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TSMCSachsen schickt Chip-Studierende nach Taiwan

TSMC sorgt sich um Fachkräfte für das geplante Chipwerk in Dresden. Erstmals öffnen die Taiwaner daher ihre Eliteakademie für Nachwuchs aus dem Ausland.Martin Kölling, Joachim Hofer 23.09.2023 - 00:47 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Taiwaner Chipkonzern lädt Studierende aus Dresden zu sich ein. An der Elbe errichtet der Auftragsfertiger in den nächsten Jahren ein neues Werk.

Foto: Future Publishing/Getty Images

Taichung/München. Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow steht vor der wohl besten Kaderschmiede der globalen Chipindustrie. Neun Stockwerke mit Klassenzimmern, 32 teure Maschinen für die Halbleiterproduktion – und gleich nebenan die Fabrik. Keine andere Ausbildungsstätte dürfte so fortschrittlich sein wie das Newcomer Training Center von Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC) in der Industriemetropole Taichung in Taiwan. Mehr als zehntausend Berufsanfänger hat TSMC hier bereits in modernster Chipfertigung ausgebildet.

Hier können sich in Zukunft auch die Studierenden von elf sächsischen Hochschulen auf ihre Arbeit im ersten europäischen TSMC-Werk in Dresden vorbereiten. Dazu hat Wissenschaftsminister Gemkow eine Ausbildungsallianz zwischen Sachsen, der TU Dresden und TSMC unterschrieben. „Uns ist in den vergangenen Monaten etwas Einmaliges gelungen“, sagte Gemkow am Dienstag in Taichung.

Die TSMC-Personalchefin steht unter Druck

Zwar wurden die Experten für ein TSMC-Werk in Japan auch an taiwanischen Universitäten ausgebildet. Doch die eigene Elite-Ausbildungsstätte öffnet TSMC jetzt erstmals für Studierende ausländischer Universitäten. Die TU Dresden leitet das Programm „Semiconductor Talent Incubation Program“ auf deutscher Seite, mit der die Sachsen den Fachkräftemangel in der deutschen Chipindustrie lindern wollen.

Im Februar 2024 werden die ersten 40 Studierenden für sechs Monate nach Taiwan reisen. Zunächst lernen sie vier Monate lang an taiwanischen Spitzenuniversitäten Halbleitertechnik, dann verbringen sie zwei Monate im Trainingszentrum und in der Chipfabrik von TSMC. Der weltgrößte Auftragsfertiger der Chipindustrie hat aber noch größere Pläne: „Wir werden bis zu hundert Fachkräfte pro Durchgang in das Programm aufnehmen“, sagte Personalchefin Lora Ho.

Ho steht derzeit besonders unter Druck. Sie muss nicht nur genügend Personal für die Werke in Taiwan besorgen, sondern auch die Belegschaften der neuen Werke in den USA, Japan und Deutschland komplett neu aufbauen. Die Aufgabe ist gewaltig: Bis 2030 würden in der Chipindustrie eine Million Fachkräfte benötigt, sagt Ho. „Wir müssen uns auf den drohenden Fachkräftemangel vorbereiten und weltweit Fachkräfte ausbilden.“

TSMC verschiebt Produktionsstart in den USA

Wie schwierig das ist, erlebt TSMC gerade in den USA. Ursprünglich sollte die Produktion in Arizona Ende 2024 beginnen. Doch weil es an Beschäftigten fehlt, verschob TSMC den Starttermin um ein Jahr.

Personalmangel ist inzwischen eines der größten Probleme der Branche, wie Ondrej Burkacky, Halbleiterexperte der Beratungsgesellschaft McKinsey, bestätigt: „In den USA hat die Chipindustrie eine Lücke von 300.000 offenen Jobs.“ Die Halbleiterhersteller bauen derzeit weltweit so schnell neue Kapazitäten auf wie nie zuvor. Experten können sich ihre Jobs oft frei aussuchen.

Allein in Deutschland entsteht eine Handvoll großer Werke. Infineon und Bosch bauen neben einer Beteiligung am neuen TSMC-Werk auch ihre eigenen Standorte in Dresden aus.

Der US-Konzern Wolfspeed investiert im Saarland und der zweitgrößte Chiphersteller der Welt, Intel, errichtet ein Werk in Magdeburg. Der US-Konzern hat gerade erst eine Personaloffensive gestartet und kooperiert nun mit mehreren Hochschulen in Sachsen-Anhalt. Intel will den Nachwuchs selbst ausbilden.

Der taiwanische Auftragsfertiger sucht jetzt schon den Kontakt zu Nachwuchskräften in der Stadt und bietet Praktika in Taiwan an. Im Hintergrund das Halbleiterwerk von Bosch.

Foto: dpa

Einen Vorteil hat Intel gegenüber TSMC: Die Amerikaner betreiben große Werke in Irland und Israel. Der Nachwuchs muss daher nicht ganz so weit reisen, um Erfahrung in der Fertigung zu sammeln.

Die Ausbildungsoffensiven sind dringend nötig, denn auch in Deutschland kann die Branche viele Jobs nicht besetzen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelte jüngst, dass 62.000 Fachkräfte in Berufen der Halbleiterindustrie fehlen. Ganz besonders mangelt es an Kandidatinnen und Kandidaten aus der Elektrotechnik, der Mechatronik und der Softwareentwicklung.

Daher kümmern sich der Freistaat Sachsen und TSMC jetzt schon so intensiv um künftige Beschäftigte. „Wir haben das Ausbildungsprogramm speziell entwickelt“, sagt Personalchefin Ho. „Wir sind deshalb sicher, dass wir mit der Ausbildung von Fachkräften aus Deutschland dazu beitragen, die Basis für eine TSMC-Produktion in Sachsen zu legen.“

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Für die Sachsen ist das Ausbildungszentrum in Taichung besonders interessant: Denn das Werk 15A, an das die Kaderschmiede angegliedert ist, sei „die Mutterfabrik für Dresden“, erklärt Werksleiter Lin Chen-bin. Dort werde die gleiche Technik eingesetzt, die in Deutschland zum Einsatz kommen soll. Deshalb seien seine Ingenieure auch für den Aufbau in Dresden mitverantwortlich.

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