Notfallmedizin: Apps alarmieren Ersthelfer
Von den Reformdiskussionen erhoffen sich auch Start-ups einen Schub, die das Erste-Hilfe-Wissen auffrischen wollen.
Foto: IMAGO/imagebrokerKöln. Sie sind oft schneller als der Rettungswagen: Fast 11.000 ehrenamtliche Ersthelfer waren im vergangenen Jahr bei der Berliner Feuerwehr registriert. Deutet ein Anruf in der Zentrale des Rettungsdienstes darauf hin, dass jemand einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hat, ertönt auf den Smartphones der Freiwilligen ein Alarm, wenn sie in der Nähe sind. Per App werden sie zum Einsatzort geleitet. Ein Erfolgsmodell: 3500-mal waren die Ersthelfer im Einsatz, in 620 Fällen haben sie Wiederbelebungsversuche unternommen.
In ihrem kürzlich vorgestellten Gutachten fordert eine vom Bundesgesundheitsministerium beauftragte Regierungskommission, solche Ersthelfer-Apps flächendeckend verfügbar zu machen. „Der Schritt ist längst überfällig“, sagt Christof Chwojka, Geschäftsführer der auf die Nothilfe und das Rettungswesen spezialisierten Björn Steiger Stiftung. Nach Erhebungen der Stiftung haben bisher erst 140 der 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland eine Ersthelfer-App in Betrieb oder führen diese gerade ein.
Jede Minute zählt bei einem medizinischen Notfall
Laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie sind 65.000 Menschen in Deutschland jährlich von einem plötzlichen Herzstillstand betroffen. In jeder Minute, in der keine Herzdruckmassage stattfinde, sinke die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent. Rettungswagen brauchen im Schnitt aber acht bis 15 Minuten. Die per App koordinierte Freiwilligenarbeit soll dazu beitragen, die Versorgungslücke zu schließen.