Geldpolitik: EZB-Direktorin Schnabel: Für Entwarnung bei Inflation ist es zu früh
EZB-Direktorin Schnabel sieht trotz sinkender Geldmenge weiterhin ein Inflationsproblem.
Foto: ReutersBerlin, Frankfurt. In der sinkenden Geldmenge sieht EZB-Direktorin Isabel Schnabel derzeit noch kein Signal für Entspannung bei der Inflation in der Euro-Zone. Die aktuell ungewöhnliche Entwicklung sei „wahrscheinlich kein Vorbote einer tiefen Rezession, sondern spiegelt vielmehr eine erhebliche Umschichtung der Portfolios nach einer langen Periode niedriger Zinsen wider“, sagte sie am Montag bei einem Vortrag in Regensburg. „Daher gibt es noch keine Entwarnung für das Inflationsproblem.“
Die Geldmenge M1 – zu der Bargeld und Einlagen auf Girokonten zählen – schrumpfte im Juli um mehr als neun Prozent zum Vorjahreszeitraum. Je weniger kurzfristig verfügbares Geld es gibt, desto geringer ist ökonomischen Lehrbüchern zufolge normalerweise die Inflationsgefahr.
Viel frei verfügbares Geld kann hingegen rasch in den Konsum gesteckt werden und damit die Preise potenziell nach oben treiben. Angesichts steigender Zinsen schichten viele Sparer ihr Geld derzeit um.
Nach Worten von EZB-Präsidentin Christine Lagarde signalisieren die jüngsten Konjunkturdaten eine anhaltend schwache Wirtschaft im Euro-Raum. Eine geringere Exportnachfrage und die schwierigere Finanzierungssituation bremsten das Wachstum im zu Ende gehenden Sommerquartal, sagte die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB) am Montag im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.
Sie bekräftigte, dass die EZB die Zinsen so lange wie nötig hoch halten werde, um die Inflation zurückzudrängen. Mittelfristig peilt die Notenbank eine Jahresteuerung von zwei Prozent an. Davon ist sie momentan aber immer noch weit entfernt: Im August lag die Inflation im Euro-Raum bei 5,2 Prozent.
Märkte hoffen auf Zinspause
Die EZB hatte jüngst die Zinsen das zehnte Mal in Folge angehoben. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Geschäftsbanken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, stieg damit von 3,75 auf 4,00 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit dem Start der Währungsunion 1999.
Lagarde hatte nach der Zinssitzung erklärt, mit der Entscheidung habe die Euro-Notenbank nach derzeitiger Einschätzung ausreichend dazu beigetragen, die Inflation rechtzeitig auf das Zielniveau zurückzuführen.
Nach der jüngsten Zinserhöhung spekulieren die Finanzmärkte darauf, dass die Notenbank bald eine Zinspause einlegen könnte. Zugleich hatte Lagarde einen eher düsteren Konjunkturausblick gegeben und einen Aufschwung nicht vor 2024 in Aussicht gestellt.