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BerufsunfähigkeitÜberschätzen Sie ihre Versicherung nicht!

Eine Versicherung gegen Berufsunfähigkeit ist nicht so unentbehrlich wie behauptet. In vielen Berufen ist das Risiko geringer als gedacht. Zudem ist die Police oft teuer. Wer sie braucht und wie man die richtige findet.Andreas Toller 01.12.2012 - 09:29 Uhr Quelle: WirtschaftsWoche OnlineArtikel anhören

Eine Patientin, die erschöpft ist und nicht mehr arbeiten kann. Zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung? Wahrscheinlich nicht!

Foto: dpa

Düsseldorf. Derzeit trommeln die Versicherer wieder für ihren Schutz vor Berufsunfähigkeit – und zwar mit Blick auf die künftigen Unisex-Tarife. Die Umstellung auf die neuen Einheitstarife, die keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Geschlechtern machen dürfen, erfolgt kurz vor Weihnachten aufgrund von Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs.

Der hatte unterschiedliche Versicherungsbeiträge für Männer und Frauen 2011 für unzulässig erklärt.

Und mit den Unisex-Tarifen wird es für Männer aller Voraussicht nach teurer. Das nutzen Versicherungen und ihre Vermittler werbewirksam für eine Art Schlussverkauf beim Schutz vor Berufsunfähigkeit (BU). Berufsunfähigkeitsversicherungen versprechen dem Beitragszahler eine monatliche Rente, wenn er seinen Beruf für einen längeren Zeitraum oder dauerhaft nicht mehr ausüben kann.

Beim Finanz- und Vermögensberater MLP hat man in der Konzernzentrale Hochrechnungen zu den kommenden Beitragserhöhungen von rund 30 Versicherern anlässlich der neuen Unisex-Tarife angestellt. Laut Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge bei MLP, werden auf männliche Versicherungskunden, die nach dem 21. Dezember 2012 eine BU-Police abschließen wollen, Beitragserhöhungen zukommen.

„Bei den einzelnen Versicherern wird es weiterhin Unterschiede bei den Versicherungsprämien geben. Aber im Mittel müssen Männer im Alter von 30 bis 45 Jahren bei einem Abschluss nach dem 21. Dezember mit einem Aufschlag von acht bis zehn Prozent rechnen.“ Für Frauen wird es den MLP-Zahlen zufolge wohl im Gegenzug zu Preisnachlässen um die zwei Prozent kommen.

Für viele Arbeitnehmer stellt sich also erneut die Frage, ob nun der richtige Zeitpunkt zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung gekommen ist. Denn die Fähigkeit zu verlieren, den eigenen Beruf weiter auszuüben, gilt als existenzielles Risiko.

Schließlich ist mit Berufsunfähigkeit die Angst vor massiven Einkommensverlusten und Altersarmut verbunden. Nach einer Umfrage des F.A.Z.-Instituts fürchten 61 Prozent der Berufstätigen in diesem Zusammenhang um die Aufrechterhaltung ihres Lebensstandards.

Die fünf gefährdeten Berufe
52 Prozent aller Gerüstbauer werden vor Eintritt ins Rentenalter arbeitsunfähig.
Auch Dachdecker sind überdurchschnittlich gefährdet - 51 Prozent von ihnen sind vor Rentenbeginn erwerbsunfähig.
Die Hälfte aller Bergleute können nicht bis zum Rentenalter arbeiten.
Auch der Beruf des Pflasterers bleibt nicht ohne folgen. 42 Prozent sind vor der Rente erwerbsunfähig.
Fleisch- und Wurstwarenhersteller sind ebenfalls betroffen - 42 Prozent von ihnen werden vor dem Rentenalter erwerbsunfähig.

Zahlen, die zu den Risiken kursieren, schüren diese Angst. Den Studien zufolge, die in der Versicherungswirtschaft gerne zitiert werden, beträgt das Risiko, durch Krankheit oder Unfall berufsunfähig zu werden, bei Männern 43 Prozent.

Bei Frauen lautet die Prognose, dass mehr als jede Dritte ihren Beruf vor Rentenbeginn nicht mehr wird ausüben können. Anderen Statistiken zufolge wird jeder vierte Berufstätige in seinem Arbeitsleben einmal berufsunfähig. Die hohen Quoten alarmieren.

