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ÜberweisungsfehlerWie ein Comdirect-Kunde über Nacht zum Millionär wurde

Die Comdirect überwies einem Kunden 200 Millionen Euro - zu unrecht. Der Begünstigte schob sofort zehn Millionen Euro auf ein Sonderkonto. Für die Rückabwicklung sollte er Strafzinsen zahlen. Ein Gericht gab ihm Recht.dpa und Jens Hagen 03.05.2012 - 15:35 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Geldbündel: Falsche Überweisungen halten nur wenige Tage.

Foto: dpa

Der warme Regen kam an einem Donnerstagabend. Als der Kunde der Comdirect seinen Kontoauszug prüfen wollte, lagen mehr als 200 Millionen Euro auf seinem Konto. „Ein Systemfehler“, sagt eine Sprecherin der Direktbank. Beim Verkauf des Fondsdepots wurden statt 20,60 Euro mehr als 200.000 Euro pro Anteil überwiesen.

Die Direktbank wollte eigentlich einen Fehler in den technischen Systemen beheben – dabei ruinierten die Techniker die Kursbelieferung. „Eine Super-Sondersituation“, sagt die Cormdirect Sprecherin. „Man denkt das kann nicht passieren, passiert dann aber doch.“

Beim unverhofften Multimillionär sorgte die Geldflut für hektische Betriebsamkeit. Er überwies prompt 9.999.999,99 Euro auf ein anderes Konto. Mehr als siebenstellige Überweisungen lassen die Vorgabemasken der Comdirect nicht zu.

Wie der Kunde die Nacht verbracht hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Am nächsten Morgen gab es jedenfalls ein böses Erwachen. Die Direktbank buchte den Betrag wieder zurück. Die Rücküberweisung vom Fremdkonto dauerte einige Tage. Dafür verlangte die Comdirect knapp 12.000 Euro Zinsen für die geduldete Überziehung. Der Zins dafür beträgt stolze 14,4 Prozent.

Für den Mann aus Hessen gab es jetzt immerhin ein kleines Happy End. Seine Klage vor dem Landgericht Itzehoe hatte heute Erfolg. Der Friedberger erhält immerhin die knapp 12.000 Euro Überziehungszinsen zurück – und kann auch noch seinen Zinsverlust geltend machen. (LG Itzehoe; Az 7O266/11).

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Voraussetzung: Das Urteil hat Bestand. Ein Sprecher der Commerzbank-Tochter Comdirect kündigte unmittelbar nach dem Urteil an, die Onlinebank werde gegen die Entscheidung Einspruch einlegen. Der kurzzeitige Multimillionär sagte nach der Verhandlung, ihn habe das „zweifelhafte Vergnügen“, sich einen Tag als Multimillionär zu fühlen, nur Geld gekostet. „Besser wäre es gewesen, ich hätte damals gar nichts gemacht.“

Beide Parteien schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Der Kunde wirft seiner bank vor, sie wolle auf seine Kosten „ordentlich Profit“ machen. Er habe das Geld an einem Freitag keinen ganzen Tag auf seinem Privatkonto gehabt, trotzdem seien ihm Zinsen für das nachfolgende Wochenende berechnet worden. Ein Sprecher der Bank kontert: Der Kläger habe drei Tage lang über die zehn Millionen Euro
verfügt. „Menschen, die über Geld verfügen wollen, dass ihnen nicht gehört, müssen dafür üblicherweise Zinsen bezahlen: Das geht uns allen so“, so der Vertreter der Direktbank.

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