BMW: Jochen Goller ersetzte Pieter Nota als Vertriebsvorstand
Vertriebsvorstand Pieter Nota verlässt BMW vorzeitig.
Foto: BMWMünchen. BMW wechselt den Vertriebsvorstand. Pieter Nota, seit 2018 Vorstand für Vertrieb und Marketing zuständig, wird durch Jochen Goller ersetzt. Dieser hat seit 2018 das Chinageschäft von BMW geleitet und soll nun ab November in den Vorstand aufrücken. Die Ablösung Notas erfolgt vorzeitig: Der Vertrag des Vertriebschefs wäre noch bis Sommer 2024 gelaufen. Wie vom Handelsblatt bereits vorab berichtet hat der Aufsichtsrat den Vertrag von Konzernchef Oliver Zipse darüber hinaus vorzeitig um zwei Jahre verlängert. Zipse soll BMW nun bis Sommer 2026 führen.
Nota war 2018 vom niederländischen Philips-Konzern zu BMW gekommen, zuvor war er bei den Konsumgüterherstellern Beiersdorf und Unilever tätig. Geholt hatte ihn der damalige Vorstandschef Harald Krüger, der im Sommer 2019 vorzeitig von Zipse abgelöst wurde. Die Berufung von außen galt damals als Signal: Nota sollte frischen Wind in den BMW-Vertrieb bringen.
Doch der Niederländer fand sich von Beginn an in einer Außenseiterrolle: In der von Technikern und Ingenieuren dominierten Führungsriege fehlte Nota das Netzwerk und damit das Standing. Konzernchef Zipse hat den Autohersteller darüber hinaus stärker auf das klassische Autogeschäft ausgerichtet. Die Mobilitätsdienste von BMW wurden sukzessive abgewickelt. Wichtige Präsentationen übernahm Zipse in der Regel selbst. Über die Absatzentwicklung referierten die Finanzvorstände Nicolas Peter und seit Mai Walter Mertl, nicht der Vertriebschef.
Dennoch sei die vorzeitige Trennung von Nota einvernehmlich erfolgt, betont der Konzern: „Der Aufsichtsrat dankt Pieter Nota für sein großes Engagement und speziell die wichtigen Impulse, die er mit seiner umfangreichen Erfahrung außerhalb der Automobilindustrie in den Vertrieb eingebracht hat“, sagte Aufsichtsratschef Norbert Reithofer.
BMW stellt den Vertrieb um
Erfolge erzielte Nota vor allem im Hintergrund. Unter seiner Führung gelang es BMW, die Rückschläge in der Coronapandemie deutlich besser zu verkraften als die Konkurrenz. Erstmals verkauft BMW auch wieder mehr Autos als der Erzrivale Mercedes-Benz, für dieses Jahr ist ein neuer Absatzrekord angepeilt.
Darüber hinaus hat Nota die Einführung des sogenannten Agenturmodells vorbereitet. Bei diesem Vertriebsmodell verkauft der Autohersteller die Autos direkt an die Kunden, die Händler sind nur noch Vermittler. Ab Januar will BMW den Direktvertrieb in Europa starten, zunächst mit der Tochter Mini. Auch das sei ein Grund für den vorzeitigen Wechsel, heißt es im Konzern. Ein neuer Vertriebsvorstand soll die Einführung dieses wichtigen Projekts von Beginn an begleiten.
Goller bringt Erfahrung aus China und bei Mini mit
Der Direktvertrieb gilt als heikles Unterfangen, das im VW-Konzern bereits für viel Ärger zwischen Händlern und Herstellern gesorgt hat. Für diesen Job wäre auch Deutschlandchef Bernhard Kuhnt infrage gekommen. Mit Jochen Goller holt sich Zipse nun einen erfahrenen Konzernmanager in den Vorstand. Goller kommt bei der Einführung des Direktvertriebs zugute, dass er Mini bereits geleitet hat und die Sensibilitäten der britischen Tochter kennt. Mindestens genauso wichtig ist seine Erfahrung im Chinageschäft, das er seit 2018 verantwortet.
Jochen Goller, der bisherige Chinaverantwortliche von BMW, soll künftig den Vertrieb leiten.
Foto: BMWIn seiner Zeit ist China mit Abstand zum wichtigsten Absatzmarkt für BMW aufgestiegen. Hier drohen massive Verwerfungen, sollte die chinesische Wirtschaft weiter an Fahrt verlieren. BMW ist dort engagiert wie nie: Anfang 2022 hatten die Münchener die Mehrheit am Joint Venture mit Brilliance übernommen. Als erster ausländischer Autokonzern kontrollierten die Münchener damit ihre Geschäfte in China komplett selbst. BMW baut die Produktion im größten Automarkt der Welt weiter aus und verlagert immer mehr Entwicklungsarbeiten in die Volksrepublik.
Zipse kann bis 2026 bleiben
An der Spitze setzt der Konzern auf Konstanz. Aufsichtsratschef Norbert Reithofer lobte die bisherige Arbeit des BMW-Chefs: „Oliver Zipse hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich durch ein ausgesprochen volatiles Umfeld gesteuert.“ Mit der Neuen Klasse, die BMW auf der IAA vorgestellt hat, sei die Marke „auf dem besten Weg, diese Position weiter auszubauen“. Auf der Automesse in München hatte der Hersteller ein Konzept für die nächste Generation seiner Elektromodelle präsentiert.
Mit der Vertragsverlängerung für Zipse bis zum Jahr 2026 bricht der Aufsichtsrat auch mit einer bisher intern gültigen Regel. Normalerweise bekommen Vorstände bei BMW mit dem Überschreiten des 60. Lebensjahres nur noch einjährige Vertragsverlängerungen. Der 59-jährige Zipse führt BMW seit 2019 und genießt das Vertrauen der Arbeitnehmer und der Familie Quandt, die rund die Hälfte der Stimmrechte kontrolliert.
Erstpublikation: 28.09.2023, 10:47 Uhr.