Gehalt: Wo GmbH-Geschäftsführer das meiste Geld verdienen
Die Vergütung der GmbH-Geschäftsführer stagnierte 2023.
Foto: IMAGO/ZoonarDüsseldorf. Die schwierige Lage der deutschen Wirtschaft wirkt sich auf die Bezahlung der GmbH-Geschäftsführer aus. Deren Vergütung stagniert im Schnitt über alle Branchen hinweg, bei den Chefs größerer GmbHs mit mehr als 25 Millionen Euro Umsatz ist sie zuletzt sogar leicht gesunken.
Das zeigt eine Studie über aktuelle Gehälter in GmbHs, die für 50 Branchen die Bezahlung der Geschäftsführungen detailliert auflistet und die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.
In vielen Branchen profitieren die Chefs zwar von einem zuvor vertraglich festgelegten leichten Anstieg der Festgehälter.
Doch bei den Tantiemen wirken sich Konjunkturflaute und kräftig gestiegene Material- und Energiekosten bereits deutlich aus. Denn die variable Vergütung orientiert sich überwiegend am Betriebsgewinn, der in weiten Teilen der deutschen Unternehmen seit 2022 geringer ausfällt.
An der Untersuchung haben rund 2400 Geschäftsführer deutscher GmbHs teilgenommen. Die GmbH gilt als gängigste Unternehmensform in Deutschland und deckt vor allem das Segment der kleineren und mittleren Firmen ab. Ermittelt und aufbereitet haben die Daten die Beratungsgesellschaft BBE Media und der Deutsche Steuerberaterverband.
Gehalt von Geschäftsführern im Mittelstand weniger von Krisen betroffen
Im Vergleich zu den großen Unternehmen ist die Bezahlung im Mittelstand allerdings weniger von den jüngsten Krisen betroffen. So ist im Dax-Segment die Vergütung der Vorstände schon 2022 im Schnitt um acht Prozent gesunken, wie eine Studie der Technischen Universität München und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zeigt. Angesichts des anhaltenden Konjunkturabschwungs dürfte der Wert weiter sinken.
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Ein Grund für den Unterschied: Bei den börsennotierten Großkonzernen orientiert sich die Bezahlung noch weitaus stärker an Variablen wie dem operativen Gewinn und dem Aktienkurs.
Das ist der typische GmbH-Geschäftsführer
Der typische deutsche GmbH-Geschäftsführer nach den Durchschnittsdaten ist demnach 52 Jahre alt und kommt aktuell auf ein Jahresgehalt von 182.000 Euro. Die Spannen sind aber groß: Ist er Chef einer kleineren GmbH mit weniger als fünf Millionen Euro Umsatz liegt seine Vergütung im Schnitt bei 159.000 Euro. Bei Unternehmen mit bis zu 20 Millionen Euro Umsatz steigt sein Gehalt auf 230.000 Euro, bei großen Unternehmen sogar auf durchschnittlich 327.000 Euro.
Geschäftsführerinnen gibt es in den Chefetagen der GmbHs nach wie vor selten. Dies hat sich auch 2022 nicht gebessert. Der Frauenanteil in der Geschäftsführung liegt bei nur neun Prozent – ein Wert, der seit mehreren Jahren in der regelmäßig erhobenen BBE-Untersuchung auf diesem Niveau verharrt.
Frauen sind in der GmbH-Geschäftsführung nicht nur seltener vertreten, sie verdienen auch noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen, wie die Daten zeigen. Der Unterschied liegt je nach Vergütungsklasse zwischen acht und elf Prozent.
GmbH-Gehalt: Diese Branche zahlt am besten
Für alle Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer gilt: Am besten bezahlt in Deutschland die Chemie- und Pharmaindustrie. Das ist seit Jahren der Fall und hat sich auch durch die hohen Belastungen für diese energieintensive Industrie nicht geändert.
In der BBE-Gehälterstudie erzielen Chemie- und Pharmafirmen als einzige Branche einen Medianwert beim Festgehalt der Geschäftsführer von rund 208.000 Euro. Auch bei den Tantiemen liegen diese Branchen mit 64.000 Euro an der Spitze.
Beim Median handelt es sich nicht um den Durchschnitt, sondern um den Mittelwert: Die eine Hälfte der Geschäftsführer aus der jeweiligen Branche verdient mehr, die andere weniger. In der Studie wurden mithilfe des Steuerberaterverbands für jeden Zweig solche Werte erstellt. GmbH-Chefs können diese als Richtschnur für ihre eigene Bezahlung nehmen.
Insgesamt werden in den Industriezweigen der deutschen Wirtschaft die höchsten Gehälter gezahlt, in der Spitzengruppe finden sich neben Chemie/Pharma die Geschäftsführer aus der Automobilindustrie sowie aus dem Maschinen- und Anlagenbau.
Im Nachteil: Makler und Einzelhändler
Auf die niedrigsten Werte kommen Chefs von Einzelhändlern. Die Verwerfungen auf den Immobilienmärkten hinterlassen auch Spuren bei den Gehältern von Maklern und Projektentwicklern. Deren Geschäftsführer haben zuletzt weniger verdient, vor allem die am Gewinn orientierten Tantiemen gingen zurück.
47,7 Stunden pro Woche ist der typische deutsche Geschäftsführer im Schnitt aller Branchen für das Unternehmen im Einsatz. Auch hier gibt es Unterschiede. In der Industrie wird nicht nur am besten verdient, sondern auch am meisten geschuftet. Gut ein Drittel der Chefs arbeiten zwischen 50 und 60 Stunden die Woche.
Welche Dienstwagen Geschäftsführer am liebsten fahren
Auf den Dienstwagen verzichtet kaum ein GmbH-Geschäftsführer. 80 Prozent lassen sich ihr Auto von der Firma stellen – das gilt für Männer wie Frauen gleichermaßen. In diesem Jahr liegt BMW erneut bei der Beliebtheit ganz vorn: Die meistgenutzten Dienstwagen kommen aus der SUV-Reihe des Münchener Autobauers, gefolgt von dessen 5er-Reihe.
Der BMW X5 gehört zu den Lieblings-Dienstwagen der Geschäftsführer.
Foto: HandelsblattDie von BBE und dem Steuerberaterverband erstellte Gehälterstudie hat eine hohe Außenwirkung. In den Finanzämtern wird die Auflistung als Vergleichsgrundlage etwa bei Betriebsprüfungen genutzt. Geprüft wird insbesondere das Gehalt der geschäftsführenden Gesellschafter einer GmbH.
Weicht deren Bezahlung stark von den üblichen Werten in der jeweiligen Branche ab, könnte aus Sicht der Finanzbeamten eine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegen. Damit kann eine Firma versuchen, ihre Steuerlast zu senken. Als Anzeichen dafür gilt, wenn der geschäftsführende Gesellschafter sich eine besonders hohe Tantieme auszahlen lässt.
Der Fiskus orientiert sich zwar seit Längerem nicht mehr fest an der früheren 75-zu-25-Regel, wonach die variable Vergütung nicht mehr als ein Viertel des Gesamtgehalts ausmachen sollte. In vielen GmbHs wird sie beim Geschäftsführergehalt aber noch immer als Maßstab und interne Regel angewendet.
Dieser Artikel erschien bereits am 19.10.2023. Der Artikel wurde am 08.04.2024 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.