Urlaub: Frühbucher versprechen DER Touristik Rückkehr in die schwarzen Zahlen
Der Reisekonzern DER Touristik rechnet angesichts einer kräftig gestiegenen Nachfrage auf dem deutschen Markt mit einem starken Jahr 2023/24.
Foto: dpaDüsseldorf. Für den Kölner Reiseveranstalter DER Touristik, eine 100-Prozent-Tochter des Supermarktkonzerns Rewe, kommen erstmals seit Langem wieder schwarze Zahlen in Sicht. Wie der zweitgrößte Reisekonzern Europas mit Marken wie Dertour, ITS und Meiers Weltreisen am Dienstag mitteilte, sei der Umsatz zum Vorjahr um stattliche 21 Prozent gewachsen.
2022 hatten die Kölner einen Erlös von 5,7 Milliarden Euro gemeldet, was einen Verlust von fünf Millionen Euro hinterließ. 2021 hatte der Geschäftseinbruch während der Coronakrise sogar zu einem Minus von 200 Millionen Euro geführt. Mehr als 2000 Mitarbeiter verließen nach einem Jobabbau bis 2021 das Unternehmen. Inzwischen stieg ihre Zahl wieder von 8000 auf 9200.
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Der Kölner Lebensmittelhändler nutzt die Reisetochter traditionell zum Ausgleich seiner Liquidität. So füllt DER Touristik insbesondere im Frühsommer durch Pauschalreise-Anzahlungen die Kasse der Kölner, die sie anschließend für den eigenen Wareneinkauf nutzen. Die Supermärkte wiederum genieren ihren größten Cash-Anteil im Weihnachtsgeschäft, das für Reiseunternehmen stets mit fehlenden Einnahmen verbunden ist.
Wegen der schlechten Performance fiel DER Touristik während der Coronakrise bei Rewe-Chef Lionel Souque in Ungnade. Sogar von Verkaufsabsichten war gerüchteweise die Rede. Die nun vorgelegten Zahlen dürften die Stellung der Reisetochter nun jedoch wieder festigen.
„Für den Sommer 2024 haben zu diesem Zeitpunkt dreimal so viele Gäste gebucht wie im vorherigen Jahr“, sagte Europachef Ingo Burmester. Und selbst für das laufende Wintergeschäft gebe es bei Spanien-Urlauben ein Plus von 53 Prozent, bei Fernreisen etwa nach Thailand sogar einen Zuwachs von 90 Prozent.
Rabatte kurbeln das Geschäft an
Angekurbelt wird das Geschäft allerdings mit kräftigen Frühbucherrabatten, die Burmester zufolge bis zu 60 Prozent ausmachen können. Zudem sorge eine Kooperation mit dem Hotelanbieter Booking.com für deutliche Zuwächse.
Gleichzeitig setzt DER Touristik auf den Vertrieb über das Reisebüro. „Dort werden inzwischen wieder 61 Prozent unserer Pauschalangebote gebucht“, berichtete DER-Europachef Burmester. Hier sei bei den Kunden eine höhere Zufriedenheitsquote nach Abschluss der Reise zu beobachten als im Onlinevertrieb.
Im Buchungsgeschäft hilft den Kölnern, dass die Preise nicht mehr ganz so rasant steigen wie im vergangenen Sommer. Drei bis fünf Prozent legten sie laut DER Touristik im kommenden Jahr zu. Zwar geht es für Spanien, die USA oder Thailand weiterhin zwischen acht und zehn Prozent nach oben, gleichzeitig aber dämpfen Billigangebote etwa in Tunesien oder Bulgarien den Preisauftrieb. Auch das verhältnismäßig günstige Geschäftsfeld „Glamping“ – Campingurlaube im Luxusgewand – hat DER Touristik ausgebaut.
Ob die Kölner durch ihre Umsatzzuwächse gleichzeitig Marktanteile gewinnen, wie Burmester am Dienstag ankündigte, ist dennoch fraglich. Dem Plus von 21 Prozent steht ein noch größeres Wachstum beim Marktführer Tui entgegen. Die Hannoveraner legten in den ersten neun Monaten ihres Geschäftsjahrs stattliche 36,5 Prozent zu.