Bereichen der Chipindustrie Deutschland, und auch der Rest der EU, aufholen wollen. Bislang entsteht der Eindruck, als werde das Geld eher zufällig verteilt – nämlich an die Firmen, die überhaupt in Betracht ziehen, hierzulande zu investieren.
Der Staat braucht eine durchdachte Langfrist-Strategie
Deutschland kann nicht anders, als sich zu fokussieren. Deshalb braucht es einen durchdachten, langfristigen Plan, und der ist momentan nicht zu erkennen.
Für all jene Bereiche der Chipindustrie, in denen Deutschland und Europa nicht selbst investieren wollen oder können, sind Abkommen nötig, um eine verlässliche Lieferung sicherzustellen. Bei den wichtigen Speicherchips könnten solche Verträge mit den USA, Südkorea und Japan abgeschlossen werden.
Noch hat Deutschland potenziellen Partnern im Ausland selbst nicht viel zu bieten. Umso wichtiger ist es, dass die IPCEI-Milliarden jetzt endlich fließen.