Fachkräftemangel: Informatik ist nur für jeden vierten Schüler Pflichtfach
Vielerorts ist Informatik nur ein frei wählbares Fach.
Foto: dpaBerlin . Informatikunterricht spielt an deutschen Schulen noch immer eine Nebenrolle: Im vergangenen Jahr gab es lediglich in fünf Bundesländern mit insgesamt 24 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler Pflichtunterricht in Informatik. Im angelaufenen neuen Schuljahr kommen zwar zwei hinzu.
Doch lediglich Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland gewährleisten den Unterricht in ausreichendem Umfang, befindet der neue „Informatik-Monitor“ der Gesellschaft für Informatik und des Stifterverbands, des Zusammenschlusses der deutschen Wirtschaft zur Bildungsförderung.
Die wissenschaftlichen Berater der Kultusminister haben zwar bereits empfohlen, dass in der Mittelstufe mindestens sechs Wochenstunden Informatik unterrichtet werden sollen. Das wäre aber beispielsweise lediglich eine Wochenstunde von der fünften bis zur zehnten Klasse.
In Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen ist IT-Unterricht zwar Pflicht, aber eben in einem deutlich geringeren Umfang, schreiben die Autoren. Die Beispiele der führenden Länder zeigten, dass es durchaus möglich sei, die sechs Wochenstunden im Stundenplan unterzubringen.
Besonders wichtig sei der Informatikunterricht, um Mädchen für IT zu begeistern und so sowohl deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen als auch den enormen Fachkräftemangel zu bekämpfen. Nach Angaben des Branchenverbands fehlen der deutschen Wirtschaft aktuell mindestens 137.000 IT-Experten und -Expertinnen.
Pflichtunterricht steigert das Interesse von Mädchen an Informatik
Pflichtunterricht in der Mittelstufe steigert tendenziell das Interesse der Mädchen, das Fach auch in der Oberstufe zu belegen: So betrage der Frauenanteil in Informatik in der Oberstufe in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen durchschnittlich 40 Prozent, in Bundesländern ohne Pflichtfach sind es nur 26 Prozent.
Ein großes Problem sind allerdings die fehlenden Lehrkräfte für den Unterricht. Um den Unterricht im empfohlenen Umfang zu leisten, wären bundesweit mindestens 32.400 Informatiklehrkräfte nötig, rechnen die Monitor-Autoren vor. Derzeit gibt es an deutschen Schulen aber lediglich 9659 Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung für Informatik. Auch hier zeigt sich der allgemeine Mangel an IT-Fachleuten, die tendenziell in besser bezahlten Positionen arbeiten.
Von den Hochschulen kommen jedoch pro Jahr nur knapp 500 Personen, die das Lehramtsstudium mit Schulfach Informatik absolvieren, das sind etwa zwei Prozent aller Lehramtsabsolventinnen und -absolventen.
Allerdings haben die Länder, die schon lange Informatik als Pflichtfach unterrichten, weit weniger Probleme, die nötigen Lehrer zu finden. So haben vor allem Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern bereits kurz nach der Wende den Informatik-Pflichtunterricht eingeführt. Heute haben sie den höchsten Anteil an Lehrkräften mit einer Lehrbefähigung für dieses Fach: In Sachsen sind es neun Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern sieben.
Um auch andernorts kurzfristig mehr Lehrkräfte zu gewinnen, empfehlen die Studienautoren, angehenden Pädagogen Möglichkeiten zu einer Qualifizierung durch Onlinekurse zu geben.