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BundespräsidentGauck erwartet von Brasilien offeneren Handel

Bundespräsident Joachim Gauck hat die brasilianische Regierung aufgefordert seine Märkte weiter zu öffnen. Brasiliens Staatspräsidentin Rousseff lenkte die Aufmerksamkeit dagegen auf Staatsschulden. 14.05.2013 - 08:28 Uhr Artikel anhören

Bundespräsident Joachim Gauck betonte die gemeinsamen Werte Brasiliens und Deutschlands.

Foto: ap

São Paulo. Bundespräsident Joachim Gauck hat Brasilien aufgefordert, seine Märkte weiter zu öffnen. Gauck sagte am Montag in São Paulo zum Auftakt der deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage, brasilianische Unternehmen, die sich in Europa engagierten, profitierten von offenen Märkten. Er wolle hier, in Brasilien, dazu ermutigen, ebenfalls „die Bedingungen für freien Handel und Austausch weiter zu verbessern“.

Gauck sagte im Beisein von Präsidentin Dilma Rousseff weiter, wenn es Brasilien gelinge, weitere Wachstums- und Wohlstandbarrieren aus dem Weg zu räumen, dann werde die Bedeutung Brasiliens für die Weltwirtschaft noch weiter wachsen. Gauck machte deutlich, dass Deutschland umgekehrt Brasilien bei seinen Ambitionen in den internationalen Organisationen unterstützen wolle - etwa beim Bemühen um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat.

Rousseff verwies selbstbewusst auf die Reduzierung der Staatsschulden von 64 auf 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - „wo wir doch weltweit eine hohe Verschuldung sehen“. Dabei hatte sie wohl vor allem die USA und Europa vor Augen.

Brasiliens Wirtschaft auf einen Blick
Brasilien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2,24 Billionen (Angaben für 2013) US-Dollar die siebgrößte Volkswirtschaft der Welt.
203 Millionen
Wichtigste Exportgüter Brasiliens sind Rohstoffe (Eisenerz, Kupfer, Öl) und landwirtschaftliche Erzeugnisse (Sojabohnen,  Kaffee, Zucker).
Aus dem Ausland führt das Land vor allem Autos und Autoteile sowie Maschinen ein.
2013 lag das Defizit im brasilianischen Staatshaushalt bei 3,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Gesamtverschuldung liegt bei 66  Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie bei etwa 80 Prozent.

Zugleich lockte sie ausländische Unternehmen mit Investitionsvorhaben in einem Gesamtvolumen von rund 230 Milliarden US-Dollar. 50 Prozent davon gingen in die Infrastruktur wie Logistik, Schienen, Häfen und Flughäfen. Auch stünden Investitionen von 80 Milliarden US-Dollar in neue Erdölförderung an.

Von deutscher Regierungsseite werden Zollbeschränkungen, Bevorzugung brasilianischer Unternehmen, Widerstand Brasiliens bei einem Doppelbesteuerungsabkommen sowie überbordende brasilianische Bürokratie moniert.

Deutschland und Brasilien sollten von einander lernen und gemeinsam wachsen, so wie es in einer guten Partnerschaft sein sollte. „Das Fundament dafür ist unsere Wertegemeinschaft“, sagte der Bundespräsident wiederholt.

Brasilien - Stromquellen
Brasilien ist nach China der zweitgrößte Wasserkraft-Produzent der Welt. Der Anteil an der Stromerzeugung lag 2010 bei  79 Prozent. Allerdings wird es zunehmend schwierig, weitere Quellen zu nutzen. Potential gibt es noch im Amazonasgebiet. In Belo Monte entsteht grade das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Umweltschützer warnen vor einem massiven Eingriff in das Ökosystem des Amazonas.
Vor der Küste Brasiliens wurden in den vergangenen Jahren große Öl- und Gasvorkommen entdeckt. Sie könnten so groß sein wie  die gesamten Vorkommen in der Nordsee. Bei der Stromerzeugung haben Öl und Gas allerdings den Nachteil, dass sie relativ teuer sind. Thermische Kraftwerke mit Öl- und Gas werden deshalb in der Regel nur in der Trockenzeit angefahren. 2010 trugen Öl und Gas 12 Prozent zur Stromerzeugung Brasiliens bei.
Als größter Produzent von Ethanol aus Zuckerrohr hat Brasilien großes Potential bei der Biomasse.  Die Hektarerträge beim Zuckerrohr sind fast doppelt so hoch wie bei Mais. 2010 trug die Biomasse vier Prozent zur Stromerzeugung bei. Bis 2020 sollen es fünf Prozent sein.
Im Vergleich zu anderen Schwellenländern wie China spielt die Atomkraft nur eine geringe Rolle. Der Atomstrom aus den beiden Reaktoren Angra 1 und Angra 2 trägt zwischen zwei und drei Prozent zur brasilianischen Stromerzeugung bei. Bis 2016 soll der Reaktor Angra 3 ans Netz gehen. Der Vorteil der Atomkraft liegt darin, dass sie eine stabile Grundlast an Strom liefert.
2011 investierten die brasilianischen Stromversoger etwa  1,5 Milliarden Euro in die Windkraft - ein Zuwachs von 265 Prozent gegenüber dem Vorjahr.  Der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung ist aber noch sehr klein. 2010 lag er bei nur einem Prozent.
Bislang kaum vorhanden ist die Solarkraft. Dabei scheint die Sonne in Brasilien häufiger als in Deutschland. Auf den Dächern einiger WM-Stadien werden Solarzellen installiert.  Die Technik hat aber bisher nicht den Durchbruch geschafft.

Die beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen, die eine lange Tradition haben, sind derzeit eingetrübt. Der Besuch Gaucks zum Auftakt des Deutschlandjahres und der 31. deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage in der Elf-Millionen-Metropole São Paulo soll den Beziehungen neuen Schwung geben und die Bedeutung der siebtgrößten Volkswirtschaft für Deutschland unterstreichen - zumal Brasilien gerade dabei ist, auch England und Frankreich zu überholen.

Die rund 1300 vor allem im Großraum São Paulo ansässigen deutschen Firmen - der größte Wirtschaftsstandort außerhalb Deutschlands - sind ein wesentlicher Faktor der brasilianischen Wirtschaft. Brasilien ist zudem Deutschlands größter Handelspartner in Lateinamerika.

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Konzerne wie Siemens, Bayer, ThyssenKrupp, VW, MAN und Mercedes (LKW) sind zum Teil schon seit vielen Jahrzehnten in Brasilien am Markt. BMW plant im Süden des Landes sein erstes Auto-Montagewerk mit einer Kapazität von rund 30 000 Fahrzeugen pro Jahr, und auch Audi erwägt eine eigene Produktion.

Am Abend (Ortszeit) wollte der Bundespräsident das Deutschlandjahr in Brasilien eröffnen, das unter dem Titel „Deutschland + Brasilien 2013-2014“ steht. Es soll ein umfassendes und aktuelles Bild von Deutschland zeigen. Gauck, der zuvor in Kolumbien war, bleibt bis Dienstag in São Paulo und fliegt dann weiter nach Rio de Janeiro.

dpa
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