Morning Briefing: Tritt auf der Stelle: Handelsblatt Research sieht Miniwachstum für 2024

Tritt auf der Stelle: Handelsblatt Research sieht Miniwachstum für 2024
Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser,
630 Euro – das ist für Menschen, die sich zum Millionär oder zur Millionärin emporsparen wollen, so etwas wie eine magische Zahl. Denn wer in der Anfangsphase seines Berufslebens mit 27 anfängt, jeden Monat diese Summe in einen Indexfonds mit einer jährlichen Bruttorendite von sieben Prozent zu investieren, der kann 40 Jahre später mit einer Million Euro in Rente gehen – als ganz normaler Angestellter und bereits nach Abzug der Kapitalertragssteuer.
Um die heutige Kaufkraft der Million zu erhalten, wird man seine Gehaltserhöhungen über die Jahre allerdings nutzen müssen, um diese Sparquote an die Inflationsrate anzupassen. Was es sonst noch auf diesem Schleichpfad zum Reichtum zu beachten gilt, hat unser Geldanlage-Chefreporter Markus Hinterberger für Sie zusammengestellt.
Wer sich an bestimmten Regeln orientiert, kann es tatsächlich bis zum Beginn des Ruhestands zum Millionär bringen.
Foto: fStop/Getty ImagesDie wenigsten der rund zwei Prozent der Deutschen, die Millionärin oder Millionär sind, haben sich zum Reichtum emporgespart. Die meisten haben ihr Vermögen geerbt – ein deutlich höherer Anteil als in anderen Weltregionen. Aber immerhin rund zwei Fünftel haben sich Schätzungen zufolge ihren erheblichen Wohlstand selbst erarbeitet, zumeist mit Unternehmertum. So wie zum Beispiel der fränkische IT- und Solarentrepreneur Cengiz Katecioglu, den mein Kollege Christian Wermke für unsere Titelgeschichte „So wird man reich“ getroffen hat.
„Ich wollte immer mein eigenes Ding machen. Ich suchte immer nach mehr Freiheit und Flexibilität.“ Mit diesen Worten umreißt der 40-Jährige einige ziemlich typische Charaktereigenschaften von Selfmade-Millionären: Offenheit für Menschen und für neue Ideen, Glaube an die Selbstwirksamkeit des eigenen Handelns, Mut zum unternehmerischen Risiko. Und natürlich Fleiß und Ausdauer.
Der Wunsch nach möglichst viel Geld stand bei den wenigsten Reichen am Anfang ihres materiellen Erfolgs. Der Soziologe Thomas Druyen sagt im Handelsblatt-Interview sogar: „Ich bin nach 30 Jahren Vermögensforschung in aller Welt überzeugt, dass die meisten Menschen auf diesem Planeten überhaupt nicht reich werden wollen.“
Wenn es darum geht, zumindest nicht noch reicher zu werden, ist Deutschland auf einem erschreckend guten Weg. Laut der neuen Konjunkturprognose des Handelsblatt Research Institute (HRI) wird Deutschland nach dem Rezessionsjahr 2023 auch 2024 nur ein Miniwachstum von gerade mal 0,3 Prozent erreichen. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im Sommer prognostiziert.
„Die deutsche Volkswirtschaft steckt in der mutmaßlich schwierigsten Phase der Nachkriegsgeschichte.“ So urteilt HRI-Präsident Bert Rürup. Gravierende strukturelle Probleme verstärkten die von Pandemie und Ukrainekrieg ausgelösten Konjunkturschocks. Deshalb habe Deutschland als einzige große Volkswirtschaft das Vorkrisenniveau des Jahres 2019 noch nicht wieder erreicht. Rürup: „Perspektivisch wird sich Deutschland an geringe Wachstumsraten gewöhnen müssen.“
Mit seiner Konjunkturprognose für 2024 ist das HRI deutlich pessimistischer als die meisten anderen Institute. Fast wünscht man sich, dass die Kolleginnen und Kollegen vom HRI falsch liegen – doch meine Hoffnung ist gering. Sowohl für 2022 als auch für 2023 waren die HRI-Prognosen erschreckend treffsicher.
Ölraffinerie in der russischen Stadt Omsk: Die Regierung in Moskau will mit einem Exportverbot den Preis für Benzin und Diesel im Inland senken.
