Märkte Insight: „Twin Peaks again?“ – Die Angst vor der zweiten Inflationswelle in den USA

In den USA gibt es eine Debatte darüber, ob der Inflationshöhepunkt wirklich schon überschritten ist.
Foto: PosterloungeEs ging um Mord, Sex, geheimnisvolle Verschwörungen und den Einfluss außerirdischer Wesen: Die TV-Serie „Twin Peaks“, benannt nach einer erfundenen Kleinstadt und gedreht im Hochgebirge des US-Staats Washington, nicht weit von Seattle entfernt, wurde ein weltweiter Erfolg. Der Regisseur David Lynch, spezialisiert auf Horror und Mystery, hatte die Serie geschaffen, die 2017 noch einmal fortgesetzt wurde.
Dabei steht „Twin Peaks“ für „Doppelspitze“, also nimmt Bezug auf das schroffe Hochgebirge, in dem sich die Handlung abspielt. Ohne näher auf die Serie einzugehen, überschreibt der unabhängige US-Analyst Ed Yardeni eine neue Studie mit: „Twin Peaks again?“
Der Bezug zum Horrorfilm passt: Die Inflation schafft Angst. Sie ist manchmal unberechenbar, die Faktoren, die sie treiben, sind nicht immer klar zu erkennen. Und an Verschwörungstheorien fehlt es auch nicht: Am weitesten verbreitet dürfte die These sein, dass die Regierungen wegen ihrer hohen Schulden gar nicht so unglücklich sind, wenn das Geld entwertet wird.
Sind also der Inflationshöhepunkt und der danach folgende Zinsgipfel, den wir wahrscheinlich gerade erleben, trügerisch? Werden Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) und die Fed in den USA, die am Mittwoch tagt und wahrscheinlich die Zinsen nicht weiter erhöht, später zu einer zweiten Runde im Kampf gegen die Inflation gezwungen sein?
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Yardeni nennt drei Entwicklungen, die ihm Sorgen machen: den jüngsten Anstieg des Ölpreises, den Streik der US-Gewerkschaft der Automobilindustrie, der mächtigen UAW, und die hohe Staatsverschuldung in den USA.
Die beiden ersten Faktoren könnten die Preise wieder stärker antreiben oder gar in eine Rezession führen, wenn die Fed entsprechend hart reagiert. Und auch der dritte Faktor kann die Wirtschaft belasten, weil die Anleger irgendwann für das Risiko der Staatsschulden höhere Zinsen verlangen. Falls die Notenbank dann gezwungen sein sollte, mit Anleihekäufen den Markt zu stützen, würde das die Inflation anheizen.
Analyst Yardeni geht es nicht darum, Panik zu verbreiten. Aber nachdem er das Risiko einer Rezession als relativ klein eingestuft hat, gibt er diesem Szenario jetzt eine Wahrscheinlichkeit von immerhin 25 Prozent. Dabei wäre mit Blick auf die Vergangenheit der typische Verlauf zunächst ein zweiter Anstieg der Inflation, der dann eine noch entschiedenere geldpolitische Straffung auslöst und damit zu einem Einbruch der Konjunktur führt. Europa würde sicher davon angesteckt. Zurzeit führt der relativ schwache Euro ohnehin dazu, dass zum Beispiel Öl, das international in Dollar gehandelt wird, hier deutlich teurer wird.
Das Ende der MMT
Seit einiger Zeit wird in den USA mehr als früher über hohe Staatsschulden gesprochen. Wie sehr sich die Diskussion gedreht hat, wird auch dadurch deutlich, dass die Modern Monetary Theory (MMT) weitgehend verschwunden ist, die zuvor viel von sich reden machte – meist verbunden mit einer für die USA ziemlich linken politischen Agenda. MMT lehrt, dass der Staat beliebig viel Geld ausgeben kann, solange er keine Inflation auslöst. Aber genau das ist ja passiert, und damit ist diese Theorie tot.
Zum Wochenauftakt, vor dem Fed-Entscheid am Mittwoch, gingen die Börsianer auf Nummer sicher. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor circa ein Prozent auf 15.727 Punkte.