Aber Zweifel sind durchaus angebracht. „Ein Berufsunfähigkeitsrisiko von 40 Prozent und mehr haut überhaupt nicht hin – schon allein, weil die besonders riskanten Berufe immer seltener werden. Kopfarbeiter mit deutlich niedrigeren Risiken sind hingegen auf dem Vormarsch“, sagt etwa Géza Huber, BU-Experte beim Bund der Versicherten.

Er rät Berufstätigen, die mit einer BU-Police liebäugeln, diese Entscheidung nicht aufgrund von pauschalen Wahrscheinlichkeiten zu treffen. Denn in der Tat fällt das Risiko, berufsunfähig zu werden, je nach Art der Tätigkeit sehr unterschiedlich aus. So werden etwa 52 Prozent der Gerüstbauer im Laufe ihres Arbeitslebens berufsunfähig.

Bei Dachdeckern sind es 51 Prozent, bei Pflasterern 42 Prozent und selbst bei Krankenschwestern immer noch 38 Prozent. Zu den Berufen mit den geringsten Risiken gehören hingegen Physiker, Ärzte, Maschinenbau-Ingenieure, Rechtsanwälte oder Architekten. Ihr Risiko liegt nur zwischen 3,5 und sieben Prozent. „Die gefährdetsten Berufe sind die, deren Beschäftigungszahlen sinken“, sagt Huber.

Die fünf ungefährdeten Berufe
Nur vier Prozent der Physiker müssen ihren Beruf wegen Erwerbsunfähigkeit vor dem Rentenalter beenden.
Auch bei den Ärzten sind vier Prozent von der Berufsunfähigkeit betroffen.
Fünf Prozent der Maschinenbauingenieure melden sich vor Beginn des Rentenalters als erwerbsunfähig.
Durchschnittlich fünf Prozent der Chemiker werden vor Beginn des Rentenalters berufsunfähig.
Bei den Fertigungsingenieuren melden sich fünf Prozent vor Beginn des Rentenalters bewerbsunfähig.

Aber noch mehr Argumente sprechen dagegen, dass der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung für jeden dringend zu empfehlen sei. Denn was in der Diskussion über das hohe Risiko nur allzu gerne ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass die meisten Betroffenen nur vorübergehend berufsunfähig sind.

Versicherung gegen Berufsunfähigkeit

Teuer, lückenhaft und undurchsichtig

„Im Durchschnitt dauert eine Berufsunfähigkeit drei Jahre“, so Huber vom Bund der Versicherten. Auch das ist zwar nur eine statistische Größe, die den dauerhaft Berufsunfähigen nicht tröstet. Allerdings sollten potenzielle Versicherungsnehmer wissen, dass die Mehrheit der Versicherer eine BU-Rente überhaupt erst zahlen, wenn der Versicherte aller Voraussicht nach mindestens drei Jahre lang seinen Beruf nicht ausüben kann.

Für Versicherte hängt das Für und Wider einer BU-Versicherung vor allem von der individuellen Kosten-Nutzen-Relation ab. Obwohl die Versicherungsbedingungen bei Berufsunfähigkeitsversicherungen in den vergangenen Jahren insgesamt verbessert wurden, gibt es laut Michelsen von MLP doch noch einige wichtige Qualitätsunterschiede.

„Einige Tarife enthalten zum Beispiel die Option auf eine jährliche Steigerung der Rente im BU-Fall von drei Prozent, oder die Arztprognose zur Berufsunfähigkeit muss sich nur auf sechs Monate beziehen statt auf drei Jahre“, so Michelsen. Auch die vorübergehende Aussetzung der monatlichen Beiträge sei in einigen Tarifen möglich, ohne dass der Versicherungsschutz dauerhaft verloren gehe.

Ob ein potenzieller Versicherungsnehmer einen persönlichen Nutzen im BU-Schutz erkennt, hängt nicht zuletzt von der individuellen Lebenssituation, den veranschlagten monatlichen Ausgaben für die Police und vom Leistungsumfang des Versicherungstarifs ab.

Denn ein Berufstätiger in den Mittvierzigern, der als Alleinverdiener eine Familie ernährt und die Raten für das Häuschen abstottert, kommt im Falle eines dauerhaften Verdienstausfalls viel schneller in die Bredouille, als der 30-jährige Single.

Eine BU-Police ist ein reiner Risikoschutz. Ein Kapitalstock für den Versicherten wird nicht gebildet, die Beiträge dienen der gesamten Versichertengemeinschaft.

