Medizintechnik-Firma: Bentley gewinnt Investoren – Börsengang für 2024 geplant
Bentley-Chef Sebastian Büchert (links) und Gründer Lars Sunnanväder wollen mit dem Stent-Anbieter expandieren.
Foto: HandelsblattFrankfurt. Die baden-württembergische Medizintechnikfirma Bentley gewinnt drei neue Investoren und will 2024 an die Börse gehen. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, steigt der auf Medizintechnik und Software fokussierte Finanzinvestor Keensight Capital als neuer Investor ein. Auch der Hauptgesellschafter der Reederei Maersk, A.P. Moller, sowie das Investmentvehikel der schwedischen Leksell-Familie, Bonit, erwerben Anteile an Bentley. Finanzkreisen zufolge übernehmen sie zusammen knapp 20 Prozent. Damit wird das Unternehmen mit einem dreistelligen Millionenbetrag bewertet.
Sollten die Kapitalmärkte rund um Ostern in guter Verfassung sein, ist dann ein Verkauf von Anteilen an der Nasdaq Nordic geplant, einem europäischen Ableger der US-Technologiebörse Nasdaq. Ansonsten könnte das Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 2024 an die Börse gebracht werden. An der Stockholmer Börse sind einige mittelgroße Medizintechnik-Wettbewerber gelistet, weshalb Bentley hofft, dort eine gute Bewertung erzielen zu können.
Bentley-Gründer Lars Sunnanväder, selbst Schwede, sieht nach eigenen Aussagen in einer Börsennotierung die Möglichkeit, dort Kapital für künftiges Wachstum aufzunehmen und dabei die Unabhängigkeit des Unternehmens zu wahren.
Die 2009 gegründete Bentley Innomed stellt Implantate zur minimalinvasiven Behandlung von Gefäßerkrankungen her, sogenannte ballonexpandierende ummantelte Stents. Das sind spezielle Röhrchen, die Blutgefäße dauerhaft offen halten und damit gefährliche Thrombosen verhindern.
Das Unternehmen ist zuletzt rasant gewachsen. Für 2023 rechnet die Firma mit rund 400 Mitarbeitern laut Finanzkreisen damit, den Umsatz um 20 Prozent auf rund 85 Millionen Euro zu steigern. Das Betriebsergebnis (Ebitda) soll in diesem Jahr bei etwa 25 Millionen Euro liegen.
Expansion in die USA geplant
Zuletzt hatte Bentley von US-Behörden grünes Licht für eine klinische Studie bekommen. Die gilt als Voraussetzung für den Eintritt in den weltgrößten Gesundheitsmarkt USA, den das Unternehmen für das Jahr 2027 plant. Zur Unternehmensgruppe Bentley Endovascular Group gehört neben dem Stenthersteller Bentley Innomed auch der Schweizer Zulieferer Qmedics.
Für Ostern planen eine Reihe deutscher Firmen einen Börsengang, dazu gehören etwa der Rollstuhlhersteller Sunrise Medical, der Fernbusbetreiber Flix und der Mobilitätsdienstleister DKV (Tankkarten) sowie die Bank OLB. Auch die Parfümeriekette Douglas und die Tourismusplattform Getyourguide planen für 2024 ein Börsendebüt. Der Zeitpunkt der Deals hängt dabei immer von der Stimmung auf den Aktienmärkten ab. Anfang des Monats hatte das Rüstungsunternehmen Renk seinen Börsengang mit Verweis auf die Lage an den Kapitalmärkten verschoben.
Die meisten Firmen wählen die Börse ihres Heimatlandes aus für einen IPO, doch immer wieder gibt es Ausnahmen, wie zuletzt etwa die deutsche Sandalenfirma Birkenstock, die in New York an die Börse gegangen war. Gerade wenn – wie bei Bentley Innomed – eine Vielzahl von relevanten Wettbewerbern an einer ausländischen Börse notiert sind, kann das den Ausschlag dafür geben, dort eine Notierung anzustreben.