Foto: ReutersSicher nicht zur Konjunkturerholung beitragen wird folgende Meldung: Die russische Regierung hat die Ausfuhr von Treibstoffen wie Benzin und Diesel weitgehend untersagt. In der Verfügung von Ministerpräsident Michail Mischustin war von einer vorübergehenden Maßnahme die Rede, eine Frist wurde aber nicht genannt. Ziel der Maßnahme sei es, die inländischen Kraftstoffpreise zu senken.
Für Verbraucher in Europa ist die Ankündigung aus Moskau eine schlechte Nachricht: Sie müssen sich auf höhere Preise an der Zapfsäule einstellen. Denn Russland gehört weiterhin zu den weltweit wichtigsten Exporteuren von Rohölprodukten – allen westlichen Sanktionen zum Trotz. Zuletzt hatten Länder, die sich nicht an den Embargos der G7-Industriestaaten und der EU beteiligen, ihre Importe aus Russland erhöht. Diese Mengen fallen nun weg.
Microsoft-CEO Satya Nadella hofft auf große Geschäfte mit neuen Software-Anwendungen rund um den KI-Assistenten „Copilot“.
Foto: APIm Wettrennen um die Technologieführerschaft bei Künstlicher Intelligenz (KI) erhöht Microsoft das Tempo. Der US-Softwarekonzern kündigte am Donnerstag an, sein KI-Assistent „Copilot“ werde künftig in sämtlichen Programmen verfügbar sein. Dies umfasse das Betriebssystem Windows, die Bürosoftware Office, die Suchmaschine Bing und den Browser Edge.
In einigen Anwendungen erhalten Nutzer bereits seit einiger Zeit Unterstützung von einer KI. Im Juli hatte Microsoft eine Vorschau auf „Copilot“ für Office geliefert. Um dessen Funktionen nutzen zu können, müssen Kunden zusätzlich zu den üblichen Gebühren für die Bürosoftware rund 30 Dollar monatlich zahlen.
Im Rahmen der Produktvorstellung am Donnerstag kündigte der US-Konzern außerdem an, die Suchmaschine „Bing“ mit der neuesten Generation von Dall-E auszustatten. Diese KI ist darauf spezialisiert, anhand weniger Stichwörter Bilder zu erstellen.
Das kannste Dir nicht ausmalen!
Rupert Murdoch tritt als Chef der Fox-Gruppe und von News Corp zurück.
Foto: dpaManchmal glaube ich, die Berufsbezeichnung „Medienmogul“ ist extra für ihn erfunden worden: Rupert Murdoch tritt als Vorsitzender von Fox und News Corp zurück und beendet damit eine mehr als sieben Jahrzehnte lange Karriere. Der 92-Jährige übergibt den Staffelstab an seinen Sohn Lachlan Murdoch, wie am Donnerstag bekannt wurde. Dieser werde alleiniger Vorsitzender von News Corp und bleibe Vorsitzender und CEO von Fox, teilten beide Unternehmen mit.
„Wir haben jeden Grund, für die nächsten Jahre optimistisch zu sein“, heißt es in einem Brief von Murdoch Senior an die Beschäftigten. Beide Firmen Fox und News Corp seien „bei robuster Gesundheit – so wie ich.“
Murdoch wird „Chairman Emeritus“ beider Unternehmen. Über eine Familienstiftung kontrolliert er weiterhin etwa 40 Prozent der stimmberechtigten Aktien von News Corp und Fox Corp. An der Stelle des 52-jährigen Sohnemanns würde ich mich deshalb nicht zu sicher in meinem Job fühlen. Gehört es nicht geradezu zur Stellenbeschreibung von Medienmogulen, dass sie gerne mal zurückkehren, wenn sie den Eindruck haben, es laufe nicht ohne sie?
Ich wünsche Ihnen einen Wochenausklang, an dem Sie sich nur für so unentbehrlich halten, wie Sie es auch wirklich sind.
Herzliche Grüße
Ihr Christian Rickens
Textchef Handelsblatt
PS: In Deutschland wird zu wenig gebaut! Am Montag findet deshalb ein Wohnungsbaugipfel im Bundeskanzleramt statt. Wir haben Sie gefragt, welche Ideen Sie haben, um die Lage zu verbessern. Hier geht's zu unserer Leserdebatte.