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Bilster Berg - Die „kleine Nordschleife“„Unsere Kernkompetenz heißt Asphalt“

Das Bilster Berg Drive Resort ist ein einmaliges Unternehmen. Mitten in Deutschland entstand auf dem Gelände eines Munitionsdepots eine Rennstrecke, die der Nordschleife des Nürburgrings kaum nachsteht.Carl Christian Jancke 31.05.2013 - 11:06 Uhr Artikel anhören

Das Bilster Berg Drive Resort wird am 1. Juni 2013 feierlich eröffnet. Die Natur-Rennstrecke in Ostwestfalen soll Kunden die Möglichkeit zu geben, ihre Fahrzeuge auf der Rennstrecke zu testen, Veranstaltungen auszurichten und Präsentationen durchzuführen. In begrenztem Rahmen wird auch Motorsport möglich sein.

Foto: PR

Bad Driburg. Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff ist passionierter Motorsportler. Mit seinem Jaguar E-Type hat er die klassischen Rennstrecken dieser Welt kennengelernt. Und kam dabei auf die Idee, für Gleichgesinnte quasi vor der eigenen Haustür eine eigene Rennstrecke zu bauen. Eine Schnapsidee im überregulierten Deutschland? Man denke nur mal an die Umweltauflagen und das finanzielle Risiko, das auch dem altehrwürdigen Nürburgring so sehr zu schaffen macht.

Doch wenn das Bilster Berg Drive Resort am 1. Juni 2013 offiziell und mit rund 1.000 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik, und Autoindustrie feierlich eröffnet wird, dann ist das Gelingen des Projekts auf dem Gelände eines ehemaligen ostwestfälischen Munitionsdepots schon bewiesen: Der Bau einer reinrassigen Rennstrecke ist nicht nur möglich, sondern kann sogar profitabel sein.

Privat geht eben doch vor Staat. 34 Millionen Euro Kapital wurden völlig bankenunabhängig eingesammelt, nur so konnte die 4,2 km lange Strecke mit sagenhaften 70 Meter Höhenunterschied entstehen, die 19 Kurven und 44 Kuppen und Wannen aufweist. Auf einer kompletten Runde sind über 200 Höhenmeter zu bewältigen.

“Wichtig war mir eine sehr selektive Streckenführung” sagt Oeynhausen, der für die Planung den Rennstreckenpapst Hermann Tilke engagierte. Tilke zeichnet für nahezu alle Formel 1-Pisten verantwortlich, die in den vergangenen Jahren gebaut wurden. Schließlich sollen nicht nur Testwagen der Industrie und Kunden von Automobilkonzernen mit Sportwagen hier ihre Runden drehen.

Das Geschäftsmodell des Grafen gleicht dem eines Golf-Clubs. Das erforderliche Fremdkapital sammelte für ihn seit 2009 die Düsseldorfer DomiZiel GmbH ein, bevorzugt bei Investoren mit Benzin im Blut ein, die sein Hobby teilen. Rund 170 autobegeisterte private Geldgeber investierten so auf Basis eines Fonds-Konzepts jeweils mindestens 100.000 Euro und sind nun Miteigentümer.

Als Gesellschafter am Bilster Berg kann man einen zur Garage umgebauten Munitionsbunker mieten, um seine eigenen automobilen Schätze sicher zu lagern. Ab und zu kommt man vorbei, um auf der Naturstrecke ungestört von Starenkästen und Radarfallen seine Runden zu drehen. Leider kann der geschäftstüchtige Kreis Höxter durch das Aufstellen solcher Anlagen im Umkreis des Drive Resorts den Anreisenden eine allzu rasante An- oder Abfahrt kräftig versalzen.

 

Ein großer Posten des Investitionsbudgets wurde von den Anwälten und den Beratern verschlungen. Schon alleine die Beantragung der Genehmigung forderte juristischen Sachverstand. Und einige “Nachbarn” ließen es sich nicht nehmen, alle gerichtlichen Instanzen auszuschöpfen. Doch Oeynhausen ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Schritt für Schritt brachte er das Projekt voran. Dabei wurde nach eigener Angabe kein einziger Euro Subvention beantragt. Er wollte sich nicht vorwerfen lassen, Steuergelder zu beanspruchen.

Die Premierenfahrt fand mit einem Porsche Cayenne bereits 2012 statt. Zwischen Baggern und Bauzäunen steuerte der Graf den SUV ambitioniert in Renngeschwindigkeit noch über die unasphaltierte Strecke und legte bereits eine passable Rundenzeit hin.

Neben der Rennstrecke gibt es auch einen ausgedehnten Offroad-Parcours. Die verschiedenen Strecken sind nach Schwierigkeitsgrad wie Skipisten in Rot, Schwarz und Blau unterteilt. Waschplätze, Werkstätten und eine Tankstelle sorgen dafür, dass niemand das Gelände verlassen muss, um die Fahrzeuge in einem ansehnlichen Zustand zu lassen.

Foto: PR

Erst als im April Profis die Strecke unter die Räder nahmen, war er sich seiner Sache endgültig sicher. Denn die eingeladene Rennfahrer-Elite kam samt und sonders mit einem breiten Grinsen von der mit besonders schonendem Asphalt versehenen Piste zurück. Die hatte ihren Spitznamen schnell weg: Als "kleine Nordschleife" firmiert sie, weil das Streckenprofil sehr an den Verlauf des legendären Bestandteils des Nürburgrings erinnert, dem Jackie Stewart einst den Beinamen "Grüne Hölle" verpasste.

Sicherheit wird groß geschrieben: 26 ferngesteuerte Kameras beobachten jeden Winkel. Zu jeder Veranstaltung ist ein Rettungswagen mit zwei Mann Besatzung vor Ort. Die Strecke entspricht den neuesten Sicherheitsrichtlinien der FIA.

Foto: Carl Christian Jancke

Auf dem Bilster Berg bildet eine "Mausefalle" genannte langgezogene Linkskurve mit einem Gefälle von 26 Prozent und rund 30 Metern Höhenunterschied die Schlüsselstelle, wo sich der fahrerische Spreu vom Weizen trennt.

Während die Fahrbahn in der Eifel jedoch einem Flickenteppich gleicht und die Leitplanken dokumentieren, dass manch ein Hobby-Rennfahrer sich hier überschätzte, wird im Teutoburger Wald Sicherheit groß geschrieben. Oeynhausen und Tilke planten und bauten natürlich direkt nach FIA-Standard. Hohe Zäune, 6er-Stapel neuer Reifen, 26 fernsteuerbare Videokameras und ein eigenes Medical Center sorgen für Eventualitäten vor.

Zwei Boxengassen führen die alten Munitionsbunker neuer Bestimmung zu. Eine großzügige Hospitality gibt Raum für anspruchsvolles Catering.

Foto: Carl Christian Jancke

Den Grafen einen Visionär zu nennen, wäre sicherlich nicht falsch. Aber hauptsächlich ist er knallharter Unternehmer. Während der Staat sich bei Lausitz- oder Nürburgring vergaloppierte, plant er mit 20 festen Mitarbeitern und mehr als fünf Millionen Euro Umsatz im ersten Teil-Geschäftsjahr 2013 eine schwarze Null. Dass das nicht unrealistisch ist, zeigt die Tatsache, dass zum Saisonstart die Rennstrecke bis auf 12 Tage belegt war.

Denn sein Angebot stößt auf reges Interesse. Rund 20.000 Euro kostet das Resort pro Tag, inklusive Race-Control und Streckenposten. Für Automobilhersteller und Zulieferer ein attraktives Angebot, die auf der anspruchsvollen Naturstrecke ihre neuesten Entwicklungen auf Herz und Nieren prüfen können.

Es sind aber auch alle Voraussetzungen für Kundenveranstaltungen oder Presse-Events geschaffen. Eine großzügige Hospitality bietet viel Platz, um die großzügig zu bewirten. Um das Motto "Asphalt-Kompetenz" nicht zu verwässern, hat der Graf, der auch Hotelier ist, eine eigene Catering-Firma ins Leben gerufen, die zusätzliche Arbeitsplätze schafft.

Und so drehen Audi-Kunden im R8 hinter den Instruktoren ihre Runden und auch Jaguar hat das Areal schon angemietet, um an zwei Tagen 1.200 Gästen das Fahrerlebnis des neuen F-Type noch vor dessen offiziellen Marktstart zu präsentieren.

Luftbildaufnahme der Anlage, die auf einem ehemals militärisch genutzten Munitionsdepot entstand.

Foto: PR

Neben der Rennstrecke gibt es auch einen ausgedehnten Offroad-Parcours. Die verschiedenen Strecken sind nach Schwierigkeitsgrad wie Skipisten in Rot, Schwarz und Blau unterteilt. Waschplätze, Werkstätten und eine Tankstelle sorgen dafür, dass niemand das Gelände verlassen muss, um die Fahrzeuge in einem ansehnlichen Zustand zu lassen.

Aber der Graf denkt schon weiter. Für Unternehmen ist das Gelände auch interessant, um vor Ort neue Entwicklungen zu testen. Die Nachfrage nach Hallenraum steigt stetig. " Jetzt gilt es, Technologieträger zur Stärkung der Wirtschaftsleistung des Kreises Höxter an den Bilster Berg zu binden. Wir haben uns hier auf unsere Kernkompetenz konzentriert", so Graf Oeynhausen. Und die heißt Asphalt.

Am 2. Juni findet ein Tag der offenen Tür statt. Die Bevölkerung kann von 10 bsi 17 Uhr die 4,2 Kilometer lange Strecke zu Fuß erkunden. Auf der Start- und Zielgeraden wird es eine Ausstellung historischer GT- und Tourenwagen bis Baujahr 1965 geben. Auch am Sonntag wird der Offroad-Parcours für Mitfahrten geöffnet sein. Im oberen Fahrerlager erwartet die Gäste ein umfangreiches gastronomisches Angebot.

Auf der Bühne im unteren Fahrerlager gibt es Interviews und musikalische Darbietungen regionaler Gruppen. Ein besonderer Hingucker, der auch zum Mitmachen einlädt, ist der Nachbau der Bilster-Berg-Strecke als Carrera-Bahn auf über 160 Quadratmetern. 

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An diesem Tag kann das Bilster Berg Drive Resort nur über den eingerichteten Shuttledienst erreicht werden. Die Zufahrtstraße ab der L755 ist für Fahrzeuge und Fußgänger gesperrt. Die Shuttlelinien verkehren ab den Parkflächen im Gewerbegebiet Nieheim und an der L755 nahe Merlsheim. Zusätzlich sind Linien ab den Bahnhöfen in Bad Driburg und Steinheim eingerichtet. Fußgänger gelangen über das süd-östliche Tor am Pfarrer-Löddige-Weg auf die Anlage.

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