Aufstieg und Fall der lohnabhängigen Rente
Mit der Rentenreform von 1957 leitete die Regierung Adenauer einen epochalen Wandel in der Altersversorgung ein. Sie koppelte die Renten an die Entwicklung der Bruttolöhne und beteiligte so die Rentner am Wirtschaftswunder. Mit einem angestrebten Versorgungsniveau von 69 bis 72 Prozent des letzten Nettoeinkommens reichte die gesetzliche Rente in Deutschland erstmals, um den Lebensstandard im Alter zu sichern.
Die Wirtschaftswunderjahre und Mehreinnahmen durch eine Anhebung des Rentenbeitrags von 14 auf 18 Prozent verleiteten die sozialliberale Koalition im Vorwahlkampf 1972 zu teuren Geschenken an die Rentner, die die Rentenausgaben in kürzester Zeit um die Hälfte steigerten. Sie erlaubte Selbstständigen, sich für wenig Geld in die Rentenversicherung einzukaufen. Folgenschwerer war die Einführung der flexiblen Altersgrenze mit 63 und der Frührente für Arbeitslose mit 60 Jahren. Denn sie führte zu den umfassenden Vorruhestandsprogrammen der 80er-Jahre, von denen vor allem die großen Konzerne profitierten. Ohne den Vorruhestand hätte der Rentenbeitrag in den 90er-Jahren rund acht Prozentpunkte niedriger liegen können, sagt der damalige Chef des Verbands der Rentenversicherungsträger, Franz Ruland.
Die teure Reform und schlechte Konjunkturdaten erzwangen bereits 1977 das erste von zahllosen Konsolidierungsgesetzen. Rentenanpassungen wurden verschoben, Rentenerhöhungen gekappt. Seit 1981 zahlen die Rentner den Arbeitnehmeranteil ihres Krankenkassenbeitrags selbst. Binnen weniger Jahre sank so das Nettorentenniveau von 72,6 auf 64,7 Prozent nach 40 Versicherungsjahren.
Am stärksten griff die Regierung in die Rentenanwartschaften von Akademikern ein: Die rentensteigernde Berücksichtigung von Schule und Studium wurde mehrfach beschnitten. Zunächst wurden 13 Ausbildungsjahre bei der Rentenberechnung so berücksichtigt, als hätte der Versicherte in dieser Zeit sein persönliches Durchschnittsentgelt verdient. Ab 1977 waren es nur noch 90 Prozent des Durchschnittsentgelts.
Mit ihr reagierte die Politik 1992 auf den demografischen Wandel. Die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung untergräbt den Generationenvertrag, demzufolge immer die aktive Generation die Renten der vorigen Generation bezahlt. Doch wenn jede Generation kleiner ist als die vorige, dann funktioniert das nicht mehr. Kern der Reform war der Übergang von der brutto- zur nettolohnbezogenen Rentenanpassung. Versorgungsziel ist eine Nettorente von 70 Prozent nach 45 statt zuvor 40 Versicherungsjahren. Frührentner müssen erstmals Abschläge hinnehmen.
Mit dem ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der IG Metall, Walter Riester, war es ausgerechnet ein Gewerkschafter, der Ende der 90er-Jahre nach fast einem Jahrzehnt politischer Debatte aus der lebensstandardsichernden Rente eine Basisabsicherung machte. 2001 wurden als staatlich geförderte Zusatzversorgung Riester- und Rürup-Rente sowie der Anspruch der Arbeitnehmer auf Umwandlung eines Teils ihres Entgelts in eine Betriebsrente eingeführt. Im Gegenzug wurde das Rentenniveau schrittweise über den sogenannten Riester-Faktor abgesenkt.
Die endgültige Entkopplung der Renten von den Löhnen folgte wenig später mit dem Nachhaltigkeitsfaktor. Er ging auf einen Vorschlag des ehemaligen Chefs der Wirtschaftsweisen, Bert Rürup, zurück. Mit seiner Hilfe wird der Rentenzuwachs zusätzlich in dem Maße gedämpft, in dem sich die Relation von Beitragszahlern zu Rentnern verschlechtert. Damit sinkt das Rentenniveau und die Versorgungslücke wächst auch für Menschen mit Einkommen unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze. Bis 2030 soll nach diesem Konzept die Rente des Durchschnittsverdieners nach 45 Versicherungsjahren auf 43 Prozent des letzten Nettoeinkommens sinken. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hat errechnet, dass sie 2035 unter 40 Prozent sinkt.
Seit 2005 wird diese schrumpfende Nettorente auch noch besteuert. Waren Renten bis 2005 quasi steuerfrei, so steigt seither der zu versteuernde Ertragsanteil schrittweise bis 2040 von 50 auf 100 Prozent. Im Gegenzug werden die früher aus versteuertem Einkommen gezahlten Arbeitnehmerbeiträge schrittweise steuerfrei gestellt. Die Rentensteuer ist Teil einer umfassenden Reform der Besteuerung der Alterseinkommen, die das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber vorgeschrieben hat. Seither gilt für alle Formen der Altersversorgung die nachgelagerte Besteuerung.

Die Höhe der monatlichen Prämie hängt dabei von vielen Faktoren ab: der Höhe der angestrebten BU-Rente, dem Alter und den gesundheitlichen Risiken des Versicherungsnehmers sowie den Leistungsmerkmalen des Tarifs. Zudem kalkulieren die Versicherungen die Beitragshöhe auch nach den Schadensfallwahrscheinlichkeiten all ihrer Kunden.

Versicherungen, die vor allem Akademiker oder kaufmännische Berufe versichern, können Kostenvorteile in Form günstigerer Tarife an neue Versicherte weitergeben. Sind viele der besonders gefährdeten handwerklichen Berufe in der Versichertengemeinschaft, wird es für die Assekuranz teuer.

„Die Bedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherungen sind im Wesentlichen festgeschrieben. Der Wettbewerb der Versicherer findet hier weniger über die Leistungen, sondern mehr über den Preis statt", resümiert Huber vom Bund der Versicherten.

Hinzu kommt, dass längst nicht jeder, der sie braucht, auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommt. Wer in die Gruppe mit hohem BU-Risiko fällt und vielleicht auch schon Vorerkrankungen angeben muss, erhält unter Umständen eine Ablehnung von der Versicherung.

Untersuchungen haben ergeben, dass zwischen einem Viertel und einem Drittel der Anträge auf BU-Schutz von den Versicherungskonzernen abgelehnt werden. „Den Berufsunfähigkeitsschutz aus der gesetzlichen Rentenversicherung herauszunehmen war ein Fehler.

Was Verkäufer in der Finanzbranche verdienen
Die folgenden Euro-Beträge für verschiedene Produkte von Versicherungen, Banken, Bausparkassen und Fonds wurden anhand üblicher Provisionssätze und marktgängiger Anlagesummen berechnet. Die Rangliste liefert einen Anhaltspunkt über die Bedeutung der jeweiligen Provisionsart für Vermittler. Quelle: www.monero.de, Vermittler, Finanzunternehmen, eigene Berechnungen
Sachversicherung11,25 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Haftpflichtversicherung
Sachversicherung   45 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Hausratversicherung
Krankenzusatzversicherung90 Euro für eine Zahnzusatzversicherung
Sachversicherung200 Euro für einen Fünf-Jahresvertrag in der Hausratversicherung
Bausparvertrag325 Euro für einen Vertrag mit einer Bausparsumme von 25.000 Euro
Fondsanlage450 Euro für ein Investment mit einer Anlagesumme von 10.000 Euro
Lebensversicherung 1440 Euro für einen Vertrag mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro, Laufzeit 30 Jahre
Immobilienfinanzierung1500 Euro für einen Vertrag mit einer Kreditsumme von 200.000 Euro
Krankenversicherung2100 Euro für eine PKV-Vollversicherung mit einem Monatsbeitrag von 350 Euro
Unternehmerische Beteiligungen3000 Euro für einen geschlossenen Fonds mit einer Anlagesumme von 30.000 Euro

Damit hat der Bund das Solidaritätsprinzip aufgekündigt. Heute sehen wir, dass viele Versicherte durch das Raster fallen, etwa weil sie einen riskanten Beruf ausüben, aber keine Versicherung zu tragbaren Konditionen bekommen“, bemängelt Huber.

In vielen anderen Fällen ist der BU-Schutz einfach teuer. Wer wie von vielen Beratern empfohlen 70 bis 80 Prozent seines bisherigen Nettoeinkommens im Fall der Fälle als BU-Rente beziehen will, gesundheitliche Vorbelastungen hat und gut verdient, zahlt monatlich schnell einen dreistelligen Betrag für seinen BU-Schutz - und bekommt, wenn alles gut geht und keine Berufsunfähigkeit eintritt, nichts.

So denken die Deutschen über Versicherungsbetrüger
Jeder fünfte Deutsche sieht im Versicherungsbetrug nur ein Kavaliersdelikt, das jeder einmal begeht. Verglichen mit Falschparken, wiegt Versicherungsbetrug juristisch schwerer. Nachgewiesener Versicherungsbetrug ist eine Straftat, Falschparken nur eine Ordnungswidrigkeit.Quelle: GDV
Zwölf Prozent der Haushalte geben zu, schon einmal auf einen Versicherungsbetrug in den letzten fünf Jahren angesprochen worden zu sein. Die Ansprache findet in erster Linie durch Bekannte und Verwandte statt.
Vier Prozent der Haushalte geben offen zu, in den letzten fünf Jahren Versicherungsbetrug begangen zu haben. Weitere sieben Prozent geben an, in ihrem unmittelbaren Umfeld bereits von einem Betrug erfahren zu haben.
Immerhin 11 Prozent der Befragten wollen sich nicht äußern, ob sie in den vergangenen fünf Jahren einen Versicherungsbetrug begangen haben. Diese so genannte Grauzone ist erheblich.
78 Prozent der Befragten geben an, nichts mit Versicherungsbetrug zu tun zu haben.
Etwa drei Viertel der Befragten, die angeben, schon eine Versicherung betrogen zu haben, sagen, dass sie den Versicherungsbetrug unterlassen hätten, wenn ihnen die Konsequenzen deutlicher gewesen wären.
Nur jeder vierte Befragte rechnet im Fall eines Versicherungsbetrugs mit einer Anzeige oder der Kündigung des Vertrages. Gleichwohl: Die Befürchtung, für einen „kleinen“ Versicherungsbetrug bestraft zu werden, ist relativ hoch.

Aber selbst, wenn der schlimmste Schadenfall eintritt und der Versicherte bereits in vergleichsweise jungen Jahren bis zur Rente seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, ist der Bezug der Versicherungsleistung in voller Höhe noch keine ausgemachte Sache.

„Die Leistung aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung abzurufen, stellt in der Tat ein gewichtiges Problem dar. Die Schadensquoten der Versicherer sind sehr niedrig", konstatiert Huber. Nach Angaben des Branchendienstes Map-Report wurde 2011 bei jedem 300sten Vertrag im Bestand der Versicherungen ein Antrag auf eine BU-Rente gestellt, aber nur für jeden 400sten Vertrag bewilligt.

Gierige Vertreter

Wie sich Finanzberater scharf machen

Die häufigsten Gründe für eine Verweigerung der Versicherungsleistung sind Falschangaben bei den Gesundheitsfragen beim Abschluss der Police (23 Prozent der Fälle), eine Berufsunfähigkeit unterhalb der Hürde von 50 Prozent (28 Prozent der Fälle) sowie die fehlende Rückmeldung des Versicherten nach Zusendung der Antragsformulare (32 Prozent der Fälle).

Im letzten Beispiel vermutet der Bund der Versicherten eine Überforderung der Versicherungsnehmer angesichts des 20-seitigen Formularstapels. Eine neutrale Beratungsstelle, wie es sie etwa für Patienten gibt, fehlt im Bereich der Berufsunfähigkeit bislang.

Ohne fachkundige Beratung sind die Versicherungsbedingungen der BU-Policen kaum zu verstehen. Und die haben trotz all ihrer Standardbedingen durchaus ihre Tücken.

So lassen sich Versicherer betrügen
Beschädigte Brillen gehören zu den häufigsten Schadenmeldungen in der privaten Haftpflichtversicherung. Der Schadenhergang wird oft falsch dargestellt, um eine Versicherungsleistung zu erreichen.
Neu gegen alt: Kommt eine neue Gerätegeneration auf den Markt, steigt die Zahl beschädigt gemeldeter Altgeräte auffällig. Die Haftpflichtversicherung anderer soll einspringen, um so zu einem neuen iPhone zu kommen.
Beschädigte Laptops: Etwa 36 Prozent aller gemeldeter Laptopschäden sind Betrugsversuche. Weitere neun Prozent der Kunden verzichten auf die Schadenregulierung, nachdem die Versicherungsgesellschaft um Zusendung des defekten Gerätes zur Begutachtung gebeten hat.
Gekracht: Nicht jeder Unfall passiert ungewollt. Mehr als 10 Prozent der Autounfälle sind nach den Erfahrungen der Versicherer vorgetäuscht – oder werden zumindest überteuert beim Kfz-Versicherer abgerechnet.
Vor der Fußballweltmeisterschaft 2006 wurden plötzlich mehr defekte Fernseher als üblich gemeldet. Als Ursache wurde oft ein Blitzschlag genannt. Mit einem fingierten Schadenfall wollten viele Kunden das neue Gerät zur WM finanzieren.
Ein Schaden wird etwas höher dargestellt. Auch völlig überzogene Handwerkerrechnungen für Schäden sind keine Seltenheit. Wenn dann im jeweiligen Betrieb genauer nachgefragt wird, hören die Versicherer oftmals, dass es einen Fehler in der Buchhaltung gegeben habe.

So sollten Neukunden etwa darauf achten, dass die Versicherung auch rückwirkend Leistungen gewährt und zudem auf den sogenannten abstrakten Verweis verzichtet. Sonst kann die Versicherung die BU-Rente verweigern und den Antragsteller auf einen neuen Beruf verweisen.

Der abstrakte Verweis ist allerdings nur noch selten in den Versicherungsbedingungen zu finden. Auch sollte eine BU-Police wie erwähnt bereits zahlen, wenn der Versicherte laut Arztprognose nur sechs Monate lang berufsunfähig wird.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung überschneidet sich auch mit anderen Versicherungen, die viele Angestellte bereits haben. Die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung etwa zahlt, wenn der Beitragszahler gar nicht mehr oder nur noch stundenweise arbeiten kann.

Damit es zu einer Auszahlung im Schadenfall kommt, sind allerdings hohe Anforderungen zu erfüllen. Im Zweifel verweist die Rentenversicherung auf andere Berufe, die der Beitragszahler noch ausüben kann und zahlt gar nicht.

Da außerdem die gezahlten Renten vergleichsweise niedrig sind, taugt die Erwerbsminderungsrente nur sehr bedingt als Alternative. „Die Voraussetzungen für den Bezug einer Erwerbsminderungsrente stellen hohe Hürden dar. Darauf sollten sich Versicherte nicht allein verlassen“, empfiehlt BU-Experte Huber.

Auch eine eventuell vorhandene Unfallversicherung springt ein, wenn jemand nach einem Unfall berufsunfähig wird. Allerdings passiert das nur in zehn Prozent der Fälle. Weit häufiger sind inzwischen psychische Erkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Leiden.

Da viele Versicherer den Berufsunfähigkeitsschutz auch in Kombination mit einer Altersvorsorge wie der Rürup-Rente verknüpfen, lassen sich die BU-Beiträge auch in gewissem Maß von der Steuer als Vorsorgeaufwendungen absetzen.

Allerdings plant der Gesetzgeber, die BU-Versicherung generell steuerlich absetzbar zu machen. Zwar gibt es erst einen Gesetzentwurf mit einigen Ungereimtheiten, aber das Steuerargument für Kombiprodukte dürfte früher oder später in den Hintergrund treten.

„Kombiprodukte mit der Basisrente bieten nicht nur einen Steuervorteil, auch ist der Berufsunfähigkeitsschutz hier rund zehn Prozent günstiger zu haben, als bei einer reinen BU-Versicherung“, sagt MLP-Managerin Michelsen.

Wann also ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll? Versicherungsnehmer sollten sich der Nachteile und Unzulänglichkeiten der BU-Versicherung bewusst sein. Wer aber ohne BU-Schutz nicht ruhig schlafen kann, sollte sich genau überlegen, welche Risiken seine Lebenssituation birgt und wie viel Schutz er wirklich braucht.

Je jünger und gesünder ein Versicherter ist, umso niedriger ist der dauerhaft gleichbleibende monatliche Beitrag. Allerdings ist dann die berufliche Zukunft auch weniger absehbar. Wer sich früh für eine BU-Versicherung entscheidet, sollte also Wert darauf legen, dass das Vertragswerk flexibel genug auf Job- und Berufswechsel sowie vorübergehende Arbeitslosigkeit reagiert.

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Von Angebotspreisen oder Steuervorteilen sollte sich jedoch kein Beschäftigter dazu hinreißen lassen, sich womöglich auf Jahrzehnte an eine Versicherung mit hohen Monatsbeiträgen zu binden. Der Schritt in die BU-Versicherung will gut abgewägt werden und sollte erst erfolgen, wenn etwa Haftpflichtrisiken bereits hinreichend abgesichert sind.

Die Preisunterschiede vor und nach Einführung der Unisex-Tarife taugen deshalb nicht als Argument für eine Berufsunfähigkeitsversicherung - weder für Männer, noch für Frauen